Zuletzt aktualisiert am 7. November 2018 um 12:29

Scharfe Fotos machen, das ist das Ziel eines jeden Fotografen, egal ob ein Hobby- oder Profiknipser an der Kamera steht. Gestalterische Unschärfen lassen wir dabei mal außen vor.

Wie kann man denn nun scharfe Fotos machen? Wodurch kommen Unschärfen zustande? Dies möchte ich euch in diesem Beitrag zeigen.

Ursachen für Unschärfen

Es kann mehrere Gründe geben, wenn ein Foto unscharf ist oder das falsche Motiv auf dem Foto scharf ist. Hier mal die vier häufigsten Gründe:

  • Falscher Fokus
  • Bewegung der Kamera
  • Bewegung des Motivs
  • Falsche Kameraeinstellungen

Nachfolgend möchte ich ein paar Tipps geben, wie man diese Fehler vermeiden kann.

Dabei sollte auch klar sein, dass es unterschiedliche Anforderungen an die Schärfe in einem Bild gibt. So sollten Landschaftsfotos von vorne bis hinten scharf sein. Daher wird für die Landschaftsfotografie oft eine geschlossenere Blende genutzt. Im Gegensatz dazu sollen bei Portrait- oder Tieraufnahmen nur die Personen/Tiere oder sogar nur der Kopf scharf sein. Der Hintergrund soll verschwommen sein (das sogenannte Bokeh). Um das zu erreichen wir bei diesen Aufnahmen eher mit Offenblende fotografiert.

Scharfe Fotos machen – Tipps

Fokus richtig nutzen

Was ist eigentlich der Fokus? Nun, im Grunde ist es die Stelle im Bild, worauf die Kamera scharf stellt. Auf dem nachfolgenden Bild könnt ihr sehen, wie ein falscher Fokus aussieht.

Unscharfes Foto durch falschen Fokus

Worauf hier der Fokus liegt, kann man noch nicht mal sagen. Weder auf dem Vögelchen, noch auf dem Hintergrund – er liegt irgendwo im nichts.

An vielen Kameras gibt es die Möglichkeit, den Fokus automatisch von der Kamera einstellen zu lassen und zwar in einem vollautomatischen Modus. Dabei drückt ihr den Auslöser der Kamera und die Logik der Kamera such die Stelle im Bild, auf die scharf gestellt wird. Mittlerweile ist die Technik recht ausgereift, aber trotzdem kann die Kamera eure Gedanken nicht lesen. Nehmen wir mal ein Beispiel:

Fokus gezielt eingesetzt

Wenn bei diesem Fotos die Kamera entscheiden soll, dann muss sie wissen ob nun die Figuren, der Brunnen oder das Schloss Hintergrund scharf sein soll. Moderne Kameras haben so eine gute Logik, das sie in dem Fall wohl richtig entschieden hätten. Aber das Beispiel ist aber auch einfach.

Besser ist es, einen halbautomatischen Weg zu gehen, welchen ebenfalls alle Kameras anbieten und auch viele Smartphones bieten diese Technik an. Dabei wählt ihr die Stelle in Bild aus, die scharf gestellt werden soll. Die Kamera übernimmt dann den Rest. Am besten kann man das wieder mal an einem Beispiel erklären.

Fokuspunkt manuell wählen

Fokuspunkt manuell wählen

Bei den meisten Kameras wird euch der Fokuspunkt durch ein farbiges Quadrat angezeigt. Mit diesem könnt ihr wählen, welches Objekt im Bild scharf sein soll. Bei sehr guten Kameras kann man diesen Punkt im Bild sogar bewegen, so das nicht immer der Fokus auf der Bildmitte liegen muss. In dem Beispiel ist im oberen Bilder der Fokus auf den Leuchtturm gesetzt, im unteren Beispiel auf den kleinen Wurm.

In modernen Kameras gibt es inzwischen auch eine Gesichtserkennung, die erstaunlich gut funktioniert. Diese fokussiert automatisch auf ein Gesicht im Bildbereich. Wenn ihr Menschen fotografiert, ist das eine tolle Sache. Wollt ihr aber ein Gebäude fotografieren, wo Menschen davor stehen, dann stört die Gesichtserkennung natürlich und muss abgeschaltet werden. Übrigens funktioniert die Gesichtserkennung oft auch bei Tieren, probiert das mal aus.

