Fotokurs Spotter

Flugzeugfotografie Fotokurs Teil 1 – Technische Grundlagen

Spotter in Luxemburg

Willkommen im ersten Teil des Fotokurses für Einsteiger in das Hobby Planespotting. Hier geht es erst mal nur um technische Grundlagen und Begriffe, rund um das Thema Fotografie. Selbstverständlich können auch Nichtspotter hier was lernen, aber der Fokus in diesem Artikel liegt auf den Anforderungen und Besonderheiten, welche beim fotografieren von Flugzeugen zu beachten sind.

Im ersten Teil will ich nun mal die technische Grundlage beleuchten. Welche Kamera und welches Objektiv macht Sinn.

Welche Kamera braucht man zum Spotten?

Es gibt, grob gesagt, drei Arten von Kameras in der digitalen Fotografie, welche zum Spotten in Frage kommen. Natürlich gibt es noch mehr Kamerasysteme,  die lasse ich aber außen vor, da wohl kein Einsteiger gleich einen 5-stelligen Betrag ausgeben möchte. Außerdem beschränke ich mich hier auf die digitale Fotografie.

Bei der Bewertung der Kameratypen muss beachtet werden, das man Motive fotografiert, die recht schnell sind (200-300 km/h) und dabei auch noch weit entfernt sein können.

Also, nun zu den Kameratypen:

Kompaktkamera:

Die Kompaktkamera ist wohl der günstigste Kameratyp. Nur leider, sind die meisten Kompaktkameras nicht wirklich zum Spotten geeignet. Sie sind natürlich schön klein, passen in jede Jackentasche und man kann sie immer dabei haben. Das waren aber, grob gesagt, auch schon alle Vorteile.

Kommen wir also zu den Schwachpunkten:

  • Ein häufiges Problem ist oft die Auslöseverzögerung. Wenn man auf den Auslöser drückt, kann es bis zu einer Sekunde dauern, bis die Kamera scharf gestellt hat und auslöst… da ist der Flieger dann aber schon wieder raus aus dem Bild.
  • Eine weitere Schwäche ist auch oft die mangelnde Brennweite, bei den kleinen Kameras auch Zoom genannt. Diese ist meist nicht ausreichend, um ein Flugzeug bildfüllend zu fotografieren. Ein ggf. angegebener digitaler Zoom kann ignoriert werden, das dieser meist zu einer massiven Verschlechterung der Bildqualität führt.
  • Ein weiterer Nachteil der Kompaktkameras liegt im Bildrauschen. Dieses ist, gerade bei nicht optimalen Lichtbedingungen, oftmals ganz fürchterlich und vermindert die Freude an den Bildern doch erheblich.

Es gibt natürlich auch Kompaktkameras, die sehr hochwertig sind und die genannten Schwachstellen nicht besitzen – nur sind diese dann in einem Preissegment angesiedelt, wo man auch eine der nachfolgenden Kameratypen kaufen kann.

Bridgekamera:

Spotter in Luxemburg

Bridgekameras sind ein Kompromiss zwischen Spiegelreflexkamera und deren Technik und den schwächeren Kompaktkameras. Mir sind einige Spotter bekannt, welche mit Bridgekameras arbeiten und damit wunderbare Bilder machen.

Bridgekameras bieten viel mehr Funktionen und Ausstattungsmerkmale wie Kompaktkameras. So ist es z.B. möglich, manuelle Einstellungen von Blende und Belichtungszeit vorzunehmen, was bei den kleinen Kameras oft nicht geht.

Beim Kauf einer Bridgekamera sollte man auf die angebotene Brennweite achten, diese sollte zwischen 50 und 250mm liegen – optischer Zoom natürlich. Wenn es oben mehr wie 250mm sind, ist das natürlich nicht schlimm.

Im Laden sollte man ausprobieren, wie schnell die Kamera auslöst. D.h. wie lange dauert es, wenn ich auf den Auslöser drücke bis das Bild dann geknipst wird. Am besten auch mal vor dem Laden mit bewegten Objekten probieren.

Spiegelreflex Kamera (DSLR):

Kameras bei einem Spottertreff

Die Spiegelreflexkameras sind natürlich das Optimum für eine Ausrüstung. Der Name rührt daher, das in der Kamera ein Spiegelsystem verbaut ist, welches dem Fotografen im Sucher das echte Bild zeigt. Beim Auslösen der Kamera wird der Spiegel dann hoch geklappt und der dahinter liegende Sensor zeichnet das Bild auf. Dadurch entsteht auch das typische Auslösegeräusch einer Spiegelreflexkamera.

Leider ist diese tolle Technik aber auch eine kleine Schwachstelle. Es handelt sich hierbei nicht mehr um ein geschlossenes System. So kann Schmutz auf den Sensor gelangen, der regelmäßig entfernt werden muß. Weiter ist die Mechanik des Spiegelsystems nicht unendlich haltbar. Beim Kauf einer Kamera achtet bitte drauf, wie viele Auslösungen von den Herstellern garantiert werden. Sollte in dem Rahmen etwas an dem Klappmechanismus kaputt gehen, so wird das kostenlos repariert.

