Zuletzt aktualisiert am 8. Januar 2019 um 18:27

Eine gute Bildgestaltung fällt auf, oft einfach unbemerkt im Unterbewusstsein. Es gibt immer wieder Fotos, die aus der Masse heraus ragen, die einem besonders gut gefallen. Das liegt oft an dem tollen Licht im Bild oder am besonderen Motiv, welches zu sehen ist.

Fast immer haben diese Bilder aber auch eine tolle Bildgestaltung als Grundlage. Für die Bildgestaltung gibt es eine ganze Reihe von Regeln, die man beachten sollte. Die wichtigsten davon möchte ich euch in diesem Beitrag mal zeigen.

Bildgestaltung: Der goldene Schnitt

Vielleicht ist das die wichtigste und bekannteste Regel für einen gescheiten Bildaufbau. Anfänger in der Fotografie neigen dazu, das Motiv in die Mitte des Bild zu setzen. Besser ist es aber, sich des goldenen Schnitts zu bedienen oder der Drittel Regel. Beim goldenen Schnitt wird das Bild aufgeteilt in ein Raster mit einem Seitenverhältnis von ungefähr 3:5. Beim der Drittel Regel wird das Bild einfach Bereiche von jeweils einem Drittel aufgeteilt.

Hier mal zwei Grafiken, die das besser erklären als ich das mit Worten machen kann.

Raster Goldener Schnitt

Raster Goldener Schnitt

Raster Drittel Regel

Raster Drittel Regel

Ziel sollt es nun sein, das Hauptmotiv an diesen Rasterlinien oder deren Schnittpunkten zu platzieren. Am besten nehmen wir mal ein Beispiel, um das zu verdeutlichen: Schauen wir uns mal diesen Reiter im Monument Valley an, einfach mittig drauf gehalten und abgedrückt:

Der Reiter in der Mitte

Der Reiter in der Mitte

Das ist schön und prima, aber leider auch strunzlangweilig. Und nun eine Aufnahme, unter Berücksichtigung des goldenen Schnitts:

Reiter im goldenen Schnitt

Reiter im goldenen Schnitt

Das wirkt wesentlich harmonischer und spannender als das erste Beispiel. Der Pferdekörper sitzt nun auf dem rechten, unteren Punkt des goldenen Schnitts. Der Reiter liegt auf der rechten Linie und schaut nach links, wo mehr Raum ist, um seinem Blick „zu folgen“. Ganz perfekt wäre es, wenn der Berg im Hintergrund auch noch auf der rechten Schnittlinie liegen würde. Wäre ich einfach 4-5 Schritte nach links gegangen, dann wäre das auch noch perfekt gewesen. Ihr seht, man findet immer was zum Meckern. Aber ich denke, die Aussage hier ist klar, schiebt die Hauptmotive raus aus der Bildmitte. Viele Kameras helfen euch dabei, in dem sie bereits im Sucher die Drittellinien oder die Linien des goldenen Schnitts anzeigen. Bei Landschaftsaufnahmen sollte man den Horizont ebenfalls immer auf die obere oder untere Linie des goldenen Schnitts legen. Will man mehr von der Landschaft zeigen, dann kommt der Horizont auf die obere Linie oder wie in folgenden Fall noch höher, da der obere Rand des Canyons auf der oberen Linie liegt.  

Wenig Himmel bringt den Vordergrund zur Geltung

Wenig Himmel bringt den Vordergrund zur Geltung

Hat man aber einen tollen Wolkenhimmel, dann kann der Horizont auch mal auf die untere Linie des goldenen Schnitts legen und damit die Bildaussage auf den Himmel zu lenken.

