Bloggen und Technik

Erst die Cookiehinweise – was kommt noch?

Cookiehinweise - und dann?

Das Thema Cookie-Hinweise auf Blogs und anderen Webseiten ist im Moment ja in aller Munde. ├ťberall, auf allen m├Âglichen Seiten, tauchen pl├Âtzlich diese Hinweise auf, dass man Cookies akzeptieren soll/muss um die gew├╝nschte und geladene Seite mit allen Funktionen nutzen zu k├Ânnen. Ja, auch hie auf dem Blog haben wir das installiert, wie ihr vielleicht gerade am unteren Rand der Seite seht.

Mehr zu dem Thema, dem Warum und Wieso und Tipps wie man so einen Hinweis einbaut und stylen kann, findet ihr auf dem tollen Blog von Neotrauma.

Erst die Cookies – was kommt als n├Ąchstes?

Jetzt sind es also die Cookiehinweise, die ├╝berall auftauchen. Dazu liest man immer wieder mal Berichte ├╝ber Links zum Impressum, welche nicht eindeutig genug eingeblendet werden. Die Datenschutzerkl├Ąrung soll auch prominent auf der Seite aufrufbar sein, einfach so unter das Impressum setzen geht nicht mehr.

Wie soll das eigentlich weiter gehen? Wo soll das enden?

Schauen wir doch mal in die Zukunft, leicht humorvoll und auch schwer polemisch. So wird unser sch├Ânes Internet vielleicht bald aussehen, wenn man alle Vorgaben und Gesetze in Deutschland, der EU-Vorgaben, der internationalen Web-Richtlinien und nat├╝rlich von allen Buchstaben des Google-Konzerns befolgen muss:

Aufruf einer Internetseite – in sagen wir mal – x Jahren

  1. Cookiehinweis – Fullscreen – Weiterlesen ohne Zustimmung nicht m├Âglich
    Ein PopUp legt sich ├╝ber die Contentseite und verhindert das Lesen der Inhalte. Der Cookiehinweis erscheint mit der Abfrage, ob man die Speicherung von Cookies akzeptiert. Beim Klick auf „Nein“ wird man umgehend zu Google gleitet – wo einen ein Cookiehinweis erwartet. Bei „Ja“ geht es auf der Seite weiter.
  2. Impressum im Fullscreen
    Das Impressum erscheint als erste Seite des besuchten Blogs – immer – automatisch! Auch hier gibt es zwei Schaltfl├Ąchen. Einmal wird die M├Âglichkeit zum Drucken der Seite geboten, um den Betreiber der Seite direkt sichtbar im Ausdruck immer vor Augen zu haben. Eine zweite Schaltfl├Ąche gibt einem die M├Âglichkeit das Impressum ohne Druck zur Kenntnis zu nehmen. Diese kann man ausw├Ąhlen, was einen Hinweis „Sind sie sicher?“ zur Folge hat. Bei einem Klick auf Ja kommt man dann zur n├Ąchsten Seite.
  3. Datenschutzerkl├Ąrung (nat├╝rlich) ebenfalls im Fullscreen
    Die Datenschutzerkl├Ąrung wird nun als zweite Zwangsseite angezeigt. Hier muss man alle Dienste, welche in irgendeiner Form Daten mit der besuchten Seite oder dem User austauschen mit seinen Initialen best├Ątigt werden. Wirklich alle, einzeln, jeden Dienst.
    Nach den dr├Âlfzehn gesetzten Initialie muss am Ende der Seite noch die Gesamtheit der Datenschutzerkl├Ąrung best├Ątigt werden. Hier reicht die Eingabe des vollen Namens, der Adresse und des Geburtsdatums – welche zur Absicherung des Webseitenbetreibers zusammen mit der IP-Adresse gespeichert werden. (Bitte nicht vergessen, diese Speicherung oben in der Datenschutzerkl├Ąrung zu erw├Ąhnen).
  4. Haftungsausschluss (selbstverst├Ąndlich) auch im Fullscreen
    Hier muss der Besucher der Seite auf alle Gefahren beim Besuch der Webseite hingewiesen werden. Wirklich auf alle Gefahren – auch Augenkrebs durch schlechtes Webdesign, Herzinfarkte durch ungefragtes Abspielen von Musik, Ehekrach wegen der Anzeige von nackten Tatsachen – also wirklich alles.
    Diese Seite muss komplett bis unten gescrollt werden und ein Timer stellt sicher, das man die Seite nur akzeptieren kann, wenn genug Zeit verstrichen ist um wirklich alle Gefahren zur Kenntnis zu nehmen.
    Zur Erleichterung der Bedienbarkeit des Netzes hat man beim InternetRechtWeltGericht entschieden, dass eine wiederholte Eingabe der pers├Ânlichen Daten wie unter 3. nicht n├Âtig ist. Es reicht die Best├Ątigung mit seinen Initialien, worauf hin, per gespeichertem Cookie (Zustimmung unter 1.), auf die Daten von 3. zugegriffen wird.

