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Wir haben nun ein paar Tage mit uns gekämpft, ob wir diesen dritten (und letzten) Beitrag zum Absturz des Germanwings Fluges 4U9525 schreiben sollen. Es wurde uns ja schon Klick-Geilheit vorgeworfen weil wir die Unverschämtheit besitzen über ein aktuelles Thema zu schreiben. Nur, wozu ist ein Blog da, wenn nicht dazu seine Meinung ausdrücken zu können?

Zumal das ganze ja mehr oder weniger zu unserem Thema passt – Fliegen = Reisen. Außerdem beschäftigen wir uns in diesem Blog schon länger mit dem Thema Luftfahrt, es gab immer schon Meldungen zu diesem Thema – das ist nun nichts Neues.

Auslöser für die Entscheidung war dann eine Nachricht, die uns heute morgen über Twitter erreichte – dazu später noch mehr.

4U9525 Verschwörungstheorien – Was meinen wir damit?

Das nach dem Absturz von Flug 4U9525 Verschwörungstheorien aufkommen, das war klar. Es war gar nicht die Frage ob sie auftauchen, nur das Wann stand im Raum. Nun sind sie also da, in Massen und heftig wie selten zuvor.

Damit meinen wir aber nicht die Stimmen, die zur Mäßigung aufrufen. Die mahnen, mit einem endgültigen Urteil über die Vorfälle oder „Täter“ bitte bis zum Abschluss der Untersuchungen zu warten. Wir meinen nicht die Leute, die kritisch nachfragen, weil sie technische Dinge nicht verstehen, weil sie einfach keine Ahnung von dieser Seite der Luftfahrt haben. Ebenso die Stimmen, die nicht verstehen können, das eine Krankheit einen Menschen zu so einer Tat bringen kann, wenn es sich denn bestätigt.

Auch wir meinen, bis zu einer definitiven Aussage über den Hergang, sollte mindestens bis zur Auswertung des Daten-Rekorders gewartet werden. Wir halten auch die jetzige Hetzjagd in den Medien über den CoPiloten für widerlich.

Wo wir aber gar kein Verständnis für haben, ist der zwanghafte Versuch Tatsachen zu präsentieren, die es gar nicht gibt. Das Ignorieren oder in Frage stellen von allen bisherigen Untersuchungsergebnissen, weil sie nicht ins eigene Weltbild passen. Ob dieses eigene Weltbild auch nur ansatzweise der Realität entspricht, da kann man sowieso ewig drüber diskutieren.

Twitter – Auslöser für diesen Bericht

Heute Morgen erreichte uns ein Tweet, mit folgendem Inhalt:

Selbstmordtheorie widerlegt: Pilot(en) setzten Hilferufe ab

Auf meine Nachfrage nach Quellen hieß es nur, alle N24, CNN usw. haben es gesagt. Komisch – mein CNN, mein N24, N-TV, AvHerald und auch sonst kein Medium berichtet heute oder aktuell darüber. Auch bei Twitter selber, keine Hinweise auf so eine Meldung. Nach ein wenig googlen fand ich dann einen Beitrag, in einem Esotherik-Forum, von gestern Abend:

Entgegen aktueller Medienberichte empfing die französische Luftraumüberwachung Minuten vor dem eigentlichen Absturz eine Notfallmeldung aus dem Cockpit der Germanwings-Maschine. (…) Entsprechende Berichte finden sich u.a. bei CNN, France24 und N24. Aus welchem Grund die Berichterstattung, explizit die der deutschen Medien, kurze Zeit später völlig gegenteilig ausfällt, bleibt nach wie vor offen.

Fakt ist, das in den Medien am Anfang von einem Notruf berichtet wurde. Aber, es wurde relativ schnell aufgeklärt, das der zuständige Fluglotse diese Notfalllage erklärt hatte, nach dem 4U9525 in den Sinkflug gegangen ist und nicht geantwortet hat. Dies wurde auch von dem Medien so bekannt gegeben – das ist der Grund, warum die Berichterstattung kurze Zeit später völlig gegenteilig ausfällt. Man hat einen Fehler erkannt und diesen korrigiert – was ja auch nicht selbstverständlich ist.

