Olmenser Zoo in Belgien

Von |2018-11-21T16:07:48+00:0013.10.2018|Zooberichte Europa|4 Kommentare

Zuletzt aktualisiert am 21. November 2018 um 16:07

Wir waren mal in einem belgischen Zoo, in Olmense Zoo. Aber wir müssen vor dem Schreiben des Berichtes erstmal tief Luft holen. Wer uns und unsere Berichte kennt, weiß, dass wir in Sachen Zoo schnell zu begeistern sind. Viele Zoos haben in den letzten Monaten und Jahren von uns richtig gute Kritiken bekommen, wir konnten diese alle empfehlen. Natürlich, gerade in älteren Zoos findet man auch immer Dinge, die noch verbessert werden könnten. Wir wissen auch, dass viele Zoos sehr große Geldsorgen haben – da geht das alles nicht von Heute auf Morgen.

Aber die Eindrücke, die wir aus Olmen mitgebracht haben – die mussten wir erstmal verdauen. Vielleicht sind wir durch die vielen tollen Zoos, die wir in den letzten 4 Jahren besucht haben, auch ein wenig verwöhnt, das mag durchaus sein. Wenn es aber nur so Zoos wie den in Olmen geben würde, wären wir strikt gegen die Zoohaltung und würden unsere komplette Haltung dazu überdenken.

Eindrücke aus dem Olmenser Zoo

Aber der Reihe nach. Der Gesamteindruck im Zoo wird geprägt von extrem vielen Gittern und total dreckigen Glasscheiben. Überhaupt macht der Zoo einen Eindruck, den man wohl mit Renovierungsstau am besten beschreiben kann. Auch die Wege könnten mal vom Laub (nicht so schlimm) und Müll (das ist schlimm) befreit werden – obwohl die vielen Bäume im Zoo und das Gefühl, man ist in einem Wald unterwegs, noch das Positivste war.

Für die Haltung von Tieren im Zoo gibt es sicherlich Vorschriften, die noch sicherer in der EU gelten. Wir als Laien maßen es uns nicht an darüber zu urteilen, was nun art- oder tiergerecht ist. Wir sind uns sicher, dass der Olmenser Zoo die nötigen Vorschriften einhält. Unser persönlicher Eindruck war aber, dass es schon viele Tiere auf wenig Platz gab. Vielleicht tun wir den Zoo damit unrecht oder sind von den riesigen Anlagen in anderen Zoos zu verwöhnt. 

Gehege für die Löwen

Gehege für die Löwen

Auf dem Bild oben sieht man die zwei getrennten Gehege, in denen insgesamt 7 Löwen leben. Von der Tiefe der Gehege steht den Tieren rechts vom Foto nochmals die gleiche Fläche zur Verfügung. Das ist es dann aber auch gewesen – mehr Platz hatten die nicht. 

Auf dem Bild sieht man noch einen weiteren Kritikpunkt. Den Tieren ist es vermutlich vollkommen egal, ob die auf eine hübsche Wand schauen, auf einen Bretterzaun, auf Wellblech oder eine Wand, die dringend mal wieder einen Anstrich bräuchte. Mich als Besucher stört sowas aber schon, weil der ganze Zoo einen solchen Eindruck macht. Und für das stolze Eintrittsgeld von 21 EUR möchte mein Auge auch was schönes sehen. Es muss nicht perfekt durch thematisiert sein, wie man es in einigen Zoos findet. Aber ein wenig was fürs Auge freut auch den Besucher. Mehr Platz für die Tiere hätte aber die größere Priorität.

Viele kleine Gehege waren auch leer und komplett verwildert. Wenn die denn dann renoviert werden, soll es nur recht sein. Die einzigen Gehege, die uns gefallen haben, waren teilweise die Affeninseln und das Bärengehege.

Das „Reptilienhaus“ war ein Gang in einem Gebäude – wo auch die Terrarien dringend mal einer Reinigung bedurften, ganz besonders auch bei den Scheiben.

Das Tropenhaus war alles andere als tropisch, obwohl die Sonne darauf stand. Daraus resultierend waren viele der tropischen Pflanzen eingegangen. Rund um das Tropenhaus sind zahlreiche Volieren angebaut. Diese waren von der Größe her so, wie wir das aus anderen Zoos auch kennen.

So sahen die Wände in vielen Volieren aus

So sahen die Wände in vielen Volieren aus

Allerdings haben die Vögel die Nebenwirkung, dass die überall hin kacken. Das könnte man gelegentlich auch mal weg machen. Die Wände in den Volieren sahen fürchterlich aus – sowas haben wir noch in keiner Vogelanlage gesehen.

