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Beim letzten Langstreckenflug von Air Berlin, einem Flug von Miami nach Düsseldorf, entscheidet sich die Besatzung zu einem tollen Flugmanöver. In der Presse und in den Kommentarspalten drehen dann einige Menschen vollkommen ab. So viele Facepalms, so viel Nuhr-Zitate, kann man gar nicht verteilen.

Jetzt ist auch das Urteil vom Bundesaufsichtamt für Flugsicherung zu diesem Vorfall veröffentlich worden. Die Piloten und die Fluglotsen haben sich völlig korrekt verhalten. Es gibt also keinerlei Konsequenzen und das Verfahren wird eingestellt.

Was ist passiert?

Am 16. Oktober landete der letzte Air Berlin Langstreckenflug am frühen Morgen in Düsseldorf. Aus Miami kommend war es somit der letzte Flug einer Ära in der deutschen Luftfahrtgeschichte. 

Die Piloten entschlossen sich, dieses Ereignis mit einem Flugmanöver zu ehren. Dabei wurde ein sogenannter Low-Pass geflogen, also ein tiefer Überflug über die Landebahn. Danach wurde mit einer Linkskurve eine Platzrunde eingeleitet. Dabei flog der Airbus A330 eine Kurve über das Flughafengelände, rund im den Tower, ging wieder in den Steigflug und landete nach Abschluss der Platzrunde ganz normal und sicher in Düsseldorf.

Dieses Manöver ist, technisch gesehen, nichts anderes wie ein vorher festgelegter Landeabbruch mit dazugehörigem Go-Around, also dem Durchstarten. Ein Manöver, welches am Tag x-fach auf der ganzen Welt geflogen wird. Zu besonderen Anlässen, wie z.B. dem Erstflug eines Flugzeuges, dem letzten Flug einer Airline usw., ist es durchaus üblich, solche Manöver zu fliegen.

Natürlich wird so ein Manöver nicht „einfach so mal eben“ geflogen. Das muss vom Tower, von den Fluglotsen genehmigt werden. Dann ist es aber ein Prozedere, welches jeder Verkehrspilot im Schlaf fliegen kann. Das Prozedere des Durchstartens wird übrigens vor jeder Landung im Cockpit durchgesprochen. 

Im Falle des Air Berlin Überfluges wurde die erste Landung wohl wegen „nicht näher bezeichnete Fahrwerksproblemen“ abgebrochen (Quelle: Aero-Magazin – Beitrag leider nicht mehr erreichbar). Danach kann durchaus ein „dichter“ Vorbeiflug am Tower zur Kontrolle des Fahrwerkes erfolgen. 

Für die Passagiere ist es weder gefährlich noch sonderlich unangenehm. Es geht halt einfach irgendwann wieder nach oben, statt zu landen. Im Fall von Düsseldorf zwischen drinnen noch ein Stück auf niedriger Höhe. Nach Infos von Menschen, die im Flieger waren, wurden die Passagiere über das Manöver vorab informiert und sie haben den Überflug in geringer Höhe durchaus genossen.

Die Route des Durchstartens geht normalerweise geradeaus, über das Ende der Landebahn, bis zu einem Wegpunkt abseits des Airports. Von dort wird dann in die Platzrunde für eine erneute Landung eingeschwenkt. Trotzdem war der Überflug über das Terminal nicht ungewöhnlich. Diese Route gehört zum VFR-Verfahren (Sichtflug). Die kann man in Düsseldorf auch regelmäßig beobachten. Wenn z.B. die alte JU-52 zu Rundflügen unterwegs ist, so wird genau diese Route geflogen. Nur wirkt es optisch, bei einem Airbus 330 ein klein wenig anders.

Durch die Meldung der „Fahrwerksprobleme“ kommt es jetzt natürlich zu einer Untersuchung durch das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) (Quelle: Aero-Magazin – Beitrag leider nicht mehr erreichbar). Ein Sprecher von Air Berlin sagte dazu die Unterstützung zu und dass es sich „um ein Durchstartmanöver in vorgeschriebener Höhe in Absprache mit dem Fluglotsen“ handelte. Natürlich muss das LBA so einen Fall immer aufarbeiten.

Diese Aufarbeitung des Vorgangs durch das Luftfahrt-Bundesamt führt auch dazu, dass die Besatzung suspendiert wurde und im Moment von Air Berlin nicht eingesetzt wird. Das ist bei Untersuchungen durch das LBA ein ganz normales Vorgehen und hat nichts mit einer (Vor-) Verurteilung oder der Zuweisung einer Schuld zu tun.

Was machen die Medien?

Und nun kommen die Medien ins Spiel. Die Bild spricht von einem „waghalsigen Manöver„. Der Express ist sich nicht zu blöde zu fragen „War das Absicht?„. Nein, lieber Express – dem Pilot ist beim Landen die Kippe runter gefallen. Als er sich bückte, um sie wieder aufzuheben, kam er an den Steuerknüppel und die Maschine zog nach links.

Iss Quatsch, ne? Merkt Ihr selber, ne?

Und selbst einen Tag später kommt keine Ruhe rein, offensichtlich ist die Klickgeilheit der Redaktionen noch nicht gestillt.

Ein stellvertretende Chefredakteur der RP erhebt sich zum Wächter der Luftfahrt. Er fabuliert in seiner „Meinung“ darüber, dass „Wenn Piloten aber von den vorgeschriebenen Standardverfahren abweichen, ist das fahrlässig und inakzeptabel“. Soweit hat er sogar recht. Dumm ist nur, ein Low-Approach und ein Go-Around sind Standardverfahren in der Luftfahrt. Wann, wo und wie diese angewendet werden, hat wohl kaum ein Schreiberling einer Zeitung zu bewerten bzw. zu beurteilen.

