Führerschein für das Wohnmobil, welchen braucht man in den USA oder Kanada? Ist das Wohnmobil fahren mit Klasse B möglich?

Kurfassung vorab: Ja, die Führerscheinklasse B reicht meistens aus. Nur in Nevada (USA) verlangen einige deutsche Vermieter die Führerschein Klasse C oder 3 zur Anmietung eines Wohnmobils.

Führerschein Klasse B oder doch C/3? Verwirrung aus dem Jahr 2015

Im Jahr 2015 sorgte eine Meldung für Aufregung. In einem zweiseitigen Schreiben heißt es, das Inhaber von Führerscheinen der Klasse B nur noch Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen anmieten dürfen. „Dies ist insbesondere eine im Hinblick auf die Anmietung von Campern in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland wichtige Einschränkung“ – hieß es weiter.

Inzwischen ist klar, dass diese Regelung nur noch bei einigen Reiseveranstaltern gilt. Und dort ist sie beschränkt auf Wohnmobilanmietungen im US-Bundesstaat Nevada. Hier gilt bei einigen Anbietern, dass der Führerschein Klasse B nicht ausreicht, da dort die Gewichtsbeschränkungen des deutschen Führerscheins gelten würden. Diese Regelung scheint aber mit den Versicherungen der deutschen Reiseveranstalter zusammenzuhängen. Denn von dieser „Ausnahme“ weiß man in den USA selber nichts. Wenn man dort bei den Firmen direkt buchen würde, reicht auch Klasse B aus, um in Nevada ein Wohnmobil zu mieten. Auch einige deutsche Reiseveranstalter haben damit kein Problem.

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Wie reagierten die deutschen Reiseveranstalter?

Alle waren nun gespannt, wie denn die deutschen Reiseunternehmen reagieren werden. Und genau diese Reaktion verwirrt Touristiker und Reisende noch mehr.

DER Tour und die Camperbörse setzten diese Regelung um. Kunden wurden angeschrieben und auf das Problem aufmerksam gemacht. Ihnen wurde angeboten, die Buchungen innhalb von 14 Tagen kostenlos stornieren zu können, wenn sie nur die neue Klasse B besitzen. Beim Besitz der alten Klasse 3, welche das Führen von Fahrzeugen bis 7,49 Tonnen zulässt, ist alles kein Problem.

Andere Reiseveranstalter folgen der Maßnahme aber nicht. So haben sowohl FTI als auch CANUSA bekannt gegeben, dass dieser Hinweis sie selber überrascht habe und er nicht umgesetzt wird. Auch mit den hauseigenen Versicherungen sei das geklärt worden, dass es zu keinerlei Problemen im Schadensfall kommen wird.

„Die Beschränkung auf 3,5 Tonnen gilt nur innerhalb der Europäischen Union“ sagt ein Sprecher von FTI. Außerhalb der EU, also z.B. in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland dürfen sehr wohl schwerer Fahrzeuge bewegt werden. Ein Risiko, den Versicherungsschutz zu verlieren, sieht man bei FTI übrigens nicht: „Das haben wir mit unseren Vermietern und unserer Versicherung abgeklärt. Der Schutz im Falle eines Unfalls besteht weiter“, stellt der Sprecher klar.

Beide Unternehmen habe somit auch bis heute keine Änderung an ihren Mietbedingungen vorgenommen.

Regelung seit 01.09.2016 – Klasse B reicht (meistens)

Um es jetzt ganz kompliziert zu machen, sind für die Winter- und Sommersaison 2016/2017 die Regelungen wieder geändert worden. Das generelle Verbot, Wohnmobile nicht mehr mit Klasse B buchen zu dürfen, hat wohl doch zu viele Kunden gekostet. Jetzt haben fast alle Veranstalter in Kanada komplett zurückgerudert und in den USA gibt es nur noch eine Beschränkung bei der Anmietung in Nevada.

