Fokusmodus und Messfeldsteuerung

---Fokusmodus und Messfeldsteuerung
  • Fokusmodus und Messfeldsteuerung richtig nutzen

Fokusmodus und Messfeldsteuerung

Von | 2018-02-13T09:47:06+00:00 08.12.2017|Kategorien: Fotografie Tipps|2 Kommentare

Die Wahl des richtigen Fokusmodus, zusammen mit einer passenden Messfeldsteuerung, gehört beim Fotografieren zu den wichtigsten Einstellungen um scharfe Fotos zu machen. Wir möchten Euch zeigen, welche Fokusmodi es gibt und wann diese sinnvoll eingesetzt werden können. Auch die verschiedenen Arten der Meßfeldsteuerung möchten wir Euch zeigen und wie ihr damit den Teil im Foto bestimmen könnt, der scharf dargestellt wird.

Was ist der Fokus?

Ganz einfach erklärt ist der Fokus die Stelle im Foto, auf welche die Fotokamera scharf stellt. Wenn ihr ein Foto seht, auf dem ein Gesicht scharf ist und der Hintergrund verschwommen, dann ist auf das Gesicht fokussiert worden.

Es ist oft nicht möglich oder nicht erwünscht, dass ein Foto von vorne bis hinten scharf dargestellt wird. Besonders bei Portraits oder bei Tierfotos soll das scharfe Motiv sich vom verschwommenen Hintergrund absetzen. Dabei spricht man auch vom Freistellen des Motivs. 

Bei Makro-Aufnahmen ist der Effekt auch oft zu sehen, dort ist es technisch kaum möglich, das komplette Bild scharf zu bekommen – in einem einzigen Foto. 

Anders sieht es bei Landschaftsaufnahmen oder Architekturaufnahmen aus. Hier soll das komplette Foto bestenfalls von vorne bis hinten scharf sein. 

Eine wichtige Voraussetzung ist dabei immer, dass der Fokus richtig gesetzt ist. Ein falsch fokussiertes Foto ist für den Mülleimer, da ist nichts mehr zu retten. Wie große dann die Schärfentiefe des Bildes ist, also der Bereich, der räumlich gesehen scharf wird, hängt noch von anderen Dingen ab. Dabei spielt die gewählte Blende, die Brennweite und der Abstand zum Motiv eine Rolle. Dies würde hier aber den Rahmen sprengen, dazu findet ihr einen eigenen Artikel über die Schärfentiefe hier auf dem Blog.

Fokusmodus – MF / AF-S / AF-C / AF-A

Fast alle modernen Kameras bieten verschiedene Modi für den Autofokus an:

  • MF – Manueller Fokus
  • AF-S – Einzelautofokus
  • AF-C – Kontinuierlicher Autofokus
  • AF-A – Automatischer Modus

MF – Manueller Fokus

Der manuelle Modus ermöglicht es dem Fotografen den Fokus im Bild komplett selbst zu bestimmen. Dabei wird das Foto mithilfe des Fokusrings am Objektiv auf die gewünschte Stelle scharf gestellt. Das bedarf aber einiger Übung und funktioniert nur bei Motiven, die sich nicht bewegen. In der Tierfotografie oder der Sportfotografie wird diese Methode also eher selten eingesetzt. Sinn macht es bei Makro-, Architektur- oder Landschaftsaufnahmen. 

Ein weiterer Einsatzgebiet für den manuellen Fokus sind schlechte Lichtbedingungen, wo der Autofokus wegen fehlender Kontraste nicht mehr arbeiten kann. Auch bei der Tierfotografie gibt es eine Situation, wo das manuelle Fokussieren Sinn machen kann. Wenn ihr durch ein engmaschiges Gitter fotografieren wollt und der Autofokus sich immer auf das Gitter scharf stellt, dann schaltet auf MF um und fokussiert von Hand. 

Um im kleinen Sucher zu erkennen, was denn nun scharf gestellt ist, bedarf es eines sehr guten Auges. Moderne Systemkameras – mit elektronischen Sucher – bieten da einen riesigen Vorteil, das Fokus-Peaking. Dabei werden die Stellen im Foto, die scharf sind, mit einem farbigen Rand gekennzeichnet. 

Sollte es mal zu dunkel sein, um den manuellen Fokus zu nutzen – ihr also im Sucher nichts sehen könnt um auf ein Motiv zu fokussieren, dann setzt eine externe Lichtquelle ein. Dafür bietet sich eine Taschenlampe oder die Beleuchtung des Smartphones an.

AF-S – Einzelfokus

Die Kamera fokussiert in dem Moment, wo ihr den Auslöser halb gedrückt haltet, auf ein Motiv. Diese Einstellung des Fokus behält die Kamera nun bei, bis ihr den Auslöser drückt. Auch bei Serienaufnahmen, also mehreren Fotos bei gedrückten Auslöser, bleibt der Fokus immer gleich.

Sollte sich das Motiv nun nach vorne oder hinten bewegen, wird es irgendwann den Bereich der Schärfentiefe verlassen und die Kamera korrigiert das nicht.