Volieren im Tropenhaus

Volieren im Tropenhaus

Der Gipfel waren aber sicherlich die Volieren im Tropenhaus. In diesen Volieren saßen tropische Vögel ohne (!!!) direktes Tageslicht. Das Licht kam nur indirekt über das Dach des Tropenhauses in die Volieren, so dass die Vögel mehr oder weniger in dunklen Löchern saßen. Viele der Volieren hatten auch keinen Zugang zu einem Außengehege. Kurz, das sah aus wie in Alcatraz. Der bauliche Zustand der Volieren, kann auf dem obigen Bild ebenfalls geahnt werden, neben der ganzen Vogelscheiße auf den Metallrahmen.

Es gibt auch eine große begehbare Voliere, wo wie die Vögel erstmal suchen mussten. Die waren alle in einem Teil der Voliere versammelt. Kein wunder, denn im ersten Teil war der Lärm einer Pumpe, die einen künstlichen Wasserfall (mit sichtbaren Rohren) versorgte, nicht gerade sehr einladend.

Gehege für 2 ausgewachsene Pumas

Gehege für 2 ausgewachsene Pumas (die sind auch zu sehen)

Zwei Erdmännchen Gehege gibt es auch. In einem der beiden Gehege lebte aber nur ein Erdmännchen – eines (!) bei einem Rudeltier? Der kleine Kerl kam zu jedem Besucher gelaufen und wollte sozialen Kontakt aufbauen. *tiefdurchatme* Und so ganz nebenbei, in dem Gehege lag Müll von den Besuchern. Mal abgesehen davon, dass Besucher die Müll in ein Tiergehege werfen, bei uns lebenslanges Hausverbot in allen Zoos bekommen würden – das kann man auch mal weg machen. Teilweise war das Papier schon halb verwittert, das lag also nicht erst ein paar Stunden dort um.

Inzwischen haben wir recherchiert, dass der Zoo im Jahr 2017 mal für etwas über einen Monat seine Zulassung verloren hatte. Angeblich haben die einen neuen Masterplan für die Modernisierung des Zoos vorgelegt. Es wäre zu Wünschen, besonders für die Tiere, wenn dieser auch umgesetzt würde.

Puh – das musste so mal raus. Wir sind wirklich Pro-Zoohaltung, wir haben endlose Diskussionen darüber mit Zoo Gegnern geführt. Eines unserer Hauptargumente war, dass sich die Zoohaltung in Europa vorbildlich verändert hat bzw. die Zoos auf einem guten Weg sind. Die Eindrücke aus Olmen zerstören aber alle diese Argumente. Wie gesagt, wir kennen die Vorschriften zur artgerechten Haltung nicht. Daher maßen wir uns kein Urteil zu den Gehegegrößen an. Aber was Sauberkeit, Hygiene angeht, so haben wir Augen im Kopf und vor allem eine Nase. Und der Vergleich mit den vielen tollen Zoos, die wir kennen, muss ein Zoo halt aushalten. 

Wir loben Zoos sonst gerne und viel – wie stehen auch weiter hinter der Idee Zoo. Aber so negative Dinge muss man einfach ansprechen dürfen. Wir wollen damit dem Zoo nichts Schlechtes. Aber vielleicht würden mehr solche Berichte den Zoo dazu bringen, die Zustände zu verbessern. Mal ganz abgesehen davon, dass jedes Lob hier unsere Glaubwürdigkeit ruinieren würde.

Tierfotos aus dem Olmenser Zoo

Ein paar Tierfotos haben wir auch noch mitgebracht. Die armen Tiere können ja nichts dafür. Beim Gang durch den Zoo machten die Tiere einen recht guten Eindruck auf uns. Jetzt, beim Durchsehen der Bilder,  kommen aber doch ein paar Zweifel auf. Ob speichelnde Geparden, kahle Stellen am Puma-Kinn, gerötete und trändende Bärenaugen jetzt ein Problem sind, überlassen wir in der Beurteilung lieber Veterinär-Medizinern. Gesehen haben wir selber sowas aber noch nicht, bei unseren Zoobesuchen.

Viele Fotos haben wir aber nicht mitgebracht. Daher gibt es auch hier nur recht wenige Bilder zu sehen, für unsere Verhältnisse. Aber erstens war es teilweise schwierig zu fotografieren, durch die dreckigen Scheiben und die dicken Gitter. Das ist aber noch nichts, was wir an einem Zoo kritisieren. Zoos sollen für die Tiere da sein, nicht für Fotografen.

Der zweite Grund warum es so wenige Bilder sind, uns ist teilweise einfach die Lust am Fotografieren vergangen. So waren wir auch nach knapp 2,5 Stunden wieder raus aus dem Zoo.