Himmel steht im Vordergrund des Bildes

Himmel steht im Vordergrund des Bildes

Es gäbe auch noch die goldene Spirale, eine weitere Form der Bildgestaltung. Wenn ihr z.B. Lightroom nutzt, könnt ihr im Freistellungsmodus mit der Taste „O“ zwischen den einzelnen Methoden umschalten. Hier noch ein Bild mit der goldenen Spirale als Regel, die dünne, weiße Linie zeigt die Freistellungsüberlagerung aus Lightroom an:

Goldene Spirale

Goldene Spirale

 

Bildgestaltung: Ein gerader Horizont

Sehr wichtig ist es, das eure Bilder gerade sind. Es gab künstlerische Aspekte geben, ein Bild schräg oder schief zu zeigen. Das geht auch in Ordnung, aber wir reden hier ja über eure Urlaubsbilder. Und da ist es meistens doch schöner, wenn die Bilder ausgerichtet sind.

Das ist schief!

Das ist schief!

Ganz ehrlich, das ist doch nicht schön, oder? Leider bekommt man solche Bilder sehr oft zu sehen, auch wenn ich in dem obigen Beispiel ein wenig übertrieben habe. Gerade bei Aufnahmen vom Meer habe ich dann immer Angst, dass das Wasser rechts oder links aus dem Bild läuft. Nutzt auch hier einfach die Hilfslinien im Sucher der Kamera oder dreht die Bilder später mit der Bildbearbeitung gerade. Ich persönlich neige auch dazu, schiefe Bilder zu machen – warum auch immer – aber bei der Bearbeitung werden sie alle gerade gedreht. Und wenn man dann schon mal dabei ist, kann man auch die anderen Regeln mit ins Spiel bringen:

Gerade gedreht, goldener Schnitt und Diagonale

Gerade gedreht, goldener Schnitt und Diagonale

Hier ist das Bild gerade gedreht worden, der Horizont liegt auf der oberen Linie des goldenen Schnitts und eine Diagonale führt den Betrachter ins Bild. Direkt drei Regeln beachtet!

Bildgestaltung: Diagonalen nutzen

Diagonale Linien im Bild sind wunderbar dazu geeignet um den Betrachter und seinen Blick „in das Bild zu führen“. Wie bei dem obigen Bild die Straße den Blick zu den Bergen führt, kann man Diagonalen immer wieder einsetzten. Das Auge bleibt beim Betrachten des Bildes in Bewegung, es folgt den Diagonalen und macht das Foto somit spannend. Im Urlaub bieten sich für solche Diagonalen alle möglichen Motive an. Straßen, Flüsse oder Bäche, Muster in Steinen, Felsen oder der Landschaft. Wenn man die Augen aufhält findet man immer wieder Diagonalen. Diese nutzt man dann, um den Blick zu einem Motiv zu lenken oder die Diagonale bestimmt gar das ganze Bild.

Diagonale (Treppe) führt ins Bild

Diagonale (Treppe) führt ins Bild

Bei diesem Beispiel führt die diagonale Linie den Betrachter in das Bild, zu dem Baum der auf einer Linie des goldenen Schnitts liegt und der Felsöffnung auf der oberen Linie.

Bildgestaltung: Dem Bild Tiefe geben

Gerade bei Landschaftsaufnahmen fehlen den Bildern oft Tiefe. Bilder sind nun mal nur zweidimensional und können somit nur schwer die Tiefe einer Landschaft wieder geben. Mit einem einfachen Trick, lässt sich diese Tiefe allerdings erzeugen. Achtet darauf, ein Objekt im Vordergrund mit auf dem Bild zu haben. Das kann ein Felsen sein, ein Baum oder auch eine Person – was immer gerade vor euch rum steht. Durch dieses Objekt im Vordergrund bekommt der Betrachter des Bildes ein Verhältnis zur dahinter liegenden Szenerie. Am besten sieht man das wieder an einem Beispiel. Folgendes Bild stammt aus dem Canyonlands Nationalpark, wo man riesige Ebenen mit Canyons vor Augen hat.

Flach Ebene

Flach Ebene

Dem Betrachter fehlt aber der Bezug um die Dimensionen in dem Bild zu erfassen. Hier noch mal das gleiche Bild, mit einem Bezugspunkt.

