Zuletzt aktualisiert am 15. April 2019 um 19:30

In Diskussionen rund um die Fotografie kommt es immer wieder zu dem Punkt, wo die Bildbearbeitung  mit Photoshop und anderen Programmen als Teufelswerk der digitalen Zeit bezeichnet wird. Ist das wirklich so oder einfach eine Ausrede, weil man sich nicht mit dem Thema beschäftigen will?

Bildbearbeitung ist so alt wie die Fotografie

Dabei ist die Bildbearbeitung doch gar kein Thema des digitalen Zeitalters. Seit dem die Menschen Fotos machen, werden auch die Bilder und ihr Aussehen beeinflusst. Sie ist doch im Grund genommen nur ein Teil der Bildgestaltung, die bereits mit der Auswahl des Objektives, der Blende, der Belichtungszeit und früher der Auswahl eines Filmes beginnt. Ändere ich einen Faktor aus dieser Kette, dann bekomme ich doch vom gleichen Motiv schon unterschiedliche Bilder.

Auch der Einsatz von diversen Filtern beim Fotografieren ist eine Bildbearbeitung. Sei es ein Polfilter, ein Farbfilter, ein Schwarzfilter oder ein Grauverlauffilter – alle beeinflussen das Foto, welches am Ende auf dem Film belichtet oder dem Chip gespeichert wird. Somit ist auch diese Technik keine neumodische Erfindung. Der Vorteil der heutigen Zeit ist es aber, das man diese Filtereffekte zum Teil nachträglich in der Fotobearbeitung einsetzen kann.

Der nächste Schritt war und ist dann die Entwicklung des Fotos. Heute in der Fotobearbeitung, früher geschah das alles in der Dunkelkammer. Daher stammen auch diese „komischen“ Begriffe, die wir heute z.B. in Photoshop finden. Abwedeln und Nachbelichten, also das Aufhellen oder Abdunkeln einzelner Bildbereiche, waren auch in der Dunkelkammer bereits gängige Methoden um ein Bild zu verfeinern.

Beim Erstellen und Belichten der Negative und der Abzüge standen auch in der Dunkelkammer bereits viele Möglichkeiten zur Verfügung, um das Bild zu „verändern“. Es konnten verschiedene Belichtungszeiten genutzt werden, verschiedene Chemikalien oder Fotopapiere brachten unterschiedliche Ergebnisse. All das sind Dinge, die heute in der digitalen Bearbeitung mit verschiedenen Schiebereglern auch umgesetzt werden können. Hier kann der Kontrast verändert werden, die Farbtemperatur des Bildes, Kontraste erhöht, Tiefen aufgehellt werden und viele andere Faktoren an dem Bild beeinflusst werden.

"Composing" von 1864

„Composing“ von 1864 – ein Bild aus drei Einzelbildern – Quelle: www.fourandsix.com

Ein weiteres Thema ist auch schon so alt, wie die Fotografie. Dabei geht es um die bewusste Manipulation von Bildinhalten. Da werden Köpfe ausgetauscht, Menschen aus Bildern heraus retuschiert, Phantasiebilder erschaffen – die ganze Palette. Und auch dies alles ging schon in der Dunkelkammer. Natürlich mit wesentlich größerem Aufwand und die Ergebnisse waren nicht unbedingt so klinisch perfekt wie mit den digitalen Werkzeugen der heutigen Zeit. Auf der tollen Seite izitru könnt ihr euch mal eine ganze Reihe von Bildmanipulationen der Geschichte ansehen.

Ihr seht, dass ganze Thema ist kein „Problem“ der modernen, digitalen Zeit. Nur stehen viele Methoden, welche früher nur einigen Enthusiasten in ihrer Dunkelkammer möglich waren, heute der breiten Masse per Photoshop und Co. zur Verfügung.

Und mit dieser breiten Masse verändert sich auch die Vielfältigkeit der Bearbeitungen, die man zu sehen bekommt.

Bildentwicklung in Lightroom

Bildentwicklung in Lightroom

Normale Bearbeitungsschritte heute

Tja, was sind denn nun die normalen Arbeitsschritte bei der heutigen Fotobearbeitung? Für mich sind das die folgenden, bei meinen RAW Dateien:

  • Objektivkorrekturen anwenden
  • Ausschnitt wählen
  • Gerade drehen
  • Kontrast
  • ggf. Weißabgleich korrigieren
  • Tiefen/Lichter anpassen
  • Schärfen

Das hört sich nun nach einer Menge Arbeit ist, pro Bild. Dem ist aber nicht so, das geht einem mit der Zeit sehr flott von der Hand und ist vor allem deutlich schneller, als eine Entwicklung in der Dunkelkammer. Bei der Arbeit mit RAW-Dateien aus der Kamera sind diese Schritte aber unerlässlich. Die Bilder sind eben nicht geschärft oder anders von der Kamera optimiert worden. Bei der Speicherung im jpg-Format können einige dieser Schritte entfallen, aber man hat auch nicht mehr alle Möglichkeiten mit dem Foto zu arbeiten.