Der Bildsensor ist bei der Spiegelreflexkamera immer größer als bei der Kompakt- oder der Bridgekamera. Das bedeutet schon mal eine Qualitätssteigerung. Es gibt aber zwei verschiedene Bauarten für den Sensor:

  • Kameras mit APS-C Sensor: Dieser Bildsensor ist ein wenig kleiner als ein Vollformat Sensor. Dies führt dazu, dass die Kamera einen kleineren Bildwinkel besitzt und es dadurch zu einer Brennweitenverlängerung kommt. Bei Nikon-Kameras verlängert sich die Brennweite z.B. um den Faktor 1,5, d.h. ein 200mm Objektiv zoomt eigentlich 350mm. Diese Eigenschaft nennt man Crop.
  • Kameras mit Vollvormat Sensor: Seit 2002 gibt es Vollformat Sensoren in einigen digitalen Spiegelreflexkameras. Diese waren anfangs nur in den Profigeräten verbaut, finden aber mittlerweile immer mehr Einzug in die Consumerklasse. Trotzdem ist eine Vollformatkamera meist teurer als ein vergleichbares Modell mit Crop. Allerdings ist auch die Qualität und die Auflösung noch mal eine Klasse besser.

Als Einsteiger in die Materie ist man aber mit einer Crop-Kamera sicher gut beraten. Das „überschüssige“ Geld kann man besser in ein vernünftiges Objektiv investieren und die Brennweitenverlängerung kommt ja gerade dem Spotter sehr entgegen.

Systemkamera (DSLM):

Seit ein paar Jahren entwickeln sich die Systemkameras zu einer sehr guten und beliebten Alternative zu den Spiegelreflex-Kameras.  Je nach Modell und Hersteller stehen sie den DLSR Kameras in nichts nach. Auch hier findet man bei hochwertigen Systemkameras die beiden Sensortypen APS-C und Vollformat. Ebenso sind viele Systemkameras mit Wechselobjektiven ausgestattet, die einem eine Lösung für jede Anforderung bieten.

Der technische Unterschied zur Spiegelreflex ist, das eben das Spiegelsystem fehlt. Die Kameras werden dadurch kompakter und leichter. Auch die mechanische Fehlerquelle, der Klappmechanismus des Spiegels, fehlt. Somit sind die Kameras vermutlich langlebiger. Allerdings muss man dazu erst mal Erfahrungen über eine längere Zeit abwarten.

Mittlerweile sind die Systemkameras so ausgereift, das sie selbst von Profifotografen als Alternative genutzt werden.

Ich selber habe vor ein paar Wochen den Umstieg vollzogen und bin nun nur noch mit einer Systemkamera  unterwegs.

Welcher Hersteller ist denn zu empfehlen?

Das ist jetzt ein Reizthema. Kennt Ihr die Diskussion ob Apple, Linux oder Microsoft besser ist? Willkommen in der Diskussion über den besten Kamerahersteller. Ich sage es mal so… die tun sich alle nichts. Egal ob Nikon, Canon, Olympus und was es noch so alles gibt – in jeder Preisklasse hat jeder Anbieter passende Modelle. Geht einfach in ein Fachgeschäft und testet mal die verschiedenen Kameras. Wie liegen die in der Hand, wie kommt ihr mit der Bedienung klar, usw.

Bei mir fiel damals die Entscheidung Pro-Nikon und Contra-Canon nur wegen der Lage des Ein-/Aus-Schalters. Ehrlich! Den fand ich bei Canon, unten auf der Rückwand doof, bei Nikon war er direkt am Auslöseknopf.

Bei der Systemkamera bin ich bei Sony gelandet. Die Kamera bietet einen Sucher, hat einen APS-C Sensor und bietet einiges an professionellem Zubehör wie z.B. sehr gute Objektive.

Welches Objektiv ist sinnvoll?

Damit sind wir dann auch bei der Frage nach einem passenden Objektiv für die Spiegelreflexkamera. Wenn ihr euch eine Kamera kauf, ist bei einigen Paketen bereits ein Objektiv dabei. Dies sind aber oft einfache Objektive, auch Scherben genannt. Mit denen kommt man als absoluter Einsteiger noch zurecht, aber da wird schnell der Wunsch nach was Besserem aufkommen.

Sigma 50-500 f4.5-5.6 APO DG OS

Nur, das passende Objektiv ist immer ein Kompromiss aus „hätte ich gerne“ und „(Geld) habe ich gerade nicht“. Ein richtig geiles, superdupertolles Objektiv kostet gerne mal einen vierstelligen Betrag.

Schaut einfach, welchen Brennweitenbereich ihr braucht. Als Spotter bewegt man sich häufig im Bereich 50-250mm. Ab und zu braucht man auch mal weniger Brennweite, also unterhalb von 50mm – ein wenig öfter wünscht man sich oben herum 300-500mm Brennweite. Nur, mit jedem Millimeter mehr Zoombereich sinkt auch die Abbildungsqualität eines Objektives. Ein 18-25mm wird eine bessere Darstellung haben, als ein 18-250mm Objektiv. Gerade in den Randbereichen der Brennweiten wird es immer „Schwächen“ geben. Damit kann man aber leben und diese ggf. später in der Bildbearbeitung korrigieren.

