Ein Knigge für Zoo-Fotografen? Hinweise für den Umgang mit Menschen (und Tieren), Tipps für richtige Umgangsformen und Hinweise für unerwünschte Verhaltensformen? Ist so was nötig, muss so ein Beitrag geschrieben werden?

Ja, es wird Zeit. Denn im Laufe der Jahre haben wir so viele Dinge ins Zoos gesehen, die uns erschüttert haben.

Dabei lassen wir die Dinge, die wir von normalen Besuchern gesehen haben, mal ganz außen vor, obwohl es hier eine große Schnittmenge beim Verhalten gibt. Alle nachfolgenden Punkte beziehen sich ausdrücklich darauf, was wir bei ambitionierten Tierfotografen gesehen haben.

Knigge für Zoo-Fotografen? Muss das sein?

Zoo-Fotografen sind doch tierliebende Menschen, welche sich immer zum Wohle der Zoos und seiner Mitbewohner verhalten. Bei den meisten Zoo-Fotografen ist das auch so. Leider treffen wir aber immer wieder auf einzelne Fotografen, bei deren Verhalten man nur die Hände über den Kopf zusammenschlagen kann.

Wir wollen hier sicher nicht den Oberlehrer raushängen lassen. Aber vielleicht schaffen wir es, den ein oder anderen übermotivierten Zoo-Fotografen mal zum Nachdenken anzuregen.

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Knigge für Zoo-Fotografen

Müll gehört in die Mülleimer

Fangen wir mit einem Basic an, was aber leider notwendig ist. Müll gehört in Mülleimer und die gibt es in jedem Zoo sehr zahlreich. Da muss man die Müsli-Packung mal drei Meter fuffzig weit tragen.

Auch Zigaretten-Kippen müssen nicht auf dem Boden entsorgt werden. Wir sind selber Raucher, von uns werdet ihr keine Kippe auf dem Boden eines Zoos entdecken. Einfach ausmachen und dann im Müll entsorgen, das kann doch nicht so schwer sein.

Macht Platz für andere Besucher

Es gibt viele Gründe dafür, einen Zoo zu betreiben. Wissenschaftliche Arbeit, Bildungsauftrag und Arterhaltung sind ein paar Beispiele dafür. Ein Zoo wird aber nicht betrieben, um in erster Linie irgendwelchen Zoo-Fotografen schöne Fotos zu ermöglichen. Auch wenn man hart gesottener Zoo-Fotograf es sich kaum vorstellen kann, wir sind nur eine kleine, sehr kleiner Minderheit der Zoobesucher.

Daher haben Zoo-Fotografen auch kein Anrecht auf die erste Reihe an einem Gehege oder einen besonders schönen Fotopunkt im Zoo. Andere Besucher, insbesondere auch Kinder, dürfen ebenfalls dort stehen.

Blockiert also nicht dauerhaft die schönsten Stellen, auch nicht mit Euren Handkarren voller Ausrüstung. Andere dürfen auch mal dort stehen und mit den riesigen Teleobjektiven können wir Zoo-Fotografen auch aus der zweiten oder dritten Reihe schöne Fotos machen.

Nicht an Scheiben klopfen oder an Gittern rütteln

Es wird nicht an Scheiben geklopft oder an Gittern gerüttelt, um die Aufmerksamkeit der Tiere auf sich zu ziehen. Das klappt in der Regel sowieso nicht.

Und ja, dass muss in einem Beitrag für Zoo-Fotografen erwähnt werden. Man kann es kaum glauben, aber es kommt einfach viel zu häufig vor.

Gitter – ein Ärgernis, welches man hinnehmen muss

Gitter sind oft doof zum fotografieren. Das gilt ganz besonders für helle, spiegelnde Gitter oder wenn man nicht nah genug ran kommt, um es per Blendeneinstellung auszublenden.

Dumme Ideen, in Verbindung mit Gittern sind dann folgende: Die Kamera durch das Gitter stecken (ganz besonders bei Raubtieren (ja, das müssen wir erwähnen)), Gitter auseinander zu biegen oder über Abgrenzungen zu klettern um näher an das Gitter heran zu kommen.

Zoo Apenheul 06-2019,

Nichts in die Gehege werfen!

Glaubt uns, als wir das gesehen haben, sind wir fast vom Glauben abgefallen. Da wurden Steinchen in Bärengehege geworfen um dort eine Bärin zur Bewegung zu animieren. Und das nicht von irgendwelchen kleinen, verzogenen Kindern. Nein, erwachsene Menschen, mit tausenden von Euro schweren Fotoausrüstungen um den Hals.

Vermutlich stehen die auch darauf, mit Steinchen beworfen zu werden, wenn sie zu Hause im Garten in der Hängematte liegen. Nun, der Nachbar will halt schöne Fotos machen.

Die Tiere wollen gelegentlich mal ihre Ruhe haben. Moderne Zoos bieten daher, Gott sei Dank, genug Möglichkeiten, dass die Tiere sich mal zurückziehen können und dann nur teilweise oder gar nicht zu sehen sind. Dann ist das halt so. Kommt später wieder oder geht mal ohne ein Foto von Tier X nach Hause. Die Welt dreht sich dann weiter.

Tiere nicht füttern – wo es nicht ausdrücklich erlaubt ist

Tiere in Zoos werden nicht gefüttert, außer in Bereichen, wo es ausdrücklich erlaubt ist. Und dort wird auch nur das Futter verwendet, was man dort im Zoo kaufen kann.

Nein, Gummibärchen sind nicht dafür gedacht, in einem Safari-Park Nashörner näher ans Auto zu locken. Genauso wenig sind Chips dafür geeignet, Affen im Freigehege näher ran zu locken. Ja, auch diese beiden Hinweise haben ihre Begründung in eigenen Beobachtungen.

