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Wie funktioniert das mit Blende, Brennweite und Tiefenschärfe?

Blende, Brennweite, Tiefenschärfe

Die Blende an der Fotokamera stellt viele Anfänger immer wieder vor Probleme. Was macht die eigentlich, was hat die Blende mit der Tiefenschärfe des Bildes zu tun und welche Faktoren spielen dabei noch eine Rolle?

All diese Dinge möchten wir euch in diesem Artikel erklären. Am Ende gibt es alle Infos noch einmal kompakt als Infografik und einen tollen Link, wo man selber mit einem Tiefenschärferechner rum experimentieren kann.

Die Blende im Objektiv

[toc]Die Blende befindet sich im Objektiv einer Fotokamera. Bewegliche Lamellen verändern die Größe der Blendenöffnung.

Eine geschlossene Blende hat immer eine hohe Blendenzahl und eine offene Blende eine kleine Blendenzahl. Das verwirrt viele Fotografen am Anfang.

Die Blendenzahl ergibt sich aus dem Verhältnis von Brennweite zu Öffnungsweite des Objektivs – daher kommt diese verwirrende Angabe – und gibt das Öffnungsverhältnis an. Somit wird als Lichtstärke eines Objektives immer der Kehrwert der kleinsten Blendenzahl (f/k) angegeben.

Offene und geschlossene Blende - Schema

Offene und geschlossene Blende – Schema

Auf allen Objektiven findet ihr eine Angabe, wo die kleinste mögliche  Blende angegeben ist. f/1.4 bedeutet, dass das Objektiv in allen Brennweitenbereichen mit der kleinsten Blende von 1.4 arbeiten kann. f/3.54-5.6 bedeutet, das die kleinste Blende mit der Brennweite variabel ist und zwischen f/3.5 und f/5.6 liegt. Bei diesen Objektiven findet man in der Beschreibung meist noch ein Diagramm, wo man ersehen kann welche kleinste Blende mit welcher Brennweite machbar ist.

Wer nun die mathematischen Hintergründe erlernen möchte, der kann einfach bei Wikipedia nachschauen. Allerdings muss man das nicht wissen um den folgenden Tipps folgen zu können.

Was macht die Blende?

Mit der Blende könnt ihr die Lichtmenge steuern, die auf den Bildsensor trifft. Bei offener Blende kommt in der gleichen Zeit mehr Licht auf den Sensor als bei geschlossener Blende.

Im Grunde kann man sich das wie einen Wasserhahn vorstellen. Drehe ich den nur ein bisschen auf (geschlossene Blende) kommt weniger Wasser aus dem Wasserhahn als wenn ich den Hahn voll aufdrehe (offene Blende).

Somit hat man die Möglichkeit, bei sehr hellem Licht die Blende zu schließen um eine Überbelichtung des Bildes zu vermeiden. Ebenso kann man in dunklen Umgebungen die Blende öffnen um bei kurzen Belichtungszeiten noch ausreichend Licht auf den Sensor zu bekommen.

Die Blende beeinflusst dabei aber noch einen weiteren Aspekt, die Tiefenschärfe.

Tiefenschärfe – was ist das – und was macht die Blende dabei?

Die Tiefenschärfe ist der Bereich in einem Foto, welcher scharf abgebildet ist. Ab und zu lest ihr auch mal den Begriff Schärfentiefe – das ist das Gleiche. Irgendwie hat man sich noch nicht auf eine Einheitliche Bezeichnung geeinigt. In englischen Tutorials spricht dann von von dem Depth of Field (DOP).

Dieser Bereich kann unter verschiedenen Voraussetzungen unterschiedlich groß sein. Den scharfen Bereich in einem Bild bezeichnet man auch als Schärfeebene. Und beeinflussen kann man diese Ebene mit der Blende. Das erklärt sich am Besten an einem Bild:

Einfluss der Blende auf die Schärfeebene

Einfluss der Blende auf die Schärfeebene

In dem Beispiel sieht man die Kamera, die eingestellte Blende und die Brennweite. Fokussiert wird auf ein Blatt in einem Wäldchen – was mit dem Fokus-Symbol dargestellt wird.

Bei Blende 2.8 hat man, unter diesen Voraussetzungen einen recht kleinen Bereich, der im Bild scharf gestellt wird. Eigentlich ist das in dem oberen Beispiel nur das Blatt. Im unteren Beispiel ist die Blende dann auf 22 geschlossen worden. Dadurch werden aber auch Bäume vor und hinter dem Blatt scharf im Bild dargestellt.

Kleine Blendenzahl – offene Blende – kleine Schärfeebene

So weit verstanden? Prima. Dann machen wir das jetzt noch ein wenig komplizierter. Es gibt dummerweise noch mehr Faktoren, welche die Tiefenschärfe eines Bildes beeinflussen. So z.B. der Abstand zu einem Motiv.

