Corona in Kambodscha und Kanada

Corona-Auswirkungen in Kambodscha und Kanada

Kategorie: Gequatsche

Veröffentlicht: 12. Mai 2020

Aktualisiert: 16. Mai 2020

Kommentare: 1 Comment

Wir haben Freunde im Ausland befragt, welche Auswirkungen die Krise in ihren Ländern hat. Bora hat uns ein paar Fragen dazu aus Kambodscha beantwortet und Michael erzählt über die Lage in Kanada. Zwei Interviews aus zwei Ländern, die wohl unterschiedlicher nicht sein könnten.

Bora aus Kambodscha

BoraAuf unserer Kambodscha-Reise 2017 haben wir Bora kennengelernt. Er war rund um den Archäologischen Park Ankor für zwei Tage unser Tuktuk-Fahrer. Nach der Reise sind wir über Facebook in Kontakt geblieben. So ist im Laufe der Jahre eine kleine Freundschaft entstanden.

Bora lebt mit seiner Frau und seinen Kindern in der Nähe von Siem Reap. Er spricht richtig gut englisch, lernt auch gerade deutsch, und hat durch die Corona-Krise aktuell keinerlei Einkünfte. Da der Tourismus auch in Kambodscha komplett zusammen gebrochen ist, fehlen die Gäste für den Tuktuk-Service.

Fragen an Bora

Bora, wie geht es Dir und Deiner Familie?

Danke, uns geht es soweit gut.

Wie stark ist Kambodscha von der Corona-Krise betroffen:

Kambodscha ist stark von der Corona-Krise betroffen. Es gab viele infizierte Kranke im Land.

Welche Einschränkungen habt ihr im Alltag?

Hier gibt es einige Vorgaben, die wir im Alltag einhalten müssen. Häufiges Händewaschen mit Seife oder die Nutzung von Desinfektionsmitteln. Beim Husten soll man sich immer Papier oder was Anderes vor dem Mund halten, Niesen nur in die Armbeuge. Bei Menschenmengen muss eine Maske getragen werden. Lebensmittel dürfen nur noch gekocht gegessen werden und wir dürfen nicht bei Leuten verweilen, die Fieber haben.

Ihr dürft Euch aber frei bewegen?

Ja, das ist nicht verboten. Wir gehen auch raus, tragen dann aber alle Masken.

Welche Auswirkungen hat die Krise auf Deinen Job als Tuktuk-Fahrer?

Man kann sagen, ich habe meinen Job verloren. Es gibt aktuell keine Kunden, die einen Tuktuk-Fahrer brauchen könnten. Es gibt ja auch keine Flüge mehr nach Siem Reap. Aktuell kümmere ich mich um meine Familie, meinen Garten und habe angefangen Deutsch zu lernen.

Bekommst Du denn Hilfen vom Staat?

Nein, nichts. Keine Nahrungsmittel, kein Geld, vom Staat bekommen wir nichts. Wir haben nur die Möglichkeit, uns selbst vor Corona und seine Folgen zu schützen.

Habt ihr Probleme Lebensmittel oder andere wichtige Dinge, wie Seife, einzukaufen?

Nein, hier gibt es das Alles so weit zu kaufen. Engpässe, die über die üblichen Probleme hinaus gehen, gibt es keine. Auch Desinfektionsmittel und Masken sind problemlos im Supermarkt zu kaufen.

Ist die medizinische Versorgung für Kranke sichergestellt?

Ja, im Krankenhaus von Siem Reap werden Patienten mit Corona behandelt, wenn der Verlauf schwerer ist.

Boro - unser Fahrer in zwei Tagen Angkor

Bora und Melanie

Aktuell wissen wir, dass Bora ganz gut über die Runden kommt. Einige Freunde aus der ganzen Welt haben ihm zu Beginn der Krise finanziell ein wenig unter die Arme gegriffen, wir auch. So kann er hoffentlich die Zeit ohne Touristen gut überstehen. Sollte der Tourismus in Kambodscha wieder anlaufen und Ihr dorthin reisen, schaut mal auf die Facebook-Seite von Bora. Er freut sich dann sicher über viele neue Kunden.

Michael aus Kanada

Michael ist ein alter Freund von uns, aus DRK-Zeiten. 2007 ist er nach Kanada ausgewandert und lebt dort in der Nähe von Toronto. Wir konnten ihn inzwischen zweimal dort besuchen und bleiben nebenher über verschiedene Kanäle in Kontakt.