Damit habt ihr schon mal die Kontrolle über den Kamerafokus übernommen. Das eigentliche Scharfstellen übernimmt dann die Kamera.

In einem ausführlichen Artikel findet ihr noch mehr Tipps rund um das Thema Fokusmodus und Messfeldsteuerung.

Bewegungen der Kamera führt zu verwackelten Bildern

Kamera beim Fotografieren bewegt: Verwackelt

Kamera beim Fotografieren bewegt: Verwackelt

Die häufigste Ursache für misslungene Fotos sind Verwackelungen. Diese passieren, wenn die Kamera beim Fotografieren bewegt wird.

Man sollte die Kamera beim Fotografieren immer absolut ruhig halten und eine möglichst kurze Belichtungszeit wählen. Dies setzt natürlich ausreichend Licht voraus.

Sollten die Belichtungszeiten, wegen fehlendem Licht zu lang werden, dann nutzt ein Stativ. Sollte kein Stativ vorhanden sein, dann legt die Kamera auf eine Mauer oder einen anderen festen und sicheren Ort.

Zu lange Belichtungszeit

Die Belichtungszeit wollte immer so kurz wie nötig gewählt werden. Je länger ein Foto belichtet wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Foto verwackelt wird.

Für die Belichtungszeit, mit der man noch Aufnahmen aus der Hand machen kann, gibt es eine Faustregel:

Brennweite = 1/Belichtungszeit

Das soll heißen, das ihr bei 200 mm Brennweite mit 1/200 Sekunde belichten könnt, bei 60 mm Brennweite aber bis zu 1/60 Sekunde ohne zu verwackeln. Dies ist wirklich nur eine Faustregel, die aber in der Praxis nahe an die Realität kommt. Warum ist das so?

Nun, je mehr Brennweite ihr habt, desto mehr wirkt sich die kleinste Bewegung auf das Motiv aus. Ich habe da mal was vorbereitet, um das zu veranschaulichen:

Auswirkung der Brennweite auf das Verwackeln

Auswirkung der Brennweite auf das Verwackeln

Die Situation ist klar, oder? Kamera fotografiert Leuchtturm (der letzte Urlaub hat Spuren hinterlassen). Im linken Beispiel steht der Fotograf weit vom Leuchtturm entfernt und nutzt viel Zoom bzw. Brennweite, im rechten Beispiel steht er nahe dran und braucht dadurch weniger Brennweite.

Die schwarzen Striche zwischen Kamera und Leuchtturm zeigen eine Bewegung der Kamera von nur 2°. Ihr seht, bei viel Brennweite gehen die Striche immer weiter auseinander, das Bild wird also unschärfer. Durch eine extrem kurze Belichtungszeit verhindert man, das die Kamera im Moment der Aufnahme überhaupt um 2° bewegt werden kann, dadurch bekommt man dann auch mit einer langen Brennweite schärfere Bilder.

Um also bei schlechterem Licht eine Chance auf gute Bilder zu haben… geht einfach näher an das Motiv heran oder wählt eine kurze Belichungszeit.

Nutzt ein Stativ bei langen Belichtungen

Eine weitere Möglichkeit ist es, die Kamera während der Aufnahme zu stabilisieren. Dazu kann man ein Stativ nehmen oder die Kamera einfach auf eine Mauer legen.

Boston Sunset

Dieses Bild ist eine ganze Sekunde lang belichtet worden. Dabei stand die Kamera auf einem Stativ und wurde somit nicht bewegt. Selbst die weit entfernten Häuser sind dabei noch ausreichend scharf. Wenn ihr viel in dunklen Umgebungen fotografieren wollt, kommt ihr um die Anschaffung eines Stativs nicht herum.

Schaltet an Eurer Kamera aber den Bildstabilisator aus, wenn ihr von einem Stativ fotografiert. Der Stabilisator würde sonst versuchen Bewegungen auszugleichen, die es gar nicht gibt und dadurch selber für unscharfe Fotos sorgen.

Ein weitere Grund, dass Fotos vom Stativ unscharf werden, ist das manuelle Auslösen der Kamera. Beim Drücken des Auslösers bewegt sich zwangsläufig die Kamera, auch auf einem Stativ. Nutzt daher entweder den Selbstauslöser, der ein paar Sekunden nach dem Drücken des Auslösers und dem Entfernen der Finger von der Kamera auslöst. Oder nehmt einen Fernauslöser, den ihr per Funk, Bluetooth oder Kabel mit der Kamera verbindet und diese damit fernsteuert.