Dieses Beispiel zeigt deutlich, eigentlich glaubt man der Presse nichts – aber so eine voreilige „Falschmeldung“ wird dann plötzlich als Quelle genannt. Damit begründet man dann plötzlich seine „Bedenken“ an den offiziellen Meldungen. Damit wird alles in Frage gestellt, was von offiziellen Stellen bekannt gegeben wird.

Die „Anonymous“ Meldung von Facebook

Bei Facebook erreichte uns ein Links zu einer „Anonymous“ Seite, wo ein Bericht vorliegt mit dem Titel „Frau Merkel, warum lügen Sie den Angehörigen rotzfrech ins Gesicht?“.

Vorweg, mit der Organisation Anonymous hat diese Seite gar nichts zu tun. Das eigentliche Anonymous-Kollektiv hatte sich schon früher deutlich von dieser Seite distanziert. Mimikama weißt auch auf diesen Beitrag hin, der aus deren sich ebenfalls unglaubwürdig ist.

Wir müssen zugeben, nach den Ausdrücken „Merkel-Kolletktiv“ und „Ammenmärchen“ hatten wir wenig Lust weiter zu lesen. Trotzdem überflogen wir den Artikel und das war gut so, denn sonst wäre uns noch ein Highlight entgangen.

In einem Update vom 26. März meldet sich ein angeblicher Pilot zu Wort, der angeblich auch den betroffenen Flugzeugtyp geflogen ist. Und dieser schreibt:

Der Türcode ist nicht zum anleuten.. Er ist dafür da um die Türe zum öffnen.. Sowohl Co Pilot und Pilot in Command so wie der Purser können die Türe von außen öffnen.. (…) Wie wäre es denn wenn beide rausgehen würden und dann nicht mehr in Cockpit kämen?? Wie wäre es denn wenn die in der früh wenn sie denn Flieger prüfen nicht mehr ins Cockpit kommen weil die Crew am Vortag die Türe zugemacht hatte.. Das ist schon mal ein Beweis.

Eine wichtige Passage der Sicherungsfunktion der Cockpit Tür verschweigt (oder ignoriert) der angebliche Herr Pilot aber. Das es sehr wohl möglich ist, aus dem inneren des Cockpits dieses Öffnen von außen zu verhindern. Auch das wird in dem verlinkten Mimikama-Artikel sehr schön auseinander genommen und auch mit Screenshots aus dem Operating Manual von Airbus belegt.

Hier wird also ein einzelnes Detail aus dem Hergang genommen, mit Aussagen von einem *hüstel* Piloten in Frage gestellt, ohne alle bekannten und dokumentieren Fakten zu beachten.

Der „Pilot“ wettert sogar noch weiter:

ICH UNTERSTELLE JETZT HIER OFFIZIEL DER FRANZÖSCHISCH AIR TRAFFIC CONTROLL das sie wie jeden Tag schwere Fehler machen ihren Luftraum nicht unter Kontrolle haben und der Crew eine Zuweisung der falschen Flight Level vorgegeben haben.

Aha! Ein ganz neuer Ansatz. Und klar, jeder Pilot der über den Alpen rum fliegt, setzt ohne Nachdenken den Autopiloten auf eine Höhe von 96 Feet, weil der Fluglotse ihm das gesagt hat. Und so eine Aussage von einem „Piloten“?

Das Schlimme an der Sache ist, diese Anonymous Meldung verbreitete sich bei Facebook wie ein Feuer. Viele, offensichtlich sonst recht intelligente Menschen, teilten diesen Mist auch noch durch die Gegend. Und viele andere intelligente Menschen lassen sich durch so einen, sorry, Rotz auch noch verunsichern.

Liquid Laser Theorie

Noch skurriler ist die Vermutung, die USA hätten den Germanwings Flug aus Versehen bei einem Experiment mit dem neuen „Liquid Laser“ abgeschossen. Ja, wirklich! Eine Seite , die das verbreitet – neben anderen Theorien, könnt ihr euch selber anschauen und euch eine Meinung bilden.

Das Schlimme an der Sache ist, solche Links bekommt man zugeschickt, als Quelle für wahre Informationen und als Beweis, das die Regierung uns anlügt. Sorry, da setzen wir lieber den Aluhut ab und glauben den offiziellen Behörden.

Jetzt fehlt nur noch einer, der eine Theorie aufgrund eines Artikels im Postillon verbreitet.

