Fotografen-Interview 7: Inka Chall – Blickgewinkelt

---Fotografen-Interview 7: Inka Chall – Blickgewinkelt

Fotografen-Interview 7: Inka Chall – Blickgewinkelt

Von |2018-03-19T07:44:02+00:0022.02.2018|Kategorien: Fotografen-Interview|Tags: , , |4 Kommentare
  • Fotografen Interview Blickgewinkelt

Zuletzt aktualisiert am 19. März 2018 um 7:44

In unseren Fotografen-Interviews möchten wir Euch regelmäßig tolle Fotografinnen und Fotografen vorstellen. Die meisten werden aus den Bereichen Reise- und Tierfotografie kommen. Da wir aber auch offen für andere Genres sind, schauen wir im Laufe der Serie auch mal über den Tellerrand hinaus. Andere fotografische Bereiche schauen wir uns immer gerne an, auch wenn wir da selber fotografisch nicht unterwegs sind.

Wir wünschen Euch viel Spaß beim Lesen der Interviews und beim Anschauen der tollen Bilder.

Fotografen Interview mit Inka Chall von Blickgewinkelt

Wer ist denn eigentlich Inka Chall?

Ich bin Wahlberlinerin und das bereits seit über 20 Jahren. Eigentlich lebe ich mittlerweile einen Kirschkernspuck nach Brandenburg, aber ich nehme es da nicht so genau. Studiert habe ich Kultur- und Afrikawissenschaften und technische Kommunikation – das Los einer „ich will alles“-Mentalität. Das zieht sich bei mir auch durch mein Hobby- und Arbeitsleben. Ich habe fast alles mal ausprobiert.

Heute arbeite ich als technische Redakteurin (in Teilzeit angestellt) und bin freiberufliche Autorin und Fotografin und sehr glücklich mit dieser Aufteilung.

Wen und was möchtest Du mit Deiner Webseite erreichen?

Einige Blogger haben mit einer klaren Zielstellung ihren Blog gestartet, dazu gehöre ich nicht. Mein Blog entstand vor fünf Jahren noch aus der Idee, eine Art Tagebuch für meine Geschichten und Fotografien zu führen. Deshalb habe ich eigentlich keine strenge Agenda, außer, mich selbst zu unterhalten. Insofern suche ich wohl LeserInnen, die ähnliche Interessen haben wie ich.

Wie und wann bist Du das erste Mal mit Fotografie in Berührung gekommen und was war Deine erste Kamera?

Ich habe Fotografien immer extrem neugierig angeschaut und fand diese Ausdrucksform toll. Das erste Mal richtig fotografiert habe ich in einem Kunstprojekt in meiner Schule. Von meinem Vater bekam ich eine uralte Spiegelreflex, ich glaube, das war eine Minolta. Diese blieb aber schnell liegen – die Filme waren mir zu teuer und ich fühlte mich einfach nicht gut genug.

Es folgten Reisen mit billigen Kompaktkameras durch Ost- und Nordafrika und ultraschlechten Fotos. Erst im Jahr 2009 war ich das erste Mal in Grönland und lieh mir dafür die Digitale Spiegelreflex von meinem damaligen Freund, der mir anschließend einredete, ich hätte Talent. Eine Freundin schenke mir eine billige Bridge-Kamera, weil ich mir absolut nichts leisten konnte. Damit habe ich tatsächlich fast zwei Jahre fotografiert. Als ich dann mit einem meiner Grönland-Fotos einen Fotowettbewerb gewann und auf große Fotoreise gehen konnte, war das der eigentliche Start meiner Fotografie.

Womit fotografierst Du heute?

Mit meiner Canon 80D und meiner kleinen Olympus EM-10. Canon mag ich einfach, die 80D liegt in meinen Händen noch recht gut, ich habe leider wirklich winzige Hände und Handgelenke, in denen sich die größeren Spiegelreflex-Kameras nicht gut machen. Die Olympus ist meine Alternative zum unauffälligen Fotografieren. Immer noch träume ich von einer Vollformat-Kamera.