Daher macht der AF-S-Modus nur Sinn bei Motiven, die sich nicht bewegen. Landschaftsfotografie, Stilleben, Gebäude, Tiere oder Menschen, die sich nicht bewegen. Bei dynamischen Motiven solltet Ihr lieber den folgenden Modus für den Autofokus verwenden.

AF-C – Kontinuierlicher Fokus

Beim Kontinuierlichen Autofokus fokussier die Kamera immer wieder neu auf das gewählte Motiv. Dies geschieht automatisch, wenn die Kamera bewegt wird oder sich das Motiv bewegt. Der Fokus wird immer wieder neu gemessen und entsprechend scharf gestellt. Deshalb heißt dieser Modus bei einigen Kameras auch Nachführ-AF.

Dieses nachführen des Autofokus funktioniert bei einigen Kameras besser als bei anderen – es ist auch eine technische Herausforderung. Außerdem kann es zu kurzen Auslöseverzögerungen führen, da der Fokus ja erst seine Arbeit verrichten muss, bevor das Bild geschossen werden kann.

Trotz der kleinen Nachteile ist der AF-C Modus aber die ideale Einstellung bei bewegten Motiven. Seien es Sportaufnahmen, Autorennen, Tiere oder Menschen in Bewegung.

AF-A – Automatischer Modus

Der Automatische Autofokus ist eine Mischung aus dem AF-S und dem AF-C Modi. Die Kamera erkennt dabei, ob es sich um ein ruhiges oder ein dynamisches Motiv handelt und wählt dann automatisch den passenden Modus aus.

Also eigentlich ist es die eierlegende Wollmichsau – in der Theorie. Ob das in der Praxis aber wirklich funktioniert, das müsst ihr mit Eurer Kamera-/Objektiv-Kombination mal ausprobieren. Wir selber nutzen diesen Modus nie, da wir gerne selber bestimmen, was die Kamera macht.

Geschwindigkeit des Autofokus

Für viele Fotografen ist die Geschwindigkeit des Autofokus eine sehr wichtige Eigenschaft. Mit der Geschwindigkeit ist gemeint, wie schnell stellt die Kamera scharf und ist bereit zum auslösen. Gerade bei dynamischen Motiven, wie bewegte Tiere oder bei Sportaufnahmen, muss das alles sehr schnell gehen.

Die Geschwindigkeit des Fokus, zusammen mit seiner Qualität und Zuverlässigkeit, ist von Kamera zu Kamera und von Objektiv zu Objektiv verschieden. Dabei spielt der Preis nicht unbedingt eine Rolle. Eine teure Kamera oder ein teures Objektiv ist nicht zwangsläufig schneller beim Fokussieren. 

Einige Objektive bieten eine Brennweiten-Begrenzung für den Autofokus an. Das sind meist Tele- oder Superteleobjektive. Diese haben einen Schalter, mit dem man den Brennweitenbereich für den Autofokus begrenzen kann. Somit muss das Objektiv nicht immer über den gesamten Bereich „pumpen“ wenn es fokussiert. Bei unserem Sigma 150-600 kann der Bereich auf 2,8-10 Meter, 10 Meter bis Unendlich oder den gesamtem Fokusbereich 2,8 Meter bis Unendlich eingestellt werden. Damit könnt ihr die Geschwindigkeit beim fokussieren deutlich erhöhen.

Einige Kameras bieten zusätzlich die Funktion, dass bereits eine Vor-Fokussierung erfolgt, sobald man durch den Sucher blickt. Auch das erhöht die Fokusgeschwindigkeit beim drücken des Auslösers enorm.

Messfeldsteuerung – Was ist das?

Die oben beschriebenen Autofokus-Modi regeln nur, wie der Autofokus arbeitet aber nicht, was im Foto scharf gestellt werden soll. Dafür sind dann die verschiedenen Messfeldsteuerungen verantwortlich.

Auch hier gibt es verschiedene automatische oder manuelle Einstellungen, wo ihr mehr oder weniger selber bestimmen könnt, auf welches Objekt im Foto scharf gestellt wird.

Für die Messfeldsteuerung bieten die Kamerahersteller verschiedene Möglichkeiten und Bezeichnungen. Wir stellen hier die Möglichkeiten der Sony Alpha 7 II vor. Die meisten der Einstellungen solltet ihr aber so ähnlich auch bei anderen Kameras finden.

Messfeldsteuerung Breit

FokusbeispielFokuspunkte

Bei der Messfeldsteuerung Breit fokussiert die Kamera automatisch auf ein Motiv im Bild. Dabei bedient sie sich an Fokusfeldern, welche über die gesamte Breite des Fotos gehen. Die zur Verfügung stehenden Felder könnt ihr oben im Bild sehen, wenn ihr den Schieber nach links zieht.

In dem Fall hat die Kamera auf den Turm im Vordergrund fokussiert (Schieber nach rechts, dann seht ihr die gewählten Fokuspunkte). 