Fragen an Michael

Michael, erzähl mal was über Dich.

MichaelMichael, Jahrgang 72 geboren in Mülheim an der Ruhr, Ausbildung zum Friedhofsgärtner und Blumen- und Zierpflanzengärtner (Abschluss 1992), seit 2007 in Kanada. Zuerst mit einem Arbeitsvisum, gefolgt von einer dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung und seit April 2014 Kanadischer Staatsbürger. Jetzt arbeite ich als Assistance Manager @ Timbereno Flowers in Beamsville/Ontario. Wir produzieren auf knapp 10.000m2 Azaleen, Gardenien und Mini Zypressen für die Weihnachtszeit.

Während meines Sommerurlaubes 2006 hab ich mich total in dieses Land verliebt (wenn ich das mal so sagen darf). Jobs für gelernte Gärtner gibt es hier zu genüge, sodass ich innerhalb kürzester Zeit eine feste Arbeit nachweisen konnte. Eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Immigration nach Kanada.

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf deinen Alltag aus?

Bis auf die Tatsache, das soziale Kontakte zurzeit fast unmöglich sind, kann ich für mich persönlich keine großen Einschränkungen feststellen. Aber dieses Problem betrifft ja zurzeit wohl fast 100% der Bevölkerung. Wirklich traurig macht mich allerdings die Tatsache, das ich bedingt durch Covid-19 die goldene Hochzeit meiner Eltern am 26. Juni verpassen werde.

Aufgrund meiner Position in der Gärtnerei (Assitance Manager) ist mein Arbeitsplatz mehr oder weniger sicher. Leider mussten wir für einige Wochen zwei unserer festen Mitarbeiter beurlauben.

Lange Schlangen vor den Supermärkten sind mittlerweile normal. Malls sind zurzeit noch geschlossen und Baumärkte haben bis einschließlich Sonntag nur Abholservice.  Was ich persönlich sehr erstaunlich (und auch ein wenig besorgniserregend) finde, sind die wirklich endlos erscheinenden Warteschlangen vor dem Beer Store und dem Liquor Store. Traurige Wahrheit ist, das seit Beginn der Corona Pandemie deutlich mehr Alkohol konsumiert wird. Und das, obwohl Alkohol hier in Kanada bekanntermaßen sehr teuer ist und in den letzten 8 Wochen ca. 3 Millionen Menschen ihren Job verloren haben.

Hast du im Job Probleme oder Einschränkungen durch Covid-19?

Wie bereits angedeutet, habe ich das große Glück, meinen Job behalten zu können. Allerdings hat sich in den letzten Wochen bestätigt, was ich schon immer (auch noch während meiner Zeit in Deutschland) gesagt habe. Blumen sind kein lebensnotwendiges Gut! Die Menschen sind entweder nicht in der Stimmung, Blumen zu kaufen oder sie können es sich schlichtweg nicht leisten, da sie gerade ihren Job verloren haben und ihr Geld logischerweise lieber in Lebensmittel investieren. Ein Großteil der hier in der Niagara Region produzierten Blumen und Pflanzen geht in die USA. Dieser Markt ist durch Covid-19 fast komplett zusammengebrochen. Alle produzierenden Betriebe im Bereich Blumen/Pflanzen haben herbe Verluste hinnehmen müssen. Einige Kollegen haben Umsatzeinbußen von bis zu 50% zu verzeichnen. Unmengen von Blumen sind auf dem Kompost gelandet. Der Gesamtschaden für die Betriebe geht in die Millionen.

Gibt es bei Euch Unterstützung seitens der Regierung?

Definitiv. Es gibt eine ganze Reihe Programme sowohl für den kleinen Angestellten, als auch für Firmen aller Art, Landwirte und den Produktionsgartenbau. Allerdings wage ich zu bezweifeln, dass diese Hilfe ausreicht. Nach vorsichtigen Schätzungen werden nach Ende der Krise ca. 20% der zur Zeit geschlossenen Betriebe nicht wieder öffnen können.

Wie sieht die Medizinische Versorgung aus?

