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Gestern Vormittag kam es zum tragischen Absturz des GermanWings Fluges 4U 9525 auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf. Normalerweise nimmt man die Nachricht eines Flugzeugabsturzes zur Kenntnis, bemitleidet kurz die Opfer und die Angehörigen und geht – so hart das ist – zum Tagesgeschehen über.

Gestern war aber alles anders! Eine Fluggesellschaft, mit der ich selber kommende Woche fliegen werde ist betroffen. Ziel war der eigene „Heimatflughafen“, von wo aus wir schon so viele wunderbare Reisen gestartet  haben. Irgendwie war das Unglück plötzlich sehr nah und hat uns wirklich sehr berührt. Manch einer mag das egoistisch finden, ja, kann sogar sein. Aber Emotionen lassen sich irgendwie nicht steuern. Und wenn man dann noch Mitarbeiter des Flughafens im Fernseh-Interview sieht, mit denen man sonst am Tisch sitzt und über Touren für Flugzeugspotter redet – dann ist es wirklich verdammt nah.

Flug 4U 9525 und die Medien – zum großen Teil ein Armutszeugnis

Nun folgt ein ausgewachsener Rant – wer so was nicht mag, verlasse besser die Seite.

Das über so eine Katastrophe berichtet wird, das ist gut und richtig. Das Fakten ermittelt werden und diese verbreitet werden, das erwarte ich von den Medien. Wie sich die ganze Berichterstattung gestern aber entwickelt hat, das geht gar nicht. Nach anfänglicher Zurückhaltung blühten die üblichen Nachrichtensender richtig auf. Und am späten Nachmittag und Abend zogen die öffentlich rechtlichen Sender dann gleich auf. Pausenlose Berichte von Informationen – die man eigentlich gar nicht hat. Eine Peinlichkeit nach der Anderen flimmerte über den Bildschirm. Sondersendungen ohne Ende – aber meist auch ohne sinnvollen Inhalt gaben sich praktisch die Klinke in die Hand.

Luftfahrtexperten – oder solche, die sich dafür halten.

Fangen wir mal mit den Luftfahrtexperten an. Nun, da gab es einige wirkliche Experten. Das waren Piloten, Ingenieure, Menschen die in der Luftfahrt ihr Geld verdienen und richtig Ahnung haben. Einhellige Aussage von all dieses Experten war „Wir können zur Ursache, Stand jetzt, nichts sagen!“. Trotzdem wurde von den Moderatoren in verschiedenen Interviews penetrant nachgefragt, ob nicht doch eine der phantasievoll ausgedachten Szenarien denkbar wäre. Ekelhaft!

Und dann gibt es noch die TV-Luftfahrtexperten. Da frage ich mich schon, was qualifiziert sie zu diesem Job? Haben die mal unfallfrei einen Flieger in MS-Flightsimulator gestartet? Haben die mal ein Buch gelesen „Die schönsten Flugzeuge aus den letzten 10 Jahren“? Weil, mehr kann es eigentlich nicht sein, wenn man die reden hört. Ich bin mit Sicherheit kein Luftfahrtexperte. Aber durch die langjährige Faszination um das Thema Verkehrsfliegerei beschäftigt man sich schon mit vielen Dingen, auch um die Themen wie und warum ein Flugzeug fliegt. Und wenn mir dann mehrfach, bei den Aussagen der TV-Experten der Kopf auf die Tischplatte fällt, dann stimmt was nicht.

Schaue ich mir die Vitas einiger dieser Experten an, so wundert mich das aber nicht. Der eine ist studierter Politikwissennschaftler, ein anderer ist immerhin passionierter Segelflieger. Diese Experten stehen also vor den Kameras, blicken hochgradig betroffen aus der Wäsche und spekulieren über die Ursache des Absturzes. Da kommen dann so Aussagen wie, „das Aufsetzen der Sauerstoffmasken wird vor jedem Flug trainiert“. Aha – ich bekam bisher immer nur Videos zu sehen. Das war jetzt mal nur ein Beispiel für eine Aussage, wo man sich schon fragt, ob denn der Herr Experte überhaupt schon mal einen Flug von innen erlebt hat.

Natürlich war man sich auch nicht zu schade, direkt die Terror-Nummer raus zu kramen, die vereisten Sensoren (weil das gerade total in ist), der Druckabfall in der Kabine und und und… Und eigentlich weiß man nichts! Natürlich kann einer der Ursachen in der Tat zum Absturz geführt haben, es kann aber auch was ganz anderes gewesen sein. Interessant war, das diese Theorien teilweise schon im Raum standen, wo noch gar nicht fest stand, wo der Flieger genau abgestürzt war.

 Und wenn man sonst nichts zeigen kann

Opfer sind immer gut. Wenn die nicht greifbar sind, dann nimmt man eben die weinenden Angehörigen. Und wenn die auch nicht gefilmt werden können, dann muss es eben „die Wand sein, hinter der sich die Trauernden“ befinden – in Großaufnahme. Ob einer der Reporter versucht hat exklusive Stimmen der Wand einzufangen, das ist noch ein Rätsel. Liebe Freunde der Presse – wenn klar ist, es gibt nichts zu filmen – Sachen einpacken und die Menschen in Ruhe lassen. Nicht nur die Trauernden, auch die vielen Helfer, welche sich um die Betroffenen kümmern. Aber gegen Nachmittag ist die Karawane ja weiter gezogen nach Haltern, dort konnte man wenigstens ein paar weinende Mitschüler filmen, die „auf uns zugekommen sind“. Ja ne, iss klar. Trotzdem erfolgte noch regelmäßig eine Live-Schaltung zur Mauer oder zu „dem Raum, der da hinten liegt, nur eine Etage tiefer“.