Ihr selber habt keinen Einfluss darauf, auf welches Objekt fokussiert wird. Wenn ihr dem Beispiel oben mehrere Versuche startet, dann wird die Kamera einmal auf den Turm, einmal auf den Horizont oder auf die Wasserlinie fokussieren.

Das ist der Grund, weshalb dieser Modus bei uns eigentlich nie zum Einsatz kommt. Wir möchten gerne selber bestimmen, auf welchen Punkt im Foto der Fokus sitzt.

Messfeldsteuerung Feld

FokusbeispielFokuspunkte

Etwas mehr Einfluss für den Fotografen bietet die Messfeldsteuerung Feld. Bei diesem Modus wird eine Gruppe von Messfeldern genutzt. Diese Gruppe lässt sich im Sucher mit den Einstellrad bewegen. So kann der Fotograf den Bereich im Foto festlegen, wo der Autofokuspunkt gesucht werden soll.

In dem Beispiel oben ist die Gruppe in die rechte Bildhälfte verschoben worden und die Kamera hat sich somit den Horizont als Fokuspunkt gewählt.

Am Ende wählt die Kamera immer noch den Fokuspunkt und nicht der Fotograf. Bei Landschaftsaufnahmen, die eh eine hohe Tiefenschärfe haben soll ist das aber eine gute Möglichkeit.

Messfeldsteuerung Mitte

FokusbeispielFokuspunkte

Mit der Messfeldsteuerung wird immer auf die Bildmitte fokussiert. Damit hat der Fotograf die Fokussierung selber in der Hand. Er muss dabei nur das Motiv, welches scharf sein soll, in der Bildmitte platzieren.

Beispiel 4: Unscharfe Nasenspitze

Beispiel 4: Unscharfe Nasenspitze

Dumm nur, dass das entgegen aller fotografischen Regeln ist. Meistens sollen die Hauptmotive eben nicht in der Bildmitte liegen. Und selbst wenn man ein Motiv, wie den Kaiman auf dem Beispiel,  in der Mitte platziert passt somit der Fokus noch lange nicht.

In dem Fall oben ist der Fokus auf die Mitte gesetzt und damit ist Haut in der Bildmitte wunderbar scharf. Dummerweise liegen die Augen nicht mehr in der Schärfeebene und sind somit unscharf.  Das könnt ihr erkennen, wenn ihr das Bild rechts in groß anschaut.

Daher ist die mittenbezogene Messfeldsteuerung auch nicht für alle Motive ideal.

Sie eignet sich aber wunderbar um schnelle Motive sicher in der Bildmitte zu fokussieren und den Bildaufbau später in der Bildbeabeitung zu machen oder für Fotografien, wo das Hauptmotiv in der Bildmitte sein soll – achtet dann aber auf die Schärfentiefe.

Messfeldsteuerung Flexibler Spot

FokusbeispielFokuspunkte

Unser persönlicher Favorit ist die Messfeldsteuerung Flexibler Spot. Auch bei diesem Modus wird nur ein Fokusfeld für die Fokussierung genutzt. Aber im Gegensatz zum Modus Mitte kann dieses Feld frei über die Sucherfläche bewegt werden. In dem Beispiel oben haben wir den Fokuspunkt in das obere linke Dritten geschoben – also auf das Auge des Waschbären. Damit liegt der Fokus garantiert dort, wo er liegen soll.

Der Fokusspot kann bei den Sony-Kameras mit dem Rad auf der Rückseite verschoben werden. Das Handling ist natürlich Gewöhnungssache – aber nach ein paar hundert Bildern geht das richtig flott und man kann wunderbar bestimmen, wo der Fokus liegen soll.

Auch die Größe des Fokusfeldes kann in diesem Modus bei Sony veränderrt werden. Es stehen die Größen L-Large, M-Medium und S-Small zur Verfügung. Wir arbeiten meistens mit M-Medium. L-Large ist uns oft zu groß, da sitzt der Fokus vielleicht nicht mehr dort, wo er hin soll. Bei S-Small kann man extrem genau fokussieren. Das funktioniert aber nicht bei bewegten Motiven, das wird dann schon kniffelig. Bei ruhigen Motiven ist die kleinste Größe aber klasse um sehr genau zu arbeiten.

Übung macht auch beim Fokussieren den Meister

Wie bei fast allen Themen in der Fotografie macht auch beim Fokussieren die Übung den Meister. Spielt einfach mal mit den verschiedenen Modi und den Messfeldsteuerungen rum. Am besten in verschiedenen Situationen. Damit bekommt ihr ein Gefühl dafür, was eure Kamera eigentlich macht und schnell werdet ihr für Euch favorisierte Einstellungen finden.

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Habt ihr nun noch Fragen zu dem Thema oder Anmerkungen zu dem Beitrag? Dann würden wir uns sehr über Kommentare von Euch freuen.

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2 Kommentare

  1. Horst 8. Dezember 2017 um 15:32 Uhr - Antworten

    Danke für diese Beschreibung. Habt mir schon wieder geholfen. :-) LG Horst

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