Nach diesen Schritten bekommt man dann die gew├╝nschte Seite zu sehen. Aber halt, nun folgen noch die PopUps f├╝r die wichtigen Dinge wie „Abonniere meinen Newsletter“, „Folge mir auf Facebook“, „Teile das auf Twitter“, „Kaufe die ultimativen Tipps in meinem eBook – jetzt – sofort“. Wenn man sich da durch geklickt hat und die Abos abgeschlossen hat (oder die Kreuze zum schlie├čen in 1mm Gr├Â├če und in hellgrau auf wei├č gefunden hat“ – dann – ja dann kann man den Inhalt lesen. ├ähm, nat├╝rlich nur, wenn noch genug Geld auf dem Konto ist um die Paywall zu bezahlen.

Die Seiten „Impressum“, „Datenschutzerkl├Ąrung“ und „Haftungsausschluss“ m├╝ssen danach auf allen Seiten eingeblendet werden. Dabei sind folgende Dinge dringend zu beachten:

  • Oben und unten auf der Seite sichtbar
  • Textgr├Â├če der Links 24px, Schriftart Comic Sans
  • Schriftfarbe rot, Hintergrund gelb
  • Drehendes Achtungssymbol vor den Linktexten!!!einself!

Gro├če Erleichterung gab es ├╝brigens bei Leuten, die Webseiten betreiben und beim SEO auf die Ladegeschwindigkeit achten, durch eine Ank├╝ndigung von Google. Diese besagte, dass ein Zeitraum von 5 Minuten, vom Aufruf der Seite bis zur Einblendung des Contents, durchaus zu einem guten Ranking der Seite beitragen kann.

Nachtrag: Hier noch ein interessanter Beitrag von RA Schwenke zu dem Thema Cookiehinweise: http://rechtsanwalt-schwenke.de/google-macht-cookie-hinweise-zur-pflicht-handlungsempfehlung-fuer-website-und-appanbieter/

Jajaja – ich sollte mal aus der Sonne gehen. Aber diese Gedankenspiele kamen mir gerade, beim Lesen des Berichtes bei Anne auf dem Blog. Nat├╝rlich ist das Spinnerei und total ├╝berspitzt dargestellt.

Wobei, vielleicht lesen wir alle diesen Beitrag in 10 Jahren mal und seufzen dann bei der Erinnerung an die gute alte Zeit.

Wie seht ihr das? Auch so d├╝ster, sarkastisch oder ein wenig lockerer? Kommentare sind, wie immer, sehr gerne gesehen.

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├ťber den Autor

Thomas Jansen

Thomas, 68er Jahrgang, aus dem sch├Ânen M├╝lheim an der Ruhr im Ruhrpott. Zusammen mit der besten Ehefrau der Welt auf Reisen. Und sonst?
Arbeiten // Fotografieren // Bloggen // Spotten // Slotten // Lesen

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19 Kommentare

  • Jaaaa so ist das!

    Beim Cookie-Hinweis habe ich lange ├╝berlegt, ob ich ihn einbauen soll.
    1. ist es Quatsch, wenn der User den Hinweis sieht, sind die Cookies eh schon gesetzt
    2. ist es (noch) keine gesetzliche Pflicht
    3. verlangt Google keinen Hinweis bei der Nutzung von Analytics. Warum auch immer.
    4. wer keine Cookies will, ist eh mit entsprechenden Browser Plugins unterwegs.

    Trotzdem habe ich mich dazu entschieden. Weils alle machen ­čÖé

    ├ťbrigens, wenn das mit Comic Sans kommt, gehe ich offline ­čÖé

    Sch├Ânes Wochenende,
    Marc

  • Vielleicht wird es nicht gar so krass, wie beschrieben, aber ich denke auch, dass es immer mehr Pflichtangaben geben wird. Ob vom Gesetzgeber oder von Google. Vielleicht l├Ąsst man uns ja einen kleinen Bereich, wo unsere Inhalter erkennbar (erahnbar) sind ­čśë
    LG Hans

    • Moin Hans,

      Du meinst so etwas wie eine individuelle Note? Das w├Ąre sch├Ân. Ich bef├╝rchte nur, die ist bis zur Einf├╝hrung der oben genannten Szenerie eh schon hinf├Ąllig, da 90% der Blogs dann gleich aussehen und alle die „Ultimativen Tipps zum…“ bloggen. Die restlichen 10% (also z.B. wir beide und andere Leser hier) heben sich dann eh schon von der Masse ab – da wir das nicht mitmachen.