Wie würdest Du selbst Deinen fotografischen Stil beschreiben und in welchen fotografischen Genres bist Du unterwegs?

Ich mag Echtheit, Chaos, Leere und gerade Linien. Das ist in etwa so konsequent wie ein Elefant auf dem Drahtseil. Mir selbst gefallen reduzierte Fotos, gerade auch farblich, ich mag die klaren Linien von Wüsten. Dennoch fotografiere ich auch gerne das Chaotische, Alte, Unperfekte und würde nie etwas wegshoppen. Der Mülleimer in der Kirche gehört für mich ins Foto, da ist er nunmal, auch und gerade, weil er mich vielleicht stört.

Allerdings fotografiere ich wohl aus genau dem Grund am liebsten die Natur – die ist eigentlich immer schön und spannend. Oder auch klare Architektur, das landet allerdings eher nicht auf meinem Blog.

Was ist Dein Lieblingsland oder –ort zum Fotografieren?

Das gibt es nicht. Licht und Linien gibt es überall auf der Welt, spannende Fotografien können daher auch überall entstehen. Hättest Du mich gefragt, welche Länder ich hübsch finde, hätte ich vermutlich die Antarktis, Grönland und Bolivien genannt. Deutschland selbstverständlich auch.

Was möchtest Du mit Deinen Fotos erreichen?

Ein Gefühl jenseits der Langeweile. Ich bin tatsächlich eher eine Geschichtenerzählerin als eine Fotografin, auch bei meinen Bildern. Ich möchte Echtheit zeigen, mag in der Regel kein HDR, bewundere zwar Perfektionismus bei anderen, ich selbst brauche den aber in meinen Bildern nicht. Wenn jemand bei einem Foto von mir etwas fühlt, was ihn berührt, habe ich schon alles erreicht.

 

Welcher Fotograf oder Künstler inspiriert dich?

Ich finde es schwierig, da einen bestimmten zu nennen, ich folge sehr vielen Fotografen auf Facebook, auch unbekannteren. Viele Fotografien finde ich toll, andere nicht, auch vom gleichen Künstler. 

Gibt es ein Bild, dass Dir besonders am Herzen liegt? Warum?

Fußballtor Groenland Blickgewinkelt

Die Qualität dieses Bildes ist ziemlich schlecht, das ist eines meiner ersten Fotos mit der digitalen Spiegelreflex. Mit diesem Foto habe ich damals meine erste Fotoreise gewonnen und landete letztendlich in der Antarktis – ein Lebenstraum! Als ich wiederkam, war ich als „Bester Newcomer-Reiseblog“ ausgezeichnet und damit begann für mich ein ganz neuer und wahnsinnig spannender Lebensabschnitt. Und das irgendwie alles wegen eines einzigen Fotos.

 

5 Lieblingsbilder von Inka Chall

Eisberg Antarktis Blickgewinkelt

Ein Foto aus der Antarktis muss natürlich sein – es steht jedoch stellvertretend für die tausenden Aufnahmen von dort, denn ich kann mich wirklich nicht entscheiden, welches von dort meine Lieblingsbilder sind. Die Antarktis ist für mich etwas ganz Besonderes – auf jedem einzelnen Foto. 

Flossfahren Brandenburg Blickgewinkelt

Dieses eigentlich nicht sehr spektakuläre Foto schaue ich mir häufiger an. Wegen dieses Fotos habe ich den „Brandenburger Unreim“ geschrieben, denn es repräsentiert für mich genau das, wo ich mich sehen möchte und was dieses von mir schwer geliebte Bundesland ausmacht: Ruhe, Natur, Wasser, Minimalismus und genau das richtige Maß für alles, „Lagom“, wie die Schweden sagen. 