Ihr habt kein Anrecht darauf erworben, alle Tiere immer zu sehen

Nein, mit der Entrichtung des Eintrittsgeldes habt Ihr kein Recht erworben, immer alle Tiere in perfekter Pose zu sehen.

Auch hier ist es verwunderlich, dass man das einigen (wenigen) erfahrenen Zoo-Fotografen erzählen muss. Man sollte doch froh sein, dass die Zeit der engen, kleinen Gehege vorbei ist, dass die Tiere auch ihre Rückzugsorte haben wo sie mal ihre Ruhe haben.

Nein, es wird geflucht wie ein Hafenarbeiter, dass Tier XY nicht in feinstem Licht zu fotografieren ist – da ist manchmal Fremdschämen angesagt. Meine Güte, dann halt beim nächsten Besuch wieder. Gerade wir Zoo-Fotografen, die fast jede Woche in irgendeinen Zoo rennen, können den Verlust eines Bildes von Tier XY sicherlich irgendwie verschmerzen, oder?

Autofenster im Safari-Park bleiben geschlossen

Safari-Parks, die man selber mit dem Auto durchfahren kann, bieten oft tolle Eindrücke, hautnah zu den Tieren. Auf vielen Routen durch diese Parks fährt man durch Gehege, wo Raubtiere leben. Bären, Löwen, Tiger und andere Tiere, die in Euch allenfalls ein Mittagessen sehen.

In diesen Bereichen bleiben die Fenster und Türen am Auto geschlossen. Ja, es ist teilweise mühsam, im Auto mit geschlossenem Fenster und dem langen Teleobjektiv zu fotografieren. Mit ein wenig Übung geht das aber prima. Und vorher die Scheiben putzen, ist auch keine schlechte Idee.

Auf jeden Fall eine bessere Idee, als im Tigerbereich die Linsen raus zu halten und dann noch diskutieren, wenn der Ranger einen aus seinem Jeep heraus zusammenstaucht. Wisst Ihr warum der das macht? Der hat keine Lust die Sauerei aufzuwischen. Und schlechte Presse für den Park gibt es auch noch.

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Nicht Blitzen!

Im Zoo wird nicht geblitzt. Punkt. Aus.

Ja, am Wochenende ist es voll im Zoo!

Oft, sehr oft hören wir, gerade von gestandenen Zoo-Fotografen, das Gejammer über volle Zoos am Wochenende. Oft mit einem überraschtem Unterton, als wenn das jetzt verwunderlich wäre.

Ja, am Wochenende ist es voll im Zoo. Denn wie oben geschrieben, Zoos sind für alle Menschen da und dienen nicht der Belustigung von ein paar Fotografen. Und die Mehrheit der Menschen hat oft nur am Wochenende Zeit für einen schönen Zoobesuch.

Wenn Euch das stört, dann geht unter der Woche in die Zoos. Nachmittags nach der Arbeit, vormittags vor der Spätschicht, dann ist es wunderbar leer. Auch am Wochenende, früh am Morgen, ist es oft noch angenehm leer in den Zoos.

„Normale Fotograf:innen sind keine Belustigungsobjekte

Wenn der Papa oder die Mama mit 50mm im Zoo fotografiert, dann können da trotzdem sehr schöne Fotos bei raus kommen. Das gilt auch für Smartphone-Fotos. Wer das nicht glaubt, der kann mal bei Melli in Lehre gehen.

Im Atlanta Aquarium - iPhone 7 - Bearbeitung in Lightroom Mobile

Im Atlanta Aquarium – mit dem iPhone gemacht

Daher gibt es überhaupt keinen Grund, sich über diese normalen Menschen lustig zu machen. Nicht jeder macht jede Woche das perfekte Tierfoto und investiert dafür tausende Euro in die Ausrüstung. Da geht es doch einfach um ein paar schöne Erinnerungen an einen, hoffentlich gelungenen, Zoobesuch.

Und wenn einem grobe Fehler beim fotografieren auffallen, wenn so ein „Normalo“ neben einem steht, einfach ansprechen und freundlich zwei, drei Tipps geben (ohne den Oberlehrer raushängen zu lassen). Aus eigener Erfahrung, die meisten sind dann sehr, sehr dankbar. Viele wissen z.B. gar nicht, das und wie sie den Blitz an ihrer Kamera ausschalten können.

Fazit: Mehr Respekt vor den Zoos, den anderen Besuchern und den Tieren

Wie gesagt, von den Zoo-Fotografen sieht man die oben genannten Unsitten relativ selber, man sieht sie aber. Hier wünschen wir uns einfach mehr Respekt gegenüber den Zoos, der anderen Besucher und der Tiere.

Für viele normale Besucher in den Zoos sind wir mit unseren riesigen Kameras und Objektiven so was wie „Profi-Zoobesucher“.

Eigentlich sollten deshalb mit gutem Beispiel vorangehen und den Gelegenheitsbesuchern im Zoo zeigen, wie es richtig geht. Denn gerade das Klopfen an Scheiben oder das Werfen von Gegenständen in Gehege sieht man von vielen anderen Besuchern viel zu oft. Wenn „wir“ das dann noch vormachen, fühlen diese Menschen sich noch bestätigt.

Disclaimer vorab: Sollte sich nun irgendein Zoo-Fotograf angegriffen fühlen, dann können wir nur mit dem Schuh kommen, der offensichtlich passt. Wenn dem so ist, dann hoffen wir, dass wir ein wenig zum Nachdenken angeregt haben. Auch wenn es sicherlich Ausnahmen sind, all diese Dinge oben haben wir selbst gesehen und erlebt.

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