Hier mal meine Liste, an Objektiven (für die DSLR) – nicht unbedingt als Kaufberatung, aber als Erfahrungstausch:

  • Nikon 80-200 f2.8 – Mein liebstes Spotterobjektiv – eine super geniale Optik, aber auch nicht ganz preiswert.
  • Sigma 50-500 f4-6.3 OS – Das Objektiv für extreme Fälle. Gerade die Brennweite bis 500mm eröffnet einem zum Teil neue Möglichkeiten. Aber hier muß man auch mit einigen Darstellungsfehlern im Bereich von 450-500 und von 50-70mm rechnen. Kann ich aber mit leben.
  • Sigma 18-250 f3.5-6.3 OS – Mein Urlaubsimmerdrauf-Objektiv. Da ich keine Lust habe, im Urlaub mit mehreren Objektiven durch die Gegend zu rennen habe ich mir vor zwei Jahren diese Linse gegönnt. Sie ist mit Sicherheit nur ein Kompromiss, aber sie macht tolle Urlaubsbilder und ich habe sie auch schon zum Spotten genutzt. Mit Sicherheit ist das ein preiswertes Einsteigermodell um die ersten Bilder zu schiessen.
  • Tamron 28-75 f2.8 – Mein Objektiv für kurze Brennweiten mit relativ hoher Qualität.

Bei der Systemkamera setze ich auf drei Objektive, alle von Sony. Ein Weitwinkel (10-18mm), ein Standardzoom (18-105mm) und ein Telezoom (55-210mm) sind in meinen Fotorucksack gewandert. Zum Spotten bietet sich dabei natürlich das 55-210 förmlich an.

Einige Objektive bringen einen integrierten Bildstabilisator mit. Bei Sigma heißt dieser OS, bei Nikon VR, bei Canon IS und bei Sony OSS. Dieser ist nicht zu verachten. Gerade bei sehr langen Brennweiten hilft diese Technik bei Erstellen von scharfen Bildern, auch wenn die Sonne gerade mal nicht scheint und die Belichtungszeiten länger werden. So wäre z.B. das oben genannte Sigma 50-500 ohne Stabilisator kaum nutzbar.

Ihr seht, der Kauf eines Objektives ist eine schwierige Entscheiden. Das eine alles abdeckende Objektiv gibt es nicht. Die meisten Spotter, die ich kenne, haben mindestens zwei Objektive in der Tasche um für alle Gelegenheiten gerüstet zu sein.

Flugzeugfotografie Kurs – weitere Teile:

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10 Kommentare

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  • Hallo Thomas,
    eine wirklich gelungene Übersicht über die prinzipiellen digitalen Kameratypen. von den speziellen Brennweitenbedürfnissen der Spotter mal abgesehen, für alle am Fotografieren Interessierten nützlich und interessant.
    Viele Grüße
    Ann-Bettina

    • Du hast Recht, Ann-Bettina, so weit sind die Anforderungen von einem Spotter gar nicht von einem… sagen wir mal, Pilzfotografen entfernt. Die Brennweite und die Geschwindigkeit der Motive macht es vielleicht zu etwas Besonderem. Vielleicht noch vergleichbar mit Rennsportaufnahmen.

      LG Thomas

  • Hey Thomas,

    sehr schöner und hilfreicher Beitrag!
    Die Lumix leistet mir jetzt schon seit über sechs Jahren treue Dienst und eigentlich gefallen mir die Bilder von der Kamera immer noch gut. Trotzdem denke ich dass es keine Ewigkeiten mehr dauern wird, bis ich auch in die erste Liga wechsle. Nach Istanbul werde ich die Lumix wohl in Rente schicken. Von daher ist das schon mal ein netter, erste Überblick über die DSLRs.

    LG Johannes

    • Johannes, ich kann mir gar nicht vorstellen, Dich mal ohne Deine Lumix zu sehen. Bitte, selbst wenn Du dir mal eine DSLR kaufst, bringe die gute alte Lumix immer wieder mit zu den Treffen. Wir stellen die dann als Maskottchen auf den Tisch! 😉

      LG Thomas

  • Wir sind regelmäßig am Wochenende mit unserem Knirps am Flughafen bzw. an den drei bis vier Stellen, an denen sich auch die Planespotter tummeln. Ist faszinierend zu sehen, daher danke für diesen schönen Bericht, der mal die andere Seite aufzeigt, die wir sonst immer nur beobachten konnten. 🙂

  • Schon gesehen? Canon hat jetzt die neue 7D Mark II rausgebracht. Die ist echt schnell und macht 10 Bilder in der Sekunde. Also optimal fürs Spotten.

  • Eine schöner Fotokurs. Vielen Dank für die Mühe, die du dir hier machst, um dein Wissen weiterzugeben. Auch wenn die professionelle Fotoausrüstung bei mir noch zu wünschen lässt und ich vielleicht bisher noch nicht ideal ausgestattet bin sehr informativ und lesenswert!

    Einen neuen Stammleser hast du damit gefunden 😉