Blende zu weit geöffnet

Je weiter die Blende an der Kamera geöffnet ist, desto geringer wird die Schärfentiefe im Foto. 

Einfluss der Blende auf die Schärfeebene

Dieser Effekt wird oft als Stilmittel eingesetzt um ein Motiv im Vordergrund scharf zu bekommen und alles im Hintergrund wird verschwommen. In einigen Situationen kann die Schärfeebene so gering sein, das bei einem Portrait die Nasenspitze scharf ist, die Augen dagegen unscharf. Übertrieben kann das dann so aussehen:

Auswirkung der Blendenzahl auf die Tiefenschärfe

Auswirkung der Blendenzahl auf die Tiefenschärfe

Ums also mehr (Tiefen-)Schärfe ins Foto zu bekommen, sollte die Blende geschlossen werden (größere Blendenzahl). Aber Achtung, ab einer gewissen Blende kann es zur berüchtigten Beugungsunschärfe kommen. Dabei wird das Licht an den Lamellen der Blende gebrochen und es kommt zu Unschärfen. Wann das passiert, ist vom eingesetzten Objektiv abhängig. Das kann bei einem Objektiv ab Blende 11 passieren, bei einem anderen Objektiv erst bei Blende 16 – hier hilft nur ausprobieren.

Welche Faktoren und Einflüsse die Schärfeebene beeinflussen, haben wir in einem eigenen Artikel über das Zusammenspiel von Blende und Schärfentiefe erklärt.

Stehen bleiben beim Fotografieren

Wir sehen immer wieder Menschen, die beim Laufen, im Vorbeigehen, ein Foto von einem Motiv machen. Das wird nichts. Denn in dem Moment bewegt sich für die Kamera sogar das Haus. Zum vernünftigen fotografieren gehört Zeit, die sollte man sich nehmen. Bleibt zum fotografieren stehen, nehmt eine bequeme aber ruhige Haltung ein und macht dann Euer Foto.

Eine Ausnahme sind Fotos aus dem fahrenden Auto. Wir machen diese auf unseren Roadtrips sehr gerne um das Feeling eines solchen Trips zu dokumentieren. Nutzt dafür auch sehr kurze Belichtungszeiten und fotografiert nach vorne, durch die Wundschutzscheibe. Fotos aus dem Seitenfenster werden nur selten gut, da dort die gefahrene Geschwindigkeit viel mehr auf das Ergebnis des Fotos wirkt.

Nutzt den Bildstabilisator der Kamera oder des Objektives

Viele Kameras oder Objektive bieten heute einen Bildstabilisator an, sogar Smartphones nutzen mittlerweile diese Technik. Dabei werden Verwacklungen durch mechanische Maßnahmen reduziert und man kann längere Belichtungszeiten einfach aus der Hand fotografieren.

Bei guten Kameras können so deutlich längere Belichtungszeiten genutzt werden, ohne dass die Fotos verwackeln. 

Bei der Nutzung eines Statives sollte der Bildstabilisator aber ausgeschaltet werden. Die Mechanik würde versuchen, Bewegungen auszugleichen, die es gar nicht gibt. Und genau dadurch würden wieder unscharfe Fotos entstehen.

Keine Angst vor hohen ISO Werten

Wenn das Licht schlechter wird, dann erhöht die ISO-Empfindlichkeit an der Kamera. Dies hat zur Folge, das die Lichtempfindlichkeit des Sensors erhöht wird uns somit kürzere Belichtungszeiten möglich sind. Tolle Idee, oder? Leider hat auch das einen gewaltigen Haken. Je höher die ISO-Zahl geht, desto mehr wird das Bild anfangen zu rauschen.

Hochwertige Kameras kann man heute bis zu ISO 3.200 oder 6.400 hoch drehen und hat noch tolle Bilder. Einfache Kameras, mit kleinem Sensor, und vor allem auch Smartphones kommen da aber schnell an ihre Grenzen. Da sind oft die Bilder bei ISO 800 unerträglich verrauscht.

Testet es mit eurer Kamera mal aus, ab welchem ISO-Wert das Rauschen störend wird. 