Rentiere Norwegen Blickgewinkelt

Dass ich dieses Bild mag, weißt Du ja schon. ;) Auf dieser Reise nach Nordnorwegen, mal wieder eine meiner spontanen Schnapsideen, waren in diesem Moment alle Widrigkeiten vergessen. Diese fast wilden Rentiere standen scheu vor mir und ließen sich nur durch Heugabe überreden, nicht sofort wegzurennen. Ich sank hüfthoch im Schnee ein, das Schneegestöber wurde dichter, aber gerade das kommt, wie ich finde, alles auf dem Bild rüber: die Kälte, die Polarnacht, der Wind. Ich mag die Bewegung im Bild, und dass sich die Geweihe kaum von den Sträuchern im Hintergrund unterscheiden, die Rentiere verschmilzen fast mit ihrer Umwelt.

Groenland Eisberge Blickgewinkelt

Ich hätte eventuell auch ein anderes Foto nehmen können, ich habe etwa zwei Handvoll aus Grönland, die ich am meisten mag. Ich bin ausgemachter Eisberg-Fan. Das wichtige in Grönland aber sind die Menschen, die dort – fast vergessen vom Rest der Welt – trotz Klimaveränderung, einer globalisierten Marktwirtschaft und der Verdrängung ihrer Kultur versuchen zu überleben. Davon abgesehen ist die Natur natürlich atemberaubend, auch wenn sie so, wie sie jetzt ist, dieses Jahrhundert wohl nicht überleben wird.

Regenwald Blickgewinkelt

Mit einem fünften Bild war ich überfordert – sehr typisch für mich. Da fehlt doch Berlin! Da fehlen noch Menschen! Ein cooles Stadtfoto! Erst habe ich zu viel Auswahl, auf einmal gefällt mir gar kein Foto mehr. Das ist vielleicht auch, was ich an mir gerne ändern würde: Mehr Ausgereiftheit in der Fotografie, mehr eigene Stilsicherheit. 

Als Symbol dafür habe ich tatsächlich ein „Selfie“ ausgewählt, ein Foto, das ich für mein bald erscheinendes Buch geschossen habe und das mir gefällt, weil a) es direkt neben unserem Haus aufgenommen wurde (Wahnsinn, oder?), b) es so furchtbar schön grün ist, c) ich Regen mag und d) die Komposition und Bearbeitung tatsächlich so geklappt hat, wie ich mir das vorgestellt habe.

Alle gezeigten Fotos sind hier mit freundlicher Genehmigung von Inka Chall eingestellt. 

Inka Call – Blickgewinkelt

Ihr möchtet Inka, ihren tollen Reiseberichten und ihren fotografischen Arbeiten im Netz zu folgen? Dann findet Ihr die unter folgenden Links:

Inka Chall von Blickgewinkelt

Wir bedanken uns sehr bei Inka für das Interview und die tollen Fotos. Inka hatte das Gefühl, viel zu viel geschrieben zu haben, das sehen wir aber mal ganz anders. Über Kommentare oder Fragen würden nicht nur wir uns freuen, auch Inka ist bestimmt sehr erfreut über Feedback von unseren Lesern.

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4 Comments

  1. inka 23. Februar 2018 um 18:25 Uhr - Antworten

    Ganz lieben Dank Thomas an Dich, dass ich bei dieser Reihe dabei sein darf. Spannend übrigens, immer wieder neue Geschichten von Menschen zu lesen, deren Werdegang, deren Meinungen. Und ja, ich Labertasche, schön, dass es dennoch gefallen hat. :D
    LG /inka

    • Thomas Jansen 23. Februar 2018 um 20:47 Uhr - Antworten

      Hallo Inka,

      wer viel zu erzählen hat, und dann noch so interessant, der hat hier allen Platz der Welt. ;-) Danke, dass Du Dir die Zeit dafür genommen hast.

      LG Thomas

  2. Sabine von Ferngeweht 25. Februar 2018 um 17:55 Uhr - Antworten

    Sehr schönes Interview! Danke an Thomas für die spannenden Fragen und danke an Inka für die schönen Antworten!

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