Bei einigen Bildern arbeite ich auch gerne mit Grauverläufen um z.B. die Wirkung eines tollen Wolkenhimmels zu verstärken.

Grauverlauf für einen dramatischen Himmel

Grauverlauf für einen dramatischen Himmel

Ist das nun schon eine Bearbeitung, die das Bild zu einem Fake macht, wie ab und zu behauptet wird? Ich sage eindeutig nein, denn es wurde an dem Bild inhaltlich nichts verändert. Es wurden lediglich feste Bestandteile des Bildes, in diesem Fall der Himmel, verschönert. Das hätte man übrigens auch mit einem Grauverlauffilter auf dem Objektiv erreichen können. Nur, da ich diesen nicht für jedes Objektiv besitze, muss ich das in Nachhinein in der Fotobearbeitung machen.

Grenze zwischen Foto und Fake

Aber wo  liegt nun die Grenze zwischen einer normalen Fotobearbeitung und der Erstellung eines Fakebildes? Ich persönlich denke, die Grenze muss jeder für sich selber ziehen. Eindeutig Fakes sind für mich Bilder, wo aus verschiedenen Aufnahmen ein Phantasiebild entsteht. Nur gefällt mir der Begriff Fake dabei gar nicht, ich nenne sie lieber neudeutsch Composing und halte sie für eine eigene Kunstform, wenn sie gut gemacht sind. Ich bin selber ein riesiger Fan von Pavel Kaplun und seinen tollen Composings und Bildbearbeitungen.

Dann gibt es noch die kleinen Sünden der Fotobearbeitung. Sei es ein raus retuschierter Mülleimer aus einem Landschaftsbild oder ein weg gestempelter Strommast in einem Panorama. Es gibt Leute, die meinen mit solchen Mitteln würde der dokumentarische Charakter des Bildes verändert. Ich selber sehe es aber als Optimierung an, weil vielleicht am Ort der Aufnahme kein anderer Standpunkt möglich war, wo der Mülleimer nicht im Bild gewesen wäre. Ich selber mach das ausgesprochen selten – aber es kommt vor, wenn mich Elemente in einem Bild wirklich stören.

Entfernen von störenden Elementen

Entfernen von störenden Elementen

In diesem Beispiel haben mich die orangefarbenen Pömpel mit Hintergrund gestört und ich habe sie dann halt weg gestempelt. Habe ich somit den Charakter des Urlaubsbildes zerstört? Übrigens, dieses „stempeln“ ist ebenfalls ein Begriff aus Dunkelkammerzeiten und somit auch keine Erfindung der modernen, digitalen Technik. Es geht nur heute kinderleicht und in Zeiten der Sensorflecken ist es ein wirklich wichtiges Werkzeug geworden. Wer will denn schon die Flecken im blauen Himmel sehen?

Fazit

Eine gute, mit Bedacht eingesetzte Bearbeitung kann ein Foto noch weiter aufwerten. Dazu muss aber die fotografische Grundlage erst mal gegeben sein. Aus einem völlig verkorksten Bild, aus einer unscharfen Aufnahme kann auch eine Bearbeitung dann kein perfektes Bild machen. Ich selber habe überhaupt kein Problem mit Fotos, wie ein wenig spannender oder dramatischer bearbeitet wurden. Auch die Entfernung von störenden Objekten schreckt mich nicht ab. Zumal ich diese meisten gar nicht erkennen kann, da ich ja oft den originalen Schauplatz nicht kenne.

Und ein Fluch der modernen, digitalen Welt ist die Fotobearbeitung für mich erst recht nicht. Wie oben beschrieben, alle Manipulationen und Bearbeitungen gab es auch schon zu analogen Zeiten. Nur, durch die modernen Techniken hat nun die breite Masse Zugriff auf diese Möglichkeiten der Bearbeitung.

Wie seht ihr das ganze Thema? Bearbeitet ihr eure Bilder? Mögt ihr gar keine Manipulationen? Schreibt eure Meinung doch einfach hier in einen Kommentar und lasst uns ein wenig über das Thema diskutieren.

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