Diese ist zum Glück in großen Teilen gesichert. Anders als zum Beispiel in den USA hat hier jeder, der sich legal in diesem Lande aufhält (Staatsbürger, Personen mit Arbeitserlaubnis, Personen mit einer Permanent Residenz Karte sowie Refugees) das Recht auf eine medizinische Grundversorgung.

In den meisten Fällen muss man allerdings für die Medikamente selber aufkommen. Eine Zusatzversicherung ist da sicherlich sinnvoll und ratsam. Ein Covid-19 Test ist, meines Wissens nach, in dieser Grundversorgung mit eingeschlossen. Wie es allerdings mit einem eventuellem Krankenhausaufenthalt und den dadurch entstehenden Kosten aussieht, entzieht sich leider meiner Kenntnis. Eine traurige Tatsache am Rande: Die Sterblichkeitsrate in den Wohneinrichtungen für Senioren ist hier in Kanada extrem hoch. Laut einer Statistik, die ich neulich irgendwo gelesen habe, ist die Zahl der Verstorbenen in diesen Einrichtungen hier Weltweit mit am höchsten.

Wie sehen die Kanadier das Vorgehen der USA bzw. von Donald Trump? 

Echt jetzt??? (viele Lachsmileys) Noch Fragen??? Spaß bei Seite.

Wenn es nicht so traurig wäre, dann könnte man sich wirklich vor Lachen in die Ecke schmeißen. Mir tun die Amerikaner wirklich leid. Also alle die, die nicht für Trump gestimmt haben. Der Rest hat es ja nicht anders gewollt. Erst wurde die (offensichtliche) Krise durch die Regierung ignoriert und heruntergespielt, die entsprechenden Maßnahmen viel zu spät eingeleitet und dann kommen fast täglich neue, abenteuerliche Ideen, wie man dieses böse böse Virus bekämpfen sollte.

Wie sagte Trump doch neulich so schön: It’s  gonna be just fine!!! Ganz allgemein kann man sagen, das Donald Trump hierzulande recht unbeliebt ist. Nicht zuletzt wegen der Einführung von Strafzöllen auf diverse kanadische Waren was wiederum besonders in der Holzverarbeitenden Industrie zu massiven Arbeitsplatzverlusten geführt hat.

Unter dem Strich kann man sagen, dass das Verhältnis zwischen den USA und Kanada seit dem Amtsantritt von Trump sehr angespannt ist. Das hat zwar jetzt nicht direkt mit Covid-19 zu tun, spiegelt aber die allgemeine Stimmung zu diesem Thema deutlich wider.

Sind schon Lockerungen der Maßnahmen geplant oder umgesetzt?

Hier tut sich langsam was. Genau wie in Deutschland obliegt die Lockerung der Covid-19 Maßnahmen hier in Kanada der jeweiligen Provinz-Regierung.

Hier in Ontario sind ab dem heutigen Sonntag die Garten Center und Baumärkte wieder geöffnet. Allerdings unter sehr strengen Auflagen. 1,5 Meter Sicherheitsabstand, Gesichtsmasken, Flächendesinfektion usw.  In den nächsten zwei Wochen sollen alle Provincial Parks wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, was die Outdoor und Camping Fans sehr freuen dürfte.

Wann genau allerdings die großen Einkaufszentren und Restaurants wieder ihre Türen öffnen dürfen, steht zurzeit noch nicht fest. Das Provincial Government in Toronto hat verlauten lassen, das man die Dinge auf keinen Fall überstürzen möchte. Genau das Gleiche hört man übrigens  auch vom Federal Government aus Ottawa. Die Angst vor einer zweiten Welle ist hier sehr groß. In anderen Provinzen ist man da schon weiter. In Manitoba z. B. sind Restaurants seit Freitag wieder geöffnet.

Danke an Bora und Michael

Danke an Bora und Michael, dass Ihr Euch die Zeit für unsere Fragen genommen habt. Wir fanden es wirklich interessant, mal einen Blick auf andere Länder zu werfen und welche Auswirkungen die Krise dort hat.

Hoffen wir gemeinsam, dass dieser Spuk irgendwann vorbei sein wird und das Leben seinen normalen Lauf nehmen kann.

Noch mehr Einblicke in die weltweiten Auswirkungen von Corona bekommt ihr bei den Phototravellers. Sie haben Corona-Schicksale aus der ganzen Welt gesammelt. Schaut da gerne mal vorbei.

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