      LG Thomas

  • Sehr sch├Ân geschrieben ­čśÇ

    Solange es deswegen noch keine Abmahnungen gibt, ignoriere ich das mal konsequent wie auch der Quatsch mit der doppelten Best├Ątigung der Facebook-Buttons usw. ­čśë Zudem nutze ich auch keine Analytics.

    Trotzdem bin ich auch gespannt, wie sich das so weiter entwickelt. Nat├╝rlich ist es nicht verkehrt, dass es ein paar Gesetze gibt, was im Netz erlaubt ist und was nicht (Stichwort Bilderklau, Urheberrecht), aber man muss ja nun wirklich nicht total ├╝bertreiben.

    • Hi Sarah,

      klar, manche Dinge sind wichtig und gut. Die von Dir genannten Dinge geh├Âren unbedingt auch dazu. Ich habe auch nichts gegen einen Hinweis auf Cookies, aber doch bitte auf einer Seite, wie der Datenschutzerkl├Ąrung und nicht als eigenen Hinweis – das kann n├Ąmlich sonst diesen ironisch beschriebenen Rattenschwanz hinter sich her ziehen.

      LG Thomas

  • Ich h├Ątte zwei Verschl├Ąge, wie man das alles weltweit einheitlich regeln k├Ânnte:

    1.) Jeder der einen Internetzugang haben will, muss ein abgeschlossenes Jurastudium vorweisen.
    2.) Wir erfinden das Internet neu und lassen dann alle die User, die einen Internetzugang aufgrund ihres abgeschlossenen Jurastudiums haben, au├čen vor.

    Damit ist Ruhe und wir k├Ânnen uns bei einem Blogupdate endlich wieder um echte Inhalte k├╝mmern!

    Herzlich gelacht und leider zu dem Schluss gekommen, dass Deine ├ťberlegungen vielleicht gar nicht so weit weg sind von der Zukunft.

    LG Patrick

    • Moin Patrick,

      hm, die Vorschl├Ąge haben was. Aber die Fachrichtung des Jurastudiums muss schon Internetrecht sein. Scheidungsanw├Ąlte sind da auch ├╝berfordert. ­čśë

      LG Thomas

  • So ein Cookie-Dingsbums macht das Layout einer Seite auch nicht besser. Manchmal bringt das aber auch wieder Content und Content is King, wie wir alle wissen.
    Ich habe es mal in einem Akt von vorauseilenden Gehorsam ├╝berall eingebaut, egal ob Google drin oder Werbung drin oder nix. Es gibt einen Haufen Juristenstudenten, die nach Seiten suchen, wo sowas nicht drin ist.
    LG
    Sabiene

  • Den Hinweis nicht vergessen, dass die vielen Cookies m├Âglicherweise dick machen und f├╝r Menschen mit Z├Âliakie nicht geeignet sind. Eventuell sollte man auch Gluten und Laktose freie Cookies anbieten, nur um sicher zu gehen ­čśŤ

  • […] Und wo wird diese ganze rechtliche Gr├╝tze noch hinf├╝hren? Datenschutz-Erkl├Ąrung, Impressum, Cookie-Hinweis – all das k├Ânnte nur der Anfang sein, was man alles mal angeben muss und prominent platzieren muss. Aber das kann man auch weiter treiben mit den Bettel-Fenstern nach „Likes“ oder sonst irgendwelchen Verfolgungsgeschichten und vielleicht irgendwann den ganzen Kram mir den ganzen rechtlichen Hinweisen im Vollbild anzeigen. Schauen Sie mal, was der Thomas Jansen dazu aufgeschrieben hat. […]

  • Ich baue diesen Quatsch auf meinem Blog auch nicht ein, erst wenn es gesetzlich so hart durchgedr├╝ckt wird, dass sich Abmahnanw├Ąlte eine goldene Nase daran verdienen.

    „Weil es jeder macht“ ist f├╝r mich auch kein Grund. In den 90ern hat auch jeder bunt blinkende GIFs auf seiner Seite eingebaut und es sah schei├če aus.

    Ich will nicht auf jeder Seite zwei Klicks machen m├╝ssen, um sie angemessen zu bedienen. Dieses Gesetz ist ein R├╝ckschritt und macht Designs kaputt, nogo.

    • Moin Henning,

      naja, der n├Ąchste Schritt ist ja schon gemacht. Jetzt ist es pl├Âtzlich gef├Ąhrlich (f├╝r den eigenen Geldbeutel), wenn man wie auf dem Rest der Welt seine Facebook-Box im Blog einblendet. Also, schnell in ganz Deutschland dieses Teil von den Seiten werfen, derweil sich die Welt ├╝ber uns kaputt lacht.

      LG Thomas