Flugzeugfotografie Fotokurs Teil 3 – Praktische Beispiele

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  • Bild 7: Zürich im Regen

Flugzeugfotografie Fotokurs Teil 3 – Praktische Beispiele

Im ersten Teil des Fotokurs hatte ich euch ein paar Empfehlungen zum Kamerakauf gegeben. Im zweiten Teil habt ihr die fotografischen Grundlagen gelernt, was ist eine Blende, ISO, Belichtungszeit usw.

Im dritten Fotokurs Teil möchte ich euch nun verschiedene Beispielbilder zeigen und erklären, wie und warum die Kamera in der Situation eingestellt war. Vielleicht hilft euch das bei den ersten eigenen Spotterbildern ein wenig weiter.

Aber vorher noch eine grundlegende Sache. Man kann, ganz grob gesagt, zwei Aufnahmesituationen beschreiben.

Fokussieren – immer mit ziehen?

  1. Fotografieren eines stehenden Flugzeuges
  2. Fotografieren eines bewegten Flugzeuges am Boden oder in der Luft

Das hat eine Auswirkung auf das Fokussieren beim Ablichten der Maschine. Im ersten Fall, dem stehenden Flugzeug, könnt ihr euch in Ruhe einen Fokuspunkt suchen und euer Foto machen. Beