Bloggen und Technik

Gutes Benehmen im Netz und die Netiquette

Gutes Benehmen und die Netiquette

Gutes Benehmen und die Netiquette sind das heutige Thema beim Webmaster Friday. Ein gutes Thema, wie ich finde, und daher kommt mein Beitrag aus mal wieder direkt am Freitag, zumal er bereits Donnerstag Abend geschrieben wurde.

Als Blogger hatte ich bisher wenig Grund, mich über das Benehmen der Besucher hier auf der Seite zu beschweren. Da wird nett kommentiert, und Kritik wird anständig, konstruktiv geäußert. Wenige Ausnahmen bestätigen hier natürlich auch die Regel.

Anders sieht es da schon aus, wenn man zwei Foren am Bein hat und sich mal ein wenig in den Social Medias durch die Kommentare klickt. Ebenfalls ein Abgrund sind oft Kommentare unter Zeitungsartikeln im Netz, meine Güte, was geht da teilweise ab.

Da fragt man sich schon oft, sind diese Menschen eigentlich im Real Life auch so unverschämt oder nur im Netz? Aber dazu später mehr.

Ich denke, viele normale Internetuser kennen die Netiquette gar nicht. Daher erst mal ein paar Zeilen zur Erklärung.

Was ist diese Netiquette eigentlich?

Die Netiquette gibt es schon sehr, sehr lange. Selbst zu alten Fido-Net Zeiten, als man noch mit dem Akustikkoppler ins unheimlich teure Internet gegangen ist, war die Netiquette bereits Thema. Damit verbunden auch die Diskussionen über deren Sinnhaftigkeit, das hat sich bis heute nicht geändert. Seit 1995 existiert sogar das RFC 1885, welches die Netiquette zum Internetstandard erhebt.

Von der Netiquette existieren x verschiedene Versionen, je nach Anwendungsfall. Ein Blog braucht vielleicht andere Punkte als ein Forum. Aber die Masse enthält doch einige wichtige Punkte, die immer gleich sind.

Meistens steht direkt an erster Stelle die folgende Regel:

Vergiss niemals, dass auf der anderen Seite ein Mensch sitzt!

Das ist, in meinen Augen, der wichtigste Punkt aller dieser Regeln. Egal was man im Internet macht, wenn man mit anderen Menschen kommuniziert, das sollte doch immer noch mit Respekt geschehen.

Respekt?

Und genau dieses Respekt lassen heute viele Leute hinter sich, wenn sie im Netz unterwegs sind. Da wird munter…

  • getrollt
  • gepöbelt
  • beschimpft
  • beleidigt
  • mal eben ein Shitstorm gegen eine Person oder ein Unternehmen angestachelt
  • es werden anderen Leuten Meinungen aufgezwungen, weil man ja der Allwissende vor dem Herren ist
  • es werden Diskussionsteilnehmern Dinge in den Mund gelegt, welche sie so nie geschrieben haben
  • es werden Menschen gnadenlos diffamiert oder gemobbt, einfach weil sie anders sind
  • usw. usf.

Das alles hat keinen Respekt mehr vor den anderen Menschen als Grundlage. Da wird oft unreflektiert drauf gehauen, ohne Rücksicht auf Verluste und ohne Hemmungen.

Ist nur die Anonymität schuld?

Ist daran die Anonymität im Netz schuld? Ich sag mal jein.

Auffallend ist, dass dort wo anonyme Kommunikation möglich ist, die Schwelle zum Trollen eher geringer ist. Daher befürworte ich auch den momentanen Vorstoß von Facebook, die Pflicht durchzusetzen, einen echten Namen anzugeben.

BTW, akzeptiert man diesen Part der AGB während der Registrierung bei Facebook und der soll jetzt mal durchgesetzt werden. Ich kann das momentane Gejammer darüber nur schmunzelnd betrachten. Sich registrieren, gegen die Regeln verstoßen, und dann jammern, wenn die Regeln durchgesetzt werden. Aber den AGB kann man im Zweifelsfall ja immer noch mit einem Schild oder einem Spruchbild widersprechen *gna*. Ich schweife ab…

Aber eine Namenspflicht ist auch nicht die Lösung aller Probleme. Zusätzlich kommt ja noch dazu, das man sich nicht Auge in Auge gegenüber sitzt. Da fällt es schon mal leichter, sich ein wenig daneben zu benehmen, der andere ist ja weit weg.

Und dann das geschriebene Wort, welches keine Mimik besitzt, keine Gefühle rüber bringt bzw. der Empfänger oft nicht in der Lage ist, diese Emotionen aus dem Text heraus zu lesen. Gerade wenn es dann um Texte geht, die Satire oder ein wenig Sarkasmus beinhalten, wird es schwierig. Man schaue sich nur mal die Reaktionen auf einige Artikel des Postillon an, da verspürt man schon mal den Wunsch, von diesem Planeten zu flüchten.

All diese Punkte werden auch in Zukunft immer wieder für Situationen sorgen, wo man sich über das Benehmen einiger Menschen im Netz nur wundern kann.

Und im Real Life?

Durch meine Tätigkeit als Forenadmin hatte ich schon öfters das „Vergnügen“ auch den ein oder anderen Troll mal im echten Leben zu erleben. Da gibt es dann die Typen, die dann richtig handzahm sind, weil sie keinen Arsch in der Hose haben, eine Diskussion direkt Auge in Auge zu führen. Andere sind im realen Leben genau so, wie man sie aus dem Benehmen im Forum eingeschätzt hat. Einen passenden Kraftausdruck verkneife ich mir an dieser Stelle mal.

Ganz wenige Ausnahmen aber, sind eigentlich ganz nette Typen, die einfach nur ein Problem damit haben, sich in schriftlicher Form konstruktiv zu äußern und dann wie eine Axt im Walde durch das Netz ziehen. Diese sind aber leider die Ausnahme.

Ich bei einigen Kommentaren im Blog oder bei verschiedenen Beiträgen in Foren und anderen Bereichen immer das Bild vor Augen, wie da ein völlig frustrierter Mensch sitzt, alleine in seiner 1,5 Zimmer Wohnung, vor einem 15″ Röhrenmonitor uns seine abstrusen Gedanken und Meinungen in die Welt hinein schreibt in der Hoffnung, ein wenig Streit vom Zaun zu brechen um dadurch beachtet zu werden. Eigentlich traurig und vermutlich ist auch dieser Gedanke Respektlos und weit von der Realität entfernt. Aber es hilft mir, die wichtigste Regel umzusetzen: „Don’t feed the trolls

Dann gibt es ja noch die Generation „Digga“, „Gangsta“, welche in meinem persönlichen Umfeld eher nicht auftaucht. Da würde ich das auch nicht so eng sehen. Ich war früher auch ein wenig nervig, mit 15 oder so – gut das es da noch kein Internet gab. In unseren Foren habe ich gelernt, das es sehr wohl passieren kann, dass so ein Minigangstarapper den Dreh bekommt und irgendwann mal erwachsen und vernünftig wird. Bei dem einen geht das schneller, ein anderer braucht ein wenig länger, wenige schaffen es nie.

Dabei merkt man ab und zu, das es wohl doch einige Eltern gibt, die mit der Vermittlung von Werten ein Defizit haben. Aber dieses Problem ist auch nicht neu, früher wurden die Kids dann Punk, Popper oder noch früher Elvis-Fan und revolutionierten so vor sich hin.

Besserer Umgang möglich?

Ich persönlich denke, wenn beide Seiten einen gewissen Respekt für ihr Gegenüber zeigen, dann ist sowohl im Netz als auch im echten Leben ein vernünftiges Miteinander möglich. Jeder Mensch hat seine „Macke“ oder Schwächen, jeder hat seine Meinung und das ist gut so, sonst wäre das Leben doch stinklangweilig.

Es gibt natürlich die Hardcoretrolle, welche irgendwann nur noch nerven. In meinen Foren, meinen Blogs fliegen die dann irgendwann in den Filter oder raus und gut ist. In den Social Medias kann ich die ignorieren und muss meine Lebenszeit nicht mit denen verschwenden.

Wie seht ihr das Thema? Meinungen und Kommentare sind wie immer ausdrücklich erwünscht.

Wir zwei beiden im Arches NationalparkNeu hier im Blog? Dann schau doch mal wer wir sind oder was wir auf diesem Blog anbieten.

Ganz besonders ans Herz legen möchte wir die Reiseberichte unserer Rundreisen, unsere Reisetipps und die Fototipps für schönere Urlaubsbilder. 

Über Kommentare freuen wir uns ebenso, wie über Likes und Shares auf den Sozialen Medien.

Der Beitrag gefällt Dir? Dann teile ihn doch...

Hinterlasse einen Kommentar

9 Kommentare

  • Hallo Thomas, ein Beitrag, den ich so unterschreiben könnte. Ich denke, hat man den Respekt dem anderen Menschen gegenüber, dann wird es einfach höflicher, und viele verstecken sich scheinbar hinter einen anonymen Nick. Da würde auch ein Klarnamenzwang kaum helfen, denn auch der könnte ja fiktiv sein (rein theoretisch). Ich finds (a pros pos Klarnnamen) unhöflich in Blogs nicht mit Namen zu posten. Das sollte sich mittlerweile eigentlich herum gesprochen haben. Sollte. Im Blog habe ich auch eher gute Erfahrungen. In Foren tummeln sie sich gerne scghon mal. Die Nörgler, Flamer und Trolle. Da heißt es konsequent zu sein. Schnell ist ein Board zerstört, wenn man da bei Bedarf nicht angemessen reagiert. HG Hans

    • Moin Hans,

      ein Problem, welches viele Forenbereiber haben ist, das sie nicht konsequent sind und dann wird ihnen ihr Forum kaputt getrollt. Keine lange Diskussionen, raus mit so einem Vogel. Natürlich wird es immer Leute geben, die dem dann zur Seite springen. Aber, das muß man hin nehmen und ggf. verlassen die dann auch aus Protest das Forum – but, who cares?

      LG Thomas

  • Hallo Thomas,
    eine gute Auseinandersetzung mit dem Thema. Eigentlich sollte es ja selbstverständlich sein, dass man sich online und offline seinem Gegenüber immer respektvoll verhält. Durch die Digitalisierung hat sich in der Kommunikation schon einiges geändert. Eine Netiquette finde ich wichtig, nur die Durchsetzung ist nicht immer einfach.
    Viele Grüße
    Claudia

  • Regeln des Respekt sollten eigentlich überflüssig sein. Ich denke, dass es im Internet den Leuten leichter fällt, eine Meinung zu äußern – wie auch immer geartet. Viele Menschen lesen die Artikel, viel mehr, als man im wirklichen Leben trifft. Der, dessen Meinung der Artikel trifft, verhält sich ruhig. Der, der sich zum Widerspruch angestachelt fühlt, schreibt einen Kommentar. Das ist wie im Reisebüro: War die Reise gut, dann kann man froh sein, wenn der Kunde das mal erzählt, war etwas nicht ganz so wie der Kunde das erwartete, dann bekommt man seine Beschwerde mit Sicherheit auf den Tisch.
    Ich tu mich auch immer schwer mit positiven Kommentaren. Meistens fällt mir nichts Intelligentes dazu ein. Doch wenn ich anderer Meinung bin, dann kann ich ganze Romane schreiben als Kommentar. Aber ich bemühe mich, sachlich zu bleiben.Auf Zeitungswebsites mag ich gar nicht kommentieren, weil da so viele unsachliche oder gar bösartige Kommentare sind. Da mag ich mich nicht einreihen.
    Danke, dass Du mich mal wieder zum Nachdenken gebracht hast! LG Ulrike
    p.s.: Magst Du Deinen Artikel noch mal Korrektur lesen? Da sind einige Tippfehler drin. 😉

    • Ich kommentiere auf den Zeitungswebseiten auch nicht mehr. Ab und zu lese ich mir die Kommentare da mal durch und kann meistens nur dauerhaft den Kopf schütteln.

      Über den Text, geh ich gleich noch mal rüber, Danke für den Hinweis.

      LG Thomas

  • Hallo Thomas,
    Dein Bild mit dem frustrierten Menschen ist gut. Vielleicht ist es wirklich oft so: Menschen, die im realen Leben nichts zu sagen haben und einsam sind, wollen im Internet mitreden. Da sie aber nicht wissen, wie das geht, kriegen sie zwar Aufmerksamkeit, aber auch irgendwie nur die, wie vielleicht früher in der Schule, wenn sie gestört haben. Anders haben sie es leider nie gelernt.
    Dir noch ein schönes Wochenende

  • Hallo Thomas,

    ich finde, dass man durch das gute Benehmen schon ein bisschen weiterkommen kann und beim Netzwerken wird es dringend gebraucht. So kann man besser miteinander kooperieren und gemeinsame Projekte starten.

    Bisher versuchte ich nett und freundlich zu sein und manchmal übe ich konstruktive Kritik aus, wenn ich auf den neuen Blogs kommentiere und Verbesserungsvorschläge habe.

    Als Blogger geht es auch um die eigene Reputation und da kann man es sich wohl nicht leisten, irgendwo herumzutrollen und allzu sehr schlecht zu benehmen. Das hinterlässt schon so seine Spuren. Das sollte man vermeiden.

  • Jaja… das Benehmen im Internet…
    Manche merken auch nicht, dass jeder mitbekommt, wie man sich im Netz verhält. Grade von jüngeren Nutzern werden oft Diskussionen geführt, wo man sich doch fragt, ob sie das gleiche laut über den Schulhof brüllen würden?
    Selbst wenn ich jemanden kritisieren möchte achte ich sehr darauf, dass positiv zu formulieren – man will ja nicht falsch rüber kommen oder angegriffen werden 😉

    Liebe Grüße,
    Annika

%d Bloggern gefällt das: