Zuletzt aktualisiert am 1. August 2017 um 14:20

In den letzten Tagen habe ich einige Anfragen bekommen, ob ich nicht meinen Photoshop HDR-Workflow mal zeigen könnte. Nun, das möchte ich hier mit machen – es sei aber der Hinweis gegeben, das ich mich selber in dem Gebiet nur als fortgeschrittenen Anfänger sehe. Ich versuche aber trotzdem mal mein Vorgehen zu beschreiben. Zum Einsatz kommen bei diesem Verfahren Photoshop CS6, Bridge und Photomatix Pro. Statt Bridge könnt Ihr auch Lightroom oder einfach den Finder/Dateiexplorer nutzen.

Generell ist die beste Ausgangssituation für ein HDR-Bild eine Serienaufnahme mit verschiedenen Belichtungen. Wenn man diese bereits hat, dann kann man die ersten Schritte des Tutorials überspringen. Dort zeige ich wie man aus einem Einzelbild eine Belichtungsreihe erstellen kann. In dem gezeigten Fall habe ich dummerweise noch nicht einmal mehr die RAW-Datei. Ich habe lediglich ein jpg, welches in meinem Urlaubsbilderordner liegt – also eigentlich die schlechteste Voraussetzung für ein HDR-Bild. Es funktioniert aber aus einer RAW-Belichtungsreihe kann man natürlich viel mehr Fotodetails heraus kitzeln.

Legen wir also los!

1. Belichtungsreihe erstellen

Ausgangsbild ist ein Urlaubsbild aus New Orleans 2010. Was ich persönlich bei HDR-Bildern nicht mag, ist ein strahlend blauer Himmel. Die Wolken, und wenn es nur wenige sind, machen das Bild einfach spannender, meiner Meinung nach. Daher fiel beim durchsehen der Bilder die Wahl auf dieses Bild aus dem French Quarter:

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Aus diesem Bild gilt es nun eine Belichtungsreihe. Daher öffnet das Bild aus Bridge mit Camera Raw:

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Stellt nun die Belichtung auf einen Wert, wo so eben noch Bilddetails zu erkennen sind. Ich habe mal -4,00 gewählt:

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Sucht Euch nun eine recht dunkle Stelle im Bild und zoomt diese auf mindestens 100% heran, 200% gehen auch. Ihr werdet vermutlich ein Rauschen erkennen – selbst bei geringen ISO-Zahlen der Aufnahmen. Dies könnt ihr nun sehr moderat reduzieren. Gerade das Rauschen wird sonst später in den HDR-Bildern zu sehen sein und ggf. stören. Übertreibt es aber nicht.

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Achtet nun darauf, dass am unteren Rand die Farbtiefe auf 16 Bit eingestellt ist. Dann klickt auf „Bild speichern…“ und speichert das Bild unter einem beliebigen Namen in einen Ordner euerer Wahl als TIF (!!!) Datei ab.

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Ändert nun die Belichtung des Bildes auf -2, 0, +2 und +4 und speichert jeweils die aktuelle Stufe ebenfalls als TIF-Datei ab. Danach könnt Ihr Camera Raw über „Abbrechen“ verlassen, nicht auf „Fertig“ klicken – denn dann wird Euer originales JPG verändert.

2. Bearbeitung in Photomatix Pro

Nun haben wir also unsere Belichtungsreihe erstellt. Diesen ersten Schritt kann man sich natürlich schenken, wenn man bereits eine Belichtungsreihe mit der Kamera erstellt hat.

Markiert nun in Bridge die 5 TIF-Dateien und öffnet diese mit Photomatix.

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Photomatix startet nun und es folgen erstmal einige Dialogboxen.

Der erste Dialog fragt ob man die Bilder nur öffnen möchte oder ein HDR erstellen möchte. Ich habe den normalerweise abgeschaltet, für diese Beschreibung hier kur wieder eingeschaltet. Ich will normalerweise nicht gefragt werden, da ich generell ein HDR erstellen möchte wenn ich mit Photomatix arbeite. Klickt hier einfach auf „OK“.

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Im nächten Fenster werden Euch nun noch mal die Dateien angezeigt, welche ihr ausgewählt habt. Ihr könnten hier nun weitere Dateien zufügen oder vorhandene löschen. Klickt hier auch einfach auf „OK“.

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Photomatix untersucht nun die Bilder inkl. der Exif-Daten nach den Belichtungseinstellungen. Normalerweise werden im nachfolgenden Fenster die Werte korrekt dargestellt. Aber gerade bei manuell erstellen Belichtungsreihen kann es auch mal daneben liegen. Wie ihr unten seht haben alle 5 Bilder die gleichen Belichtungszeiten und Blendenwerte. Das kann kann man aber ignorieren – wichtig ist, dass der Belichtungsintervall „2“ korrekt eingestellt ist. Korrigiert das gegebenenfalls und klickt dann auf „OK“.

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Im folgenden Dialog stellen wir nun ein, was Photomatix in der Ververarbeitung alles machen soll. Die Einstellungen bei „Ausgangsbilder“ ausrichten kann man sich bei einer manuellen Belichtungsreihe eigentlich schenken – die Einzelbilder basieren ja alle auf einem Ursprungsbild – da die Ausrichtung aber recht flott geht kann man den Haken auch drinnen lassen.

Das entfernen der Geisterbilder ist schon ein wenig rechenintensiver – daher – bei einer manuellen Belichtungsreige den Haken raus nehmen. Bei fotografierten Reihen muss man schauen… wenn nur tote Steine auf dem Bild sind, dann kann man sich das schenken. Sind aber Menschen oder Bäume auf dem Bild, dann sollte man die Funktion nutzen. Gerade bei Bäumen hat man sonst kleinste Schattenbilder durch Blätter oder Ästen welche sich im Wind minimal bewegt haben.

Die Rauschreduzierung kann man hier auch nochmals drüber laufen lassen. Photomatix geht selbt bei 150% recht behutsam mit dem Rauschen um, so das die Details des Bildes erhalten bleiben.

Die chromatischen Aberrationen sollte man auf jeden Fall reduzieren lassen.

Wenn Ihr die Einstellungen alle gemacht habt, dann klickt auf „Vorverarbeiten“. Es folgen nun verschiedene Arbeitsschritte, welche Euch durch Fortschrittsbalken angezeigt werden.

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Wenn die Berechnungen alle abgeschlossen sind öffnet sich das Bearbeitungsfenster von Photomatix.

Links seht Ihr die Einstellungsmöglichkeiten, womit Ihr die Eigenschaften des Bildes verändern könnt. In der Mitte die Bildansicht und rechts findet Ihr einige Standard-Vorgaben von Photomatix. Da kann man sich mal durch klicken, ob einem da schon was gefällt und dann ggf. links nur noch Details verändern. Ich möchte Euch hier aber meinen Weg zeigen, daher ignorieren wir die Voreinstellungen und wenden uns dem linken Bereich mit den Einstellungen zu.

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Als erstes klickt Ihr unten links am Anfang einmal auf Standard, so sind wir auf dem gleichen Stand der Dinge. Photomatix öffnet eigentlich immer mit den Einstellungen der letzten Bearbeitung – durch den Klick auf Standard hat man wieder einen definierten Ausgangszustand.

Was mache ich nun mit meinen Bildern.

Ich arbeite immer im Verfahren „Tone Mapping“ und nutze als Methode „Details Enhancer“. Die verschiedenen Methoden und Verfahren nun hier zu erklären würde ein klein wenig den Rahmen sprengen.

Als nächstes stelle ich die Stärke auf einen Wert zwischen 95 und 100% ein. Generell könnt Ihr an den Reglern einfach mal ein wenig rumspielen und schauen was passiert.

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Den Effektmodus stelle ich als nächstes ein. Macht dazu das Häkchen bei „Effektmodus“ und schaut dann mal, welche der 5 Einstellungen Euch am besten gefällt. Ich arbeite zu 95% mit „Natürlich“ oder „Natürlich +“, ganz selten mit „Mittel“. Die surrealen Effekte habe ich wohl noch nie genutzt. Diese Bildwirkung entspricht dann gar nicht mehr meinem Geschmack.

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Den Gamma-Wert des Bildes stelle ich danach meisten auf einen Wert zwischen 1,20 und 1,30 ein. Mit dem Gamma-Wert stellt ihr den mittleren Tonwert des Bildes ein. Ihr macht das Bild somit also ingesamt heller oder dunkler. Im Histogramm kann man dabei sehen, das ihr mit dem Wert den „Berg“ nach links und rechts bewegen könnt.

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Jetzt kümmern wir uns im den Weiß- und den Schwarzpunkt. Je weiter ihr die beiden Regler nach rechts verschiebt, desto mehr Kontrast bekommt das Bild. Wenn Ihr es aber übertreibt sehr Ihr im Histogramm wie sich an den Enden Türme bilden, im Foto kommt es dann zu sehr unschönen Tonwertabrissen, ihr solltet das also vermeiden. So ein kleines Türmchen, wie in meinem Screenshot rechts, auf der hellen Seite, kann man aber hin nehmen.

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Als nächstes schiebe ich den Regler „Detailkontrast“ ein wenig nach rechts. Ihr könnt dabei beobachten, wie immer mehr Details im Bild zur Wirkung kommen. Leider wird dabei das Bild auch immer dunkler, daher sollte man parallel ein wenig mit der „Helligkeit“ spielen bis man zu einem guten Kompromiss gekommen ist.

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Mit dem Regler Mikrokontraste glätten kann man nun eigentlich Störungen, z.B. Rauschen, im Bild beseitigen. Nur, wir wollen ja ein sehr detailreiches Bild haben. Also stellen wir den Regler relativ weit nach links. Je weiter man den Schieber nach rechts verschiebt, desto „weicher“ wird das Bild. Eine Einstellung weiter links ist, meiner Meinung nach, die besser Lösung. Nachteil: Ggf. taucht nun im Himmel ein Rauschen auf – ignorieren – das machen wir später in Photoshop wieder weg!

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Der letzte Arbeitsschritt in Photomatix, bei diesem Bild, ist es die Farbtemperatur leicht zu erhöhen. Ich fand, etwas „wärmere“ Farben würden dem Bild gut tun. Das, und auch alle anderen Einstellungen, sind natürlich nur auf meinen persönlichen Geschmack bezogen. Spielt einfach mal mit den Reglern ein wenig rum, das macht Spaß und teilweise bekommt man tolle Ergebnisse.

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Wenn das Bild nun so aussieht, wie ihr es haben wollt, dann klickt unten links auf „Verbeiten“. Photomatix erstellt Euch nun Euer tonemapped HDR Bild.

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Ihr bekommt das Bild nun noch mal als große Ansicht angezeigt. Geht im Programm-Menu auf „Datei-Speichern unter“ und wählt Euch dort einen Dateinamen und einen Speicherort aus. Als Dateiformat wählt Ihr wieder TIF aus.

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 3. Abschliessende Bearbeitung in Photoshop

Geht nun wieder nach Bridge und öffnet dann das HDR-Bild wieder mit Camera Raw.

Hier habe ich nun als erstes die Belichtung des Bildes ganz leicht angehoben – um +0,10. Weiter habe ich den Schwarzwert hier um 33 anghoben. Als Resultat habe ich nun wieder ein etwas helleres Bild – das brauchen wir gleich in Photoshop als Reserve.

Die Klarheit habe ich um 27 angehoben um Details im Bild noch stärker darzustellen. Den Dynamikumfang habe ich um 13 gesenkt und die Sättigung um 4 angehoben. Warum? Weil mir das am besten gefiel. Klickt nun auf „Bild öffnen“ um die Datei an Photoshop zu übergeben.

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Als erstes ist mir in Photoshop dann das Farbrauschen im Himmel aufgefallen.

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Das muss weg. Kopiert also die Bildebene in eine neue Ebene. Wählt dazu den Filter „Rauschen reduzieren“ und schiebt die beiden Regler für das Entrauschen ganz nach rechts. Das komplette Bild wird nun schwammig werden, schön machen wir das dann im nächsten Schritt.

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Geht nun hin und legt auf die Ebene eine ausmaskierte Maske (ALT-Taste und dann auf das Maskensymbol) – aktiviert diese nun (mit der Maus drauf klicken) und wählt einen weißen Pinsel aus. Nun pinselt ihr über den Himmel, so das dort das entrauschte Bild dargestellt wird. Achtet darauf, möglichst keine Gebäudeteile zu erwischen. Ggf. ist nun zu wenig Struktur im Himmel, reduziert dann die Deckkraft der Ebene ein wenig.

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Jetzt ist Showtime… etwas Dramatik soll doch noch ins Bild. Fügt dazu eine neue Einstellungsebene ein, als Graduationskurve – dort wählt Ihr die Einstellung „Mittlerer Kontrast“.

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Wenn Euch das Bild nun zu dunkel ist, dann wiederholt den Vorgang und fügt noch eine Graduationskurve ein – nur diesmal hebt Ihr nur den mittleren Punkt ganz leicht an, dann wird alles wieder einen Ticken heller:

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Wenn Ihr mit dem Ergebnis soweit zufrieden seit, markiert alle Ebenen und erzeugt aus denen eine neue Ebene. Entweder reduziert Ihr alle Ebenen auf die Urpsrungsebene oder, wenn ihr die bisherigen Schritte behalten wollt, erstellt eine neue Ebene aus den 4 vorhandenen (MAC: Shift+ALT+CMD+E).

Die alten Ebenen können nun ausgeblendet werden. Die neue Ebene kopiert Ihr direkt wieder:

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Die neue Ebene schaltet Ihr nun um auf „Multiplizieren“ und zieht ein Auswahlrechteck mit weicher Kante (hier 75Px) am Rand des Bildes auf:

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Drückt nun die Entf/Löschen-Taste und ihr habt eine schöne Vignettierung am Rand es Bildes. Wenn Euch die zu stark ist, dann reduziert einfach die Deckkraft der Ebene. Wenn ihr keinen Rahmen wollt, so könnt Ihr diesen Schritt natürlich einfach weg lassen:

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Zum Ende muss das ganze Bild noch leicht geschärft werden. Erstellt dazu einfach wieder eine Kopie der neu erzeugten Bildeben und legt diese nach oben:

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Wählt nun „Filter->sonstige Filter->Hochpass“ aus. Im darauf folgenden Dialog einen Radius von 1,0 Pixel aus. Generell sollte der Wert so eingestellt sein, das man die zu schärfenden Konturen im Bild noch sehen kann. Klickt dann auf OK – ihr habt nun ein tolles graues Bild.

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Schaltet nun die Ebene auf „Hartes Licht“ um. Das Bild ist nun scharf und zwar hoffnungslos überschärft. Reduziert nun die Deckkraft der Ebene soweit, das keine oder nur noch wenige Schärfungsartefakte zu sehen sind. Bei mir waren das rund 35%. Ihr könntet natürlich auch mit dem üblichen „Unscharf maskieren“ das Bild schärfen, nur – das kann nicht mehr Rückgängig gemacht werden. Bei der Hochpass-Schärfung schmeisse ich zur Not die komplette Ebene raus und alles ist wieder in Ordnung.

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So, und nun noch mal beide Bild nebeneinander: Ausgangsbild und HDR-Bild:

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Fertig!

So, das war nun mein Workflow bei einem HDR-Bild – als Dokumentation. Ich denke aber, jeder muss da durch probieren und testen seinen Weg und seinen Stil finden. Alles ist ja bekanntlich Geschmackssache und gerade bei der Bildbearbeitung gibt es ja, zum Glück, millionen verschiedene Geschmäcker. Achtet einfach auf die Grundregeln der Bildbearbeitung – haltet das Histrogramm im Auge – und lasst Eurer Fantasie freien Lauf!

Und nun viel Spaß beim testen, ich würde mich über Musterbilder sehr freuen – ich kann ja auch nur lernen.

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