Nutzt einen Blitz, wo es Sinn macht

Der Blitz kann eingesetzt werden um mehr Licht in die Szene zu bekommen und somit Verwacklungen durch eine kurze Belichtungszeit zu vermeiden. Nur, Blitze haben eine eingeschränkte Reichweite. An einfachen Kameras schaffen sie es oft nicht mal einen normalen Raum auszuleuchten. Aber auch professionelle Blitze haben ihre Grenzen. Lustig zu beobachten sind immer die vielen Blitze auf Veranstaltungen, wie z.B. in einem Fußballstadion. Die Blitze reichen nur bis auf die Köpfe der Leute, welche vor einem sitzen, aber niemals bis zum Spielfeld.

Bewegungen des Motivs

Wenn ihr bewegte Motive fotografieren wollt, braucht ihr wieder kurze Belichtungszeiten. Tiere sind dafür ein Paradebeispiel.

Wenn sie nicht wollen, dann wollen sie nicht fotografiert werden.

Wenn sie nicht wollen, dann wollen sie nicht fotografiert werden.

Hier wäre eine Belichtungszeit von 1/1000 oder 1/2000 Sekunde vielleicht noch zu wenig gewesen, um den Gesellen scharf auf das Bild zu bekommen. Wenn ihr also bewegte Motive fotografiert, friert die Bewegungen mit einer kurzen Belichtungszeit ein.

Schweinsaffe in den Bäumen

Schweinsaffe in den Bäumen

Dieses Bild ist mit 1/640 Sekunde gemacht. Der Affe lief recht gemütlich über den Ast und somit reiche das aus, um die Bewegung einzufrieren.

1/160 - f 6,3 - ISO 400

1/160 – f 6,3 – ISO 400

Bei längeren Belichtungszeiten müsst ihr einfach ein wenig Glück haben. Bei dem Tigerbild sieht man die Bewegungen der Beine und auch des Rumpfes. Der Kopf ist aber recht scharf geworden, da dieser im Moment der Aufnahme recht ruhig gehalten wurde.

Eine weitere Möglichkeit bei bewegten Motiven sind die sogenannten Mitzieher. Dabei sucht ihr euch einen Fokuspunkt auf dem Motiv und folgt diesem Punkt während der Aufnahme. Ihr bewegt dabei die Kamera mit dem Motiv. Dabei wird das Motiv selber dann scharf dargestellt, der Hintergrund wird aber verwischt sein. Hier mal ein Beispiel, wie sowas aussehen kann:

ISO 100 - Blende 11 - 1/60 Sekunde - 210mm - Zeitpriorität

ISO 100 – Blende 11 – 1/60 Sekunde – 210mm – Zeitpriorität

Mit dieser Mitziehtechnik kann man tolle Ergebnisse bekommen. Allerdings braucht das sehr , sehr viel Übung und am Anfang produziert man eine Menge Müll dabei.

Saubere Objektive nutzen

All die Tipps oben nutzen aber nichts, wenn die Gläser am Objektiv verschmutzt sind. Achtet darauf, dass die Gläser an beiden Seiten des Objektives sauber sind. Das gilt natürlich auch für eventuell genutzte Filter, die auf das Objektiv geschraubt sind.

Scharfe Fotos machen – Fazit

Ihr habt gesehen, es gibt viele Faktoren die Einfluss auf die Bildschärfe haben können. Merkt euch einfach die folgenden Punkte und ihr werdet euch an schönen, scharfen Bildern erfreuen und habt eine Fehlerquelle beim Fotografieren ausgeschlossen:

  • Möglichst kurze Belichtungszeiten
  • Bei schlechtem Licht, weniger Zoom / Brennweite nutzen, lieber näher ran gehen
  • In dunklen Umgebungen Hilfsmittel wie Blitz oder Stativ nutzen

Habt ihr noch Fragen oder Anregungen zum Thema scharfe Fotos? Dann lasst einfach einen Kommentar da.

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Wer schreibt hier?

Wir sind es, Melanie und Thomas. Zwei Reisesüchtige in den besten Jahren, wie man das neuerdings so sagt, also das mit den Jahren. Wenn wir mal nicht reisen, verdienen wir unser Geld zum Reisen und fotografieren uns an den Wochenenden durch die nähere Umgebung. Dabei lieben wir Zoos oder andere Sehenswürdigkeiten rund um unseren schönen, geliebten Ruhrpott.

Melanie und Thomas auf Reisen