Die Wiege der Verschwörungen – Kommentare unter Presseartikeln

Die Presse hat in den letzten Wochen bestimmt kein gutes Bild abgegeben. Wir berichteten ja schon darüber, was wir von den Medien im Zusammenhang mit dem Unglück zu halten haben.

Aber, viele Kommentare unter den verschiedenen Beiträgen in der Presse, lassen vermuten – einige Mitmenschen bekommen das zu lesen, was sie verdienen. Ein paar Beispiele?

Warum wird der Datenrekorder nicht gefunden?

Diese Frage ist noch die intelligenteste und auch berechtigste in den gefundenen Kommentaren. Vielleicht weil der Sender zerstört wurde, wie ja im Moment auch vermutet wird. Wer die Bilder vom Voice-Rekorder im Kopf hat, weiß wie stark dieser deformiert war. Auf dem verlinkten Bild kann man ihn noch mal sehen und sieht links diese silberne Röhre. Da ist der Sender, welcher die Signale zur Ortung sendet. Da dieser an der Außenseite des Bauteils liegt, ist der Verdacht nicht abwegig, das er bei der Wucht des Aufschlages zerstört werden konnte. Und somit dauert die Suche dann ein klein wenig länger. Schlimmstenfalls hat er sich irgendwo ins Erdreich, der dich vorhandenen Vegetation an der Absturzstelle gebohrt, dann wird man noch lange suchen müssen.

Ich vermisse die Hinweise auf bis zu drei (!) Mirage-Kampfflugzeuge, die laut Le Monde aufgestiegen sind, 15 Minuten vor Einleitung des Sinkfluges.

15 Minuten vor der Einleitung des Sinkfluges? Da befand sich der Flieger noch im Steigflug und war ein ganz normaler Routine Linienflug. Warum sollte er der Grund für den Start von bis zu drei Mirage sein? Fakt ist, und das ist auch von den Franzosen inzwischen bestätigt, das eine Mirage aufgestiegen ist um mit dem Cockpit von 4U9525 Kontakt aufzunehmen – vergeblich. Nach dem Absturz beteiligte sich die Mirage dann an der Suche nach der Unfallstelle.

In dem Zusammenhang, nein 4U9525 ist auch nicht abgeschossen worden. Das Höhenprofil wurde durchgehend, live aufgezeichnet. Bei einem Abschuss wäre es abrupt an einer Stelle beendet gewesen. Außerdem wären dann die Trümmer über ein viel größeres Gebiet verstreut, je höher der Abschuss um so größer.

Übrigens ist es nicht erst seit 9/11 durchaus gängige Praxis, bei einer Notlage im Luftraum die hiesige Luftwaffe um Hilfe zu bitten.

Außerdem sollen Hubschrauber der Gendarmerie aufgestiegen sein, um das seltsame Verhalten an Bord zu untersuchen.

Hubschrauber? Und die sollen das Verhalten an Bord eines Flugzeuges mit 700 km/h untersuchen? Ich weiß nun nicht wie der Geschwindigkeitsrekord bei Hubschaubern ist, aber bestimmt nicht bei 700 km/h – bzw. noch schneller, denn die müssen den Flieger ja erst mal erreichen.

Erst anhand der Datenaufzeichnung kann z.B. ein Steuerbefehl (sinken) bewiesen werden; so lange sehe ich noch „vereiste Sensoren“ und einen falsch handelnden Bordcomputer als Ursache.

Natürlich ist es wünschenswert den Datenrekorder zu finden und auszuwerten. Trotzdem ist die o.g. Aussage falsch. Die Daten sind bereits vorhanden. Während des Fluges werden die Daten über vom ADS-B Transponder pausenlos gesendet. Diese Signale sind auch vom Flug 4U9525 durchgehend aufgezeichnet und veröffentlicht worden. In dem Protokoll der Rohdaten sieht man, das um 09:30:55 (Zeitangabe in UTC) der Autopilot von 38.000 auf 96 Feet umgestellt wurde.

Und in dem Zusammenhang noch mein persönliches Highlight:

Zum einen kann ein relativ wenig erfahrener Co-Pilot nicht einfach so den Auto-Piloten umprogrammieren.. so einfach ist das nicht – dafür müssten Notfall-Protokolle abgeschaltet werden, was nicht so einfach geht, das erfordert fach-technisches Wissen.

Wenn dem so wäre, würden wir nie wieder ein Flugzeug betreten. Der Mensch vorne rechts, also der CoPilot, ist ein voll ausgebildeter Pilot. Dieser ist sogar in der Lage, das Flugzeug ganz alleine zu steuern und sogar zu landen, falls dem Piloten da oben was zustößt. Und wenn dieser CoPilot nicht in der Lage wäre, die Flughöhe am Autopiloten zu ändern, also genau genommen ein Drehrädchen unfallfrei in die gewünschte Richtung zu drehen, dann fänden wir das wenig beruhigend.

Fazit

Es waren auch nur ein paar ausgesuchte Beispiele – lest euch mal die Kommentare bei Spiegel usw. durch – es ist unglaublich was sich da alles zu Wort meldet und welche Ideen da verbreitet werden.

Klar, die oben genannten Beispiele sind extrem. Aber, wir sind erschrocken wie viele solcher Stimmen es gibt und wie viel Zustimmung diese erfahren.

Aber, die Auswertung des Voice-Recorders, die bisher vorliegenden Daten (ADS-B Transponder) und Fakten sind relativ plausibel, so traurig das ist. Trotzdem sollte alles daran gesetzt werden, den Data-Recorder zu finden und auszuwerten. Leider wird das aber die Stimmen auch nicht verstummen lassen. Denn auch die dadurch gewonnen Daten sind dann, mit Sicherheit, höchst zweifelhaft.

Die offensichtlich, einfache, plausible und schnelle Erklärung scheint vielen Menschen nicht ins Weltbild zu passen.

Der Voice-Rekorder wurde gefunden, die Informationen darauf wurden ausgewertet. Diese wurden abgeglichen mit den bekannten Daten vom Transponder und der Flugsicherung. Am Ende stand eine plausible Erklärung des Unglücks – mit den vorliegenden Fakten. Hätten die Verantwortlichen diese zurück halten sollen, bis irgendwann auch der Datenrekorder gefunden wird? Der Aufschrei wäre doch riesig gewesen und der Vorwurf, die Zeit zur Manipulation der Daten genutzt zu haben, sofort im Raum gestanden.

[Tweet „Früher waren Verschwörungstheorien noch intelligent und mystisch – heute nur noch Mainstream“]

Vielleicht leben wir hier in einer geträumten Idealwelt. Aber wenn ich eine französische Staatsanwaltschaft, eine deutsche Staatsanwaltschaft, die untersuchenden Luftfahrbehörden der beteiligten Länder eine Information zu dem Unglück bekannt geben, so glauben wir denen das. Zumal auch diese Instanzen, bis jetzt, darauf hinweisen das bis zum Fund des Datenrekordes noch kein endgültiges Urteil gefällt werden sollte. Auch der französische Staatsanwalt weist auch auf diesen Umstand, man könne eine technische Ursache noch nicht ausschließen.

Warum die Staatsanwaltschaft dann aber den Namen des CoPiloten veröffentlicht hat – aber das ist ein anderes Thema.

Leider muss man diese Fakten und Aussagen, in dem Müll den die Medien produzieren, selber heraus filtern. Dabei hat aber eine Pressekonferenz eines Staatsanwaltes einen höheren Stellenwert als die Aussagen von irgendwelchen Pseudo-Luftfahrtexperten. Für uns haben die Aussagen mehr Gewicht, als irgendwelche Stimmen von Verschwörungsfanatikern, Pseudoexperten, Beitrage in Mysterien- oder Esotherikforen und anderen, oft übrigens anonymen, Quellen. Für uns arbeiten Experten an der Lösung des Falls – und die sind in unseren Augen nicht von „denen“ oder irgendwelchen Geheimdiensten gesteuert.

Das war jetzt unsere Meinung zu dem Thema Verschwörungstheorien. Nichts gegen kritische Stimmen, nichts gegen Verständnisprobleme, nichts gegen den Hinweis, doch erst mal den Abschluss der Untersuchung abzuwarten. Aber das krampfhafte ignorieren von Fakten, das in Frage stellen von Tatsachen die dokumentiert sind, das Erfinden von Geschichten – die mehr Fragen aufwerfen als beantworten – finden wir einfach geschmacklos. Auch den Opfern und den Angehörigen gegenüber.

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