Ein Reporter (oder Praktikant) stand am späten Abend übrigens wieder mit dem Mikro vor der Nase vor der besagten Mauer. Und er sprach die Worte „Hinter dieser Wand sind im Moment 50 Stück der Trauernden…“ – Stück, der hat wirklich Stück gesagt. Schien also wirklich nur der Praktikant zu sein oder er arbeitet sonst in der Kantine des Senders und musste ran, weil der Rest der Reporterschar ja die ganzen Schüler in Haltern interviewen mussten, die förmlich Schlange standen.

 

An dieser Stelle aber mal ein Lob an den Flughafen Düsseldorf. Offensichtlich hat man es dort sehr gut geschafft, die betroffenen Menschen schnell vor der Presse in Sicherheit zu bringen und sie dann hochprofessionell betreuen zu lassen.

Beste Sendezeit für die schönsten Flugzeugkatastrophen der letzten Jahre

Natürlich ist so ein Anlass die beste Gelegenheit und die Reportagen über die zünftigsten Flugzeugabstürze der letzten 100 Jahre aus dem Archiv zu kramen und den Menschen in die Augen zu werfen. Special Schwerpunkt gestern Abend, natürlich Airbus. Und ganz besonders der A320. Dabei war man sich, auf fast allen Sendern, nicht zu blöde die Hudson River Notwasserung mit aufzunehmen. Liebe Kollegen der Presse, wenn ein Vogelschwarm in beide Triebwerke fliegt, dann ist Ende mit Vorschub. Dabei spielt es keine Rolle ob es ein A320, eine Boeing 737 oder eine Cessna ist. Aber es passte ja so gut zum Airbus Bashing, zeigt aber auch die Qualität der Berichterstattung.

Flieger bleiben am Boden – Angst vor Airbus?

Bereits gestern Abend und auch heute Morgen ist dann plötzlich Thema, das einige Flüge von GermanWings und Lufthansa heute ausgefallen sind. Schon spekulieren die „Experten“, dass die Besatzungen Angst haben mit dem Airbus zu fliegen.

Kann es nicht vielleicht einfach sein, dass da Menschen sind, die Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen bei dem Unglück verloren haben? Kann es nicht einfach sein, dass diese Menschen emotional nicht in der Lage sind, ein Flugzeug sicher von A nach B zu bringen, egal ob im Cockpit oder in der Kabine? Kann es nicht sein, dass diese Menschen dann so vernünftig sind und dann besser in kein Flugzeug steigen?

Nur würde sich das vermutlich nicht so toll verkaufen, wie eine Schlagzeile mit der „Angst vor Airbus“. Freunde, das ist krank, das ist Panikmache.

Was wäre denn eine angemessene Berichterstattung?

Fakten, einfach die Vermittlung von Fakten. Das Flugzeug ist abgestürzt, die Bergung/Rettung ist schwierig, die Angehörigen werden bestens betreut (so weit das möglich ist), Voice Recorder wurde gefunden, das Höhenprofil des Fluges ist bekannt – mehr kann man im Moment nicht sagen.

Keine weinenden Menschen, keine wilden Spekulationen über die Ursache. Richtige Experten befragen und wenn die mit dem aktuellen Wissensstand keine Ursachen erkennen können, dann können es die TV-Experten schon mal erst recht nicht.

Liebe Medien, lieber einen kompakten Bericht über 30 Minuten mit Fakten, also 5 Stunden Dauer-Spekulationen mit sensationsgeilen Bildern!

Wer übrigens wirklich eine sachliche Berichterstattung lesen will, der sei der Bericht zum Unfall von The Aviation Herald (in englisch) ans Herz gelegt. Da werden ausschließlich Fakten zusammen gestellt.

So, das musste mal raus. Eigentlich halten wir uns aus so tagesaktuellen Dingen auf dem Blog hier raus. Aber diese Berichterstattung hat uns gestern und auch heute schon die Zornesröte ins Gesicht steigen lassen. Eure Meinung dazu würde uns aber brennend interessieren – daher hinterlasst gerne einen Kommentar.

Nachtrag: Und gerade habe ich erfahren, das ein Flugzeugspotter unter den Opfern war – Maik K. aus Dortmund. Er war als Flugbegleiter dort an Bord der verunglückten Germanwings Maschine. Ich kannte ihn nicht persönlich, aber er war Teil unserer Spotterszene in der Region. Seinen Angehörigen, Freunden und der Familie wünschen wir viel Kraft in dieser schweren Zeit. Dies natürlich auch allen anderen Angehörigen und Freunden von den Opfern des Unglücks

Nachtrag 26.03.2015 – 14:00 Uhr: Die aktuellen Erkenntnisse lassen einen erschaudern – das ist alles unfassbar. Aber auch hier schaffen es die Medien noch einen drauf zu setzen! Warum wird der Name des Co-Piloten veröffentlich (liebe Staatsanwaltschaft)? Warum muss sofort ein TV-Sender direkt Bilder von dem Wohnhaus der Familie zeigen? Wie tief kann die Presse eigentlich sinken? Für die Familie, die nicht dafür kann, was geschehen ist bricht vermutlich gerade eine ganze Welt zusammen. Warum müssen diese armen Menschen sich nun der Presse ausgesetzt sehen? Wer beschützt die davor? Es ist einfach ekelhaft!

Folgebeitrag: Absturz 4U9525 ein Suizid?

Folgebeitrag: Absturz 4U9525 Verschwörungstheorien

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