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An dieser Stelle folgt bei allen anderen Zooberichten auf unserer Seite eine Box mit Tipps und Informationen zum besuchten Zoo. Bei diesem Bericht klemmen wir uns das. Wie gesagt, uns liegt es fern, einen Zoo zerreissen zu wollen. Auch schreiben wir nur unsere persönlichen Eindrücke nieder. Die fachliche Beurteilung überlassen wir dabei Fachleuten. Aber, wir haben den Vergleich zu über 30 besuchten Zoos in den letzten vier Jahren, daher maßen wir uns schon an, uns eine Meinung über den Zoo im Ganzen und speziell der Bereiche für die Menschen zu  haben.

Edit 14.10.2018: Wir haben inzwischen einige Reaktionen auf den Artikel bekommen. Einige bestätigen unsere Eindrücke, andere haben in dem Zoo andere Erfahrungen gemacht, ohne zu erwähnen, wann sie denn dort waren. Es kann natürlich sein, dass es dort nicht immer so aussieht. Wir können nur die Eindrücke von unserem Besuch beschreiben. Allerdings sind tropische Vögel ohne Tageslicht wohl kaum ein zeitlich begrenztes Phänomen. Und auch die vollgekoteten Volieren treten eher nicht über Nacht auf, so viel kacken die Vögel auch nicht.

Das schlimmste Argument war aber: Woanders sieht es noch viel schlimmer aus. Jo, das ist schlimm – und nun? Soll uns das über die Eindrücke als Olmen hinweg trösten oder sollen wir anfangen, die sogar positiv zu sehen, nur weil es „woanders“ noch schlimmer ist? Das kann es doch wohl nicht sein.

Erstaunlich ist, dass viel Gegenwind aus der Ecke von angeblichen Tier- und Zoofreunden kommt. Offensichtlich kommt Kritik dort nur so mittelmäßig an. Nun, dann ist das halt so – wir werden auf jeden Fall weiter auch negative Dinge ansprechen. Und dafür machen wir uns ein eigenes Bild von den entsprechenden Zoos und Einrichtungen

Jetzt ist Eure Meinung gefragt. Sollen wir in Zukunft auch über solche Erfahrungen berichten, die eher ins Negative abdriften? Oder kennt ihr den Zoo und findet unser Urteil zu hart? Lasst uns dazu unbedingt einen Kommentar hier.

4 Kommentare

  1. Ulrike 13. Oktober 2018 um 18:34 Uhr - Antworten

    Hallo! Ich finde es sehr gut und richtig, dass Ihr auch über solche negativen Erfahrungen schreibt. Nur habe ich manchmal den Eindruck, als wolltet Ihr Euch für Eure Kritik entschuldigen. Das ist nicht nötig!
    Ich bin schier entsetzt, dass ein solcher Zoo in einem Land wie Belgien überhaupt noch möglich ist- Eure Beschreibung der Tierhaltung liest sich schlimmer, als das was ich aus chinesischen Zoos kenne.
    Macht weiter so!
    LG
    Ulrike

    • Thomas Jansen 14. Oktober 2018 um 9:40 Uhr - Antworten

      Hi Ulrike,

      ne, entschuldigen wollen wir uns damit nicht. Da ich persönlich aber immer versuche das Gute in Menschen und Dingen zu sehen, auch kleinere Bemühungen gerne honoriere, suche ich vielleicht verzweifelt den Punkt, den ich übersehen habe.

      LG Thomas

  2. Katrin 14. Oktober 2018 um 11:14 Uhr - Antworten

    Ich bin sonst wirklich kein fleißiger Kommentierer, aber hier kann ich einfach nicht anders: Ich bin entsetzt. Es zerreißt mir das Herz wenn ich so etwas sehe, mir fehlen schlicht die Worte. Ich finde es gut, dass ihr trotz allem noch versucht ein wenig die Neutralität zu wahren, ich glaube ich könnte das nicht. Und ja, bitte, auch solche negativen Eindrücke möchten geteilt werden. Gerade wenn sie von Menschen kommen, die sonst pro Zoo sind, sind diese besonders wertvoll. Danke dafür.

  3. Marcus 20. Oktober 2018 um 14:46 Uhr - Antworten

    Was ich jetzt über den Zoo gelesen habe, verwundern mich Eure Eindrücke eher weniger.

    In der Regel sind Tierparks Zoos wenn nicht in kommunaler dann doch zumindest in einer Trägergesellschaft, die dann auch entsprechend die finanziellen Mittel aufbringen können.

    Der belgische Zoo scheint in Familienbesitz zu sein. Und die haben im Normalfall bei den Finanzen heftig zu knapsen – und das Ergebnis habt ihr beobachten können.

    Das macht es nicht besser – auf keinen Fall. Das ist eigentlich ein Fall für die belgischen Aufsichtsbehörden

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