Anstatt die besondere Bedeutung der Aktion zu beschreiben wird mit reisserischen Überschriften völliger Unsinn vermittelt. Und da vermutlich die meisten Leser wieder mal nur die Überschriften lesen, setzen sich die schlimmsten Szenarien in die Köpfe der Menschen.

Und das merkt man auch in den Kommentarspalten im Netz.

Kommentare bei Facebook und den Medien

Die Videos von dem Manöver verbreiteten sich in den Sozialen Medien wie ein Lauffeuer, sie gingen richtig viral. Das zog natürlich entsprechend viele Kommentare an.

Man muss keine Ahnung vom Fliegen oder der Luftfahrt haben. Das ist nichts schlimmes, tut nicht weh. Was man aber machen kann, ist einfach mal die Klappe zu halten, wenn man keine Ahnung hat. Aber das fällt vielen generell schwer, besonders in den Sozialen Medien und in den Kommentarspalten von Zeitschriften.

Da wird der Lizenzentzug für die Piloten gefordert (weil sie ein genehmigtes Manöver geflogen haben). Andere philosophieren darüber, was alles hätte passieren können. (Nunja, vermutlich genau so viel wie bei jedem anderen Landeanflug oder Landeabbruch auch, genau genommen nix.) Wieder andere sehen das Vertrauen in die Sicherheit der Luftfahrt beschädigt. (Ich selber bin ja froh, dass es Piloten gibt, die solche Standard-Manöver fliegen können.) Der Hammer war aber, dass einer schrieb, dass solche Manöver nach 9/11 nun wirklich nicht sein müssen. (WTF?) Und die Spitze war der Ruf, den Piloten wegen Körperverletzung anzuzeigen, wegen der Kräfte die beim Durchstarten auf den Körper einwirken. (Dann zeige ich demnächst jeden Straßenbahnfahrer an, die Kräfte die auf meinem Körper beim Bremsen einwirken sind unerträglich).

So viele Facepalm-GIFs gibt es gar nicht, wie man sie dort verteilen möchte. 

Und nichts anderes macht Sinn. Kommt man mit nüchternen Fakten setzt prompt das Gepöbel ein. Auch kein neues Phänomen – kennen wir inzwischen alle.

Liebe Kommentarspaltenbeschreiber – alle mal tief durchatmen. Der Pilot hat ein genehmigtes Manöver geflogen, welches in solchen Situationen (letzter Flug einer Airline o.ä.) durchaus üblich ist. Keiner war in Gefahr, weder die Passagiere noch Menschen am Boden. Wir müssen jetzt auch nicht alle sterben. Gönnt den Mitarbeitern von Air Berlin doch diese Geste als Andenken für ihre einstmals tolle Airline. Eine Ehrenrund zum Abschied halt.

Alles Gute für die Mitarbeiter von Air Berlin

Unsere eigenen Erfahrungen mit Air Berlin in den letzten Wochen und Monaten, sei es als Reisende oder als Reiseverkäufer waren eher „geht so“. Trotzdem wünschen wir den  Mitarbeitern von Air Berlin alles Gute für die Zukunft. Jeder von Euch hat einen neuen, sicheren Job verdient. Für das Chaos konntet ihr meistens selber gar nichts und sicherlich entsprach das auch nicht Euren Vorstellung.

Entscheidung des Bundesaufsichtamt für Flugsicherung (BAF)

Nachtrag 18.12.2017: Das Bundesaufsichtamt für Flugsicherung hat sich in den letzten Wochen mit dem Vorfall beschäftig. Heute wurde das Ergebnis der Untersuchungen veröffentlich. Und wie wir nicht anders erwartet hatten, hat das Amt keine Beanstandungen an dem Manöver geäußert. Auf der Webseite des BAF findet man folgende Passage in der Veröffentlichung:

Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) hat seine Untersuchungen zum Durchstartmanöver eines Luftfahrzeugs der Air Berlin am Flughafen Düsseldorf abgeschlossen. Zusammenfassend kommt das BAF zum Ergebnis, dass alle entsprechenden Freigaben vorlagen und seitens der Flugsicherung alle sicherheitsrelevanten Vorgaben eingehalten wurden. Es wurde zudem kein Tatbestand für eine Ordnungswidrigkeit im Luftverkehr festgestellt, die zur Einleitung eines Bußgeldverfahrens führen würde.

Fakt ist, die Piloten haben den geplanten Tiefanflug frühzeitig angekündigt, die Fluglotsen der Flugsicherung waren also informiert. Auch die ungewöhnliche Route über das Terminal verstiess nicht gegen luftrechtliche Vorschriften.

Somit ist das Verfahren abgeschlossen und eingestellt worden.

(Quelle: https://www.baf.bund.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/2017/20171214_AirBerlin_GoAround_DUS.html)

Wir finden es richtig, dass jeder Vorfall im Luftverkehr untersucht wird. Von der daraus resultierenden Sicherheit profitieren wir alle, die gerne fliegen. Aber ebenso richtig ist es, keine Unsicherheit dahin zu interpretieren, wo selbst für die Fachleute keine zu sehen ist.

Jetzt wünschen wir den Piloten alles Gute für das weitere Berufsleben und auch den Fluglotsen, die ja ebenso im Auge der Ermittlungen standen. Schön zu sehen, dass alle Beteiligten offensichtlich nicht falsch gehandelt haben.

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