Tiefenschärfe – Einfluss des Abstandes zum Motiv

Auch hier nehmen wir wieder unser Beispiel mit dem fotografierten Blatt im Wald:

Tiefenschärfe und der Abstand zum Motiv

Tiefenschärfe und der Abstand zum Motiv

Die Ausgangslage ist die gleiche, wie oben im ersten Beispiel. Dieses mal wird aber an der Kamera nichts verändert, sondern wir nehmen bei gleichen Einstellungen nur andere Blätter in den Fokus.

In dem mittleren Wald haben wir den Fokus mal auf ein Blatt, sehr nah bei der Kamera gesetzt. Dadurch wird nicht nur die Entfernung kleiner, auch die Schärfeebene wird verkleinert.

Setzt man den Fokus nun auf ein Blatt, weit hinten im Wald, so vergrößert sich auch die Schärfeebene. In diesem Fall sogar von fast ganz vorne im Wald bis ins Unendliche. Das ist einer der Gründe, warum man bei Landschaftsaufnahmen, wo man auf einen weit entfernten Punkt im Bild fokussiert ist, meist ein von vorne bis hinten gestochen scharfes Bild hat, auch bei offener Blende.

Je näher man am Motiv ist, desto kleiner wird die Schärfeebene.

Und was passiert beim Zoomen? Gute Frage, denn auch das hat Einfluss auf die Tiefenschärfe. Wäre doch sonst langweilig.

Tiefenschärfe – Einfluss der Brennweite

Gehen wir einfach mal wieder in den Wald:

Auch die Brennweite beeinflusst die Schärfeebene

Auch die Brennweite beeinflusst die Schärfeebene

Dieses mal fotografieren wir wieder mit gleicher Blende, zweimal das gleiche Blatt in identischer Entfernung. Nur, wir verändern den Zoom, also die Brennweite am Objektiv.

Man sieht in den beiden Beispielen wohl deutlich die Auswirkung. Je mehr ich zoome, desto kleiner wird die Schärfeebene im Bild.

Ein Motiv mit mehr Brennweite, vom gleichen Standort fotografiert, reduziert die Schärfeebene im Bild.

Bis hier hin alles verstanden? Prima – weiter geht es.

Tiefenschärfe – Einfluss der Bildsensorgröße

Dies ist nun ein Punkt, den ihr bei Fotografieren nicht selber beeinflussen könnt. Je kleiner der verbaute Sensor in eurer Kamera ist, desto geringer fällt der Effekt der Tiefenschärfe durch die oben genannten Faktoren aus. Dies kommt durch die kleinere Abbildungsfläche, die ein kleinerer Sensor bietet. Das ist dann der Grund dafür, das manche kleinen Kompaktkameras immer noch ein von Vorne bis Hinten scharfes Bild zeigen, wo eine Vollformatkamera einen wunderbaren Schärfeverlauf darstellt.

Tiefenschärfe als Stilmittel nutzen

Die Tiefenschärfe lässt sich im Bild prima als Stilmittel benutzen. Der Übergang vom scharfen zum unscharfen Bereich des Bildes ist fliessend, dabei spricht man dann vom Schärfeverlauf. Hier auch mal zwei konkrete Beispiele:

Fokus auf den Kopf des Geistes

Fokus auf den Kopf des Geistes

Bei diesem Bild wurde der Fokus auf den Kopf des Bildes gesetzt. Der Kopf ist scharf, auch das Blatt rechts neben dem Kopf. Aber bereits die Blätter direkt dahinter sind unscharf und erst recht die Büsche hinter der Straße. Die Darstellung dieser Unschärfe im Hintergrund wird auch als Bokeh bezeichnet. Die Darstellung diese Bokehs kann für künstlerische Fotografen ein Kaufkriterium für ein Objektiv sein, so stark unterschiedlich kann das ausfallen.

Für das zweite Beispiel muss jetzt mal eine Katze herhalten:

Flüssiger Schärfeverlauf

Flüssiger Schärfeverlauf

Bei dem Bild von unserem Jerry sieht man wunderbar den übergangslosen Schärfeverlauf im Bild. Die Nase ist noch leicht unscharf, die Augen scharf und dann wird es nach hinten immer unschärfer.