Ebene mit Bezugspunkt

Ebene mit Bezugspunkt

Durch die Büsche und die Felsen im Vordergrund kann man sich die Weite der dahinter liegenden Ebene viel besser vorstellen. Nutzt daher diese Möglichkeit um den Bildern mehr Tiefe zu geben. Besonders, wenn ihr mit hohen Brennweiten fotografiert ist das notwendig. Das starke Zoomen staucht das Bild zweidimensional zusammen, die Tiefenwirkung des Bildes wird dabei immer schlechter.

Tiefenwirkung bei starken Brennweiten

Tiefenwirkung bei starken Brennweiten

Das Bild ist mit 250mm Brennweite aufgenommen. Aber trotzdem hat es eine Tiefe, die durch den Busch und die beiden Personen erzeugt wird. Der Betrachter hat einen Bezug zur dreidimensionalen, echten Welt.

Bildgestaltung: Tiefen(un)schärfe – das Bokeh

Wenn man kleine oder größere Details in einem Bild zeigen möchte, sollte der Hintergrund im Bild nicht scharf sein. Diesen Effekt erreicht man mit einer kleinen Blendenzahl an der Kamera.

Tiefen(un)schärfe

Tiefen(un)schärfe

So wurde dieses Bild mit Blende 5.6 aufgenommen. In Verbindung mit der Belichtungszeit (1/200) ist der Kaktus im Vordergrund scharf und die Landschaft im Hintergrund unscharf. Damit ist das Hauptmotiv in dem Bild freigestellt und wird automatisch zum Hingucker in dem Foto.

Bildgestaltung ist kein Hexenwerk

Ihr seht, die Bildgestaltung ist kein Hexenwerk, nichts besonders geheimnisvolles. Mit diesen paar Tipps kann man schon tolle Bilder erzeugen, welche sich von der Masse der „normalen“ Urlaubsbilder abheben. Übrigens, so Regeln wie den Goldenen Schnitt, gibt es nicht erst seit der Erfindung der Fotografie. Geht mal in ein Museum und schaut euch mal alte Gemälde an. Auch da werdet ihr oft diese Regeln in der Anwendung wieder finden. Es gibt noch viele weitere Regeln, die aber teilweise für den Hobby- und Urlaubsfotografen zu weit führen würden. Für die ersten Schritte kommt man mit den genannten Regeln schon mal auf „den richtigen Kurs“. Jetzt noch das große aber! Nur durch die Einhaltung dieser Regeln macht nicht automatisch ein perfektes Bild. Aber die Kombination aus Licht, tollem Motiv, interessanter Perspektive und diesen Regeln bringt euer Foto nahe an die Perfektion. Macht aber auch weiter eure Urlaubsschnappschüsse. Auch diese haben ihre Daseinsberechtigung und können später sehr viel Freude bereiten. Mit diesen Beitrag nehmen wir jetzt an der Blogparade Fototipps bei Lichtreflexe teil. Dort findet ihr viele weitere gute Tipps rund um die Fotografie. 

Habt ihr noch Fragen oder Anregungen zum Thema Bildgestaltung auf Reisen? Dann schreibt doch einfach einen Kommentar zu diesem Artikel.

Fotografie Schule für Reisefotos

Dieser Beitrag ist Teil unserer Fotografie Schule für Reisefotos – Tipps und Tricks für schönere Urlaubsfotos. Wenn ihr mehr zu dem Thema lesen wollt, so schaut mal auf der Startseite unserer Fotografie Schule vorbei. Keine Angst, hier müsst ihr Euch für keinen Newsletter anmelden und kostenlos ist das auch noch. Einfach rein schauen, lernen, schönere Bilder machen.

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Wer schreibt hier?

Wir sind es, Melanie und Thomas. Zwei Reisesüchtige in den besten Jahren, wie man das neuerdings so sagt, also das mit den Jahren. Wenn wir mal nicht reisen, verdienen wir unser Geld zum Reisen und fotografieren uns an den Wochenenden durch die nähere Umgebung. Dabei lieben wir Zoos oder andere Sehenswürdigkeiten rund um unseren schönen, geliebten Ruhrpott.

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