Aktuelle Regelung für Führerscheine bei deutschen Reiseveranstaltern – Anmietung in den USA

Hier eine Übersicht der aktuellen Regelungen für das meistgebuchte C-Klasse-Wohnmobil:

  • DER-Tour: Alle C-Klasse-Modelle können mit Klasse 3 oder B gefahren werden. Außer in Nevada, hier wird Klasse 3 oder C1/C benötigt.
  • Camperbörse: Alle C-Klasse-Modelle können mit Klasse 3 oder B gefahren werden. Außer in Nevada, hier wird Klasse 3 oder C1/C benötigt.
  • Meiers Weltreisen: Alle C-Klasse-Modelle können mit Klasse 3 oder B gefahren werden. Außer in Nevada, hier wird Klasse 3 oder C1/C benötigt.
  • ADAC-Reisen: Für alle Wohnmobile C-Klasse wird der Führerschein Klasse 3 oder C1/C benötigt.
  • FTI, TUI, CANUSA: Hier reicht für alle C-Klasse Modelle der Führerschein Klasse 3 oder B.

Ebenso kompliziert ist die Regelung bei den großen Mobilen der A-Klasse:

  • DER-Tour: A-Klasse-Modelle können mit Klasse 3 oder B gebucht werden. In Nevada benötigt man aber Klasse 2 (!) oder C.
  • Camperbörse: Alle C-Klasse-Modelle können mit Klasse 3 oder B gefahren werden. Außer in Nevada, hier wird Klasse 3 oder C1/C benötigt.
  • Meiers Weltreisen: A-Klasse-Modelle können mit Klasse 3 oder B gebucht werden. In Nevada benötigt man aber Klasse 2 (!) oder C.
  • ADAC-Reisen: Für die A-Klasse wird immer die Klasse 2 (!) oder C benötigt.
  • FTI, TUI, CANUSA: Hier reicht für alle A-Klasse Modelle der Führerschein Klasse 3 oder B.

Wir konnten in den Mietbedingungen der Veranstalter keine Information finden, ob man mit einem Wohnmobil, welches man mit Klasse B in z.B. Kalifornien angemietet hat, dann auch nicht nach Nevada fahren darf. Daher können wir im Moment nicht sagen. ob die Regelung ausschließlich für die Anmietung gilt oder auch ein durchfahren des Bundesstaates nicht erlaubt ist. Wir werden uns dazu aber noch schlaumachen.

Neuregelung Führerscheine bei deutschen Reiseveranstaltern – Anmietung in Kanada

Hier ist, bis auf eine Ausnahme, nun wieder alles beim alten und es kann jedes Fahrzeug mit Klasse 3 oder B gemietet werden.

  • DER-Tour: Alle A-Klasse- oder C-Klasse-Modelle können mit Klasse 3 oder B gefahren werden.
  • Camperbörse: Alle A-Klasse- oder C-Klasse-Modelle können mit Klasse 3 oder B gefahren werden.
  • Meiers Weltreisen: Alle A-Klasse- oder C-Klasse-Modelle können mit Klasse 3 oder B gefahren werden.
  • ADAC-Reisen: Für alle Wohnmobile C-Klasse wird der Führerschein Klasse 3 oder C1/C benötigt. Für A-Klasse-Modelle wird die Klasse 2 (!) oder C benötigt.
  • FTI, TUI, CANUSA: Alle A-Klasse- oder C-Klasse-Modelle können mit Klasse 3 oder B gefahren werden.

Damit ist die Verwirrung nun komplett! Wir empfehlen zur Buchung dringend, diese Regelungen zu beachten. Es kann durchaus sein, dass ihr sonst Probleme bei einem Fahrzeugschaden bekommt.

Was sagen die Wohnmobilvermieter?

Sowohl Cruise America, Road Bear und Apollo in den USA als auch Fraserway in Kanada weisen in ihren Mietbedingungen bisher weiter darauf hin, das für deutsche Mieter die Führerscheinklassen B oder 3 vollkommen ausreichend ist.

In den Ländern gelten die dort gesetzlich vorgeschriebenen Gewichtsgrenzen zum Führen einen Fahrzeuges.

In den USA und Kanada sind das z. B.: 11,9 Tonnen mit einem Führerschein für PKWs. Darüber hinaus kennt man in den USA auch nur noch Führerscheine für gewerbliche LKWs (Trucks) und Motorräder. Eine kleinere Staffelung der Gewichte gibt es dort gar nicht.

Welche Auswirkungen hätte die Umsetzung?

Schauen wir uns doch mal, am Beispiel von Cruise America die Gewichte der angebotenen Fahrzeugtypen an.

Wohnmobil Gewichte bei Cruise America

Wohnmobil Gewichte bei Cruise America

Hier sieht man, selbst das kleinste Modell wiegt bereits über 4 Tonnen. Es wäre für Reisende, mit Führerscheinklasse B, nicht mehr möglich ein Wohnmobil aus der C-Klasse zu buchen. In den USA gibt es kaum Anbieter, die kleinere Modell anbieten. In Kanada, Neuseeland und Australien gäbe es die Möglichkeit, sich einen Campervan zu mieten, aber auch hier sollte man dann auf die angegebenen Gewichte schauen.

Kurz gesagt, hier würde für die Tourismusbranche ein Markt weg brechen, ebenso für die Anbieter von Wohnmobilen in den USA, Kanada und den anderen Ländern. Für viele Reisende würde der Traum vom Urlaub mit der grenzenlosen Freiheit Wohnmobil platzen.

Führerschein Wohnmobil: Wie geht es nun weiter?

Hier können wir nur mutmaßen und unsere eigene Einschätzung schreiben.

Im Moment scheint sich abzuzeichnen, dass das Problem offensichtlich von einer Versicherung ausgeht, welche mit DER Tour und der Camperbörse zusammen arbeitet. Weitere deutsche Anbieter und die Wohnmobilfirmen selber folgen dem Hinweis nicht, dort scheint es auch keine Probleme mit den Versicherungen im Schadensfall zu geben.

Es bleibt nun abzuwarten, wie es weiter gehen wird. Vielleicht gibt es bald plötzlich eine neue Zusatzversicherung für Fahrer mit Führerscheinklasse B, vielleicht machen aber auch die Vermieter entsprechend Druck und diese Regelung wird hinfällig.

Fakt ist, seit der Einführung der neuen Führerscheinklassen in Deutschland 1999 hat es bis heute keine Probleme bei der Anmietung von schweren Wohnmobilen in den Ländern gegeben. Auch nach intensiver Suche in vielen Foren, Fachseiten, Touristikseiten konnten wir keinen beschriebenen Fall finden, wo die Versicherung nach einem Unfall oder Schaden Probleme wegen der Führerscheinklasse gemacht hat. Auch einen Fall, wo ein  Fahrverbot wegen Fahrens ohne Führerschein ausgesprochen wurde, konnten wir nirgendwo finden.

Sollte einer unserer Leser so einen Fall kennen, dann würden wir uns auf einen Hinweis dazu freuen.

Im Moment würden wir jedem Reisenden empfehlen, bei den Unternehmen zu buchen, die in Ihren Mietbedingungen ausdrücklich schreiben, dass Klasse B ausreichend ist. Allerdings würde man im Moment mit dem Risiko leben müssen, dass sich das in den nächsten Wochen vielleicht ändert.

Wir halten euch hier auf dem Laufenden, wenn es neue Erkenntnisse gibt.

Ergänzung 09.12.2015: Auch TUI-Camper als Vermittler sieht keinen Anlass, dass man mit Klasse B die Wohnmobile in den Ländern nicht fahren darf: http://www.tuicamper.com/infos-tipps/wohnmobil-fuehrerschein/

Ergänzung 07.07.2016:  Wir waren diese Woche auf einer Infoveranstaltung von FTI. Dort haben wir nachgefragt, ob auch bei FTI-Camperbuchungen eine Einschränkung zu erwarten sei. Dies wurde ausdrücklich verneint. Bei FTI kann man weiter alle Camper im Programm mit Klasse 3 oder B  anmieten und fahren.

Wie sind eure Erfahrungen? Habt ihr schon mal Probleme mit dem Wohnmobil bzw. eurem Führerschein gehabt? Über euere Erfahrungen in den Kommentaren würden wir uns sehr freuen.

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