Infografik Blende und Tiefenschärfe

Da wir inzwischen schon Übung mit Infografiken haben, möchten wir euch die kompakten Infos aus diesem Beitrag auch gerne als Infografik anbieten:

Infografik Blende und Tiefenschärfe

Infografik Blende und Tiefenschärfe

 

Berechnung der Tiefenschärfe

Die Tiefenschärfe unter Berücksichtigung aller möglichen Parameter kann man auch berechnen. Dazu gibt es auf der Seite von Erik Kause ein tolles Berechnungstool: http://www.erik-krause.de/schaerfe.htm

So, nun wünschen wir euch viel Spaß dabei all diese Dinge mal auszuprobieren. Interessant ist es auch, dass man all diese Faktoren auch miteinander kombinieren kann. So stehen einem fast unendlich viele Möglichkeiten zur Bildgestaltung zur Verfügung. Hat euch der Bericht geholfen? Habt ihr noch Fragen oder Anregungen – dann raus damit in den Kommentaren.

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Über den Autor

Thomas Jansen

Thomas, 68er Jahrgang, aus dem schönen Mülheim an der Ruhr im Ruhrpott. Zusammen mit der besten Ehefrau der Welt auf Reisen. Und sonst?
Arbeiten // Fotografieren // Bloggen // Spotten // Slotten // Lesen

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19 Kommentare

  • Hallo Thomas,
    Das ist top erklärt, auch wenn ich einiges schon wusste. Vielen Dank für diese ausführliche Anleitung. Ich fotografiere zugegebenermaßen meistens im Automatik-Mode.
    Ich versuche das mal nach deiner Info umzusetzen : )
    Liebe Grüße, Bee

  • Hallo Thomas,
    puh wenn man sich das dann auch noch merken kann 😉
    Ich liebe ja momentan die Fokosierung bei meinen Bildern und spiele etwas herum, aber immer eins nach dem Anderen. Es gibt millionen Einstellungen puh
    LG Tanja

  • Sehr schön, ich fotografiere fast ausschließlich mit Blendenpriorität. Die Auswirkungen der Blende zu kennen und zu verstehen ist super wichtig wenn man vom Automatik-Modus wegkommen will.

    Grüße, Marc

    • Genau so ist das. Ich erwische mich in letzter Zeit immer öfter dabei, im manuellen Modus zu fotografieren, wenn genügend Zeit da ist. Natürlich produziert man dabei auch viel Müll aber die Lernkurve ist enorm.

      LG Thomas

  • Hallo Thomas,

    Danke für die wieder einmal grandiose Erklärung!

    Schonmal an ein Buch zu dem Thema gedacht? Ich habe mich in der letzten Zeit durch sehr viele Erklärungen gelesen, die teilweise auch gut waren, aber ich mindestens zwei- bis dreimal lesen musste, um es überhaupt zu verstehen. Sowohl bei dem Belichtungsdreieck als auch hier, konnte ich alles auf Anhieb verstehen und durch die Grafiken ist auch direkt viel hängen geblieben. Wirklich super!

    Liebe Grüße
    Sarah

    • Hi Sarah,

      erstmal Danke für das Lob. Och kenne das ja selber, das viele Anleitungen gut sind aber schon wieder so detaillert sind, das sie schwer zu verstehen sind.

      Und ja, ein eBook mit unseren Artikeln ist in Planung. Aber, da fehlen noch einige Artikel, welche aber auf unserer ToDo Liste stehen und in den nächsten Wochen hier erscheinen werden.

      LG Thomas

  • Hallo,

    vielen Dank für diesen tollen und umfangreichen Artikel. Ihr müsst total lange an den Infografiken gesessen haben, oder? Die sind super geworden.
    Ich werde den Text bestimmt noch öfter lesen und einiges mit Basti zusammen ausprobieren.
    Euer E-Book klingt spannend – freue mich schon drauf.

    LG Myriam

    • ist wirklich ein guter und einfach zu verstehender Artikel. Nun muss ich noch herausfinden wie man solch hohe Blenden bei der Lumix LX7 einstellt. Das Drehrad geht nur bis 8 …

      • Hallo Sego,

        gerade mal ein paar Bilder der Kamera angeschaut, ich kenne die selber nicht. Da scheint der Ring am Objektiv wirklich nur von 1.4 bis 8 zu gehen. Dann kannst Du dabei offensichtlich die Blende nicht weiter schliessen.

        LG Thomas

  • Toller Artikel, sehr schön zusammengefasst!
    Aber heißt es nicht eigentlich Schärfentiefe? 😛 Also die räumliche Tiefe der Schärfe.

    Liebe Grüße 🙂

  • Hallo,

    ist ein super Beitrag für Anfänger wie ich einer bin. Ich glaube aber, bei einem Abschnitt ist ein kleiner Fehler, wenn ich mich nicht irre:

    Tiefenschärfe – Einfluss der Brennweite

    “Dieses mal fotografieren wir wieder mit gleicher Blende, zweimal das gleiche Blatt in identischer Entfernung. Nur, wir verändern den Zoom, also die Brennweite am Objektiv.“

    Laut Bild ist aber die eine Blende auf 2.8 und die andere auf 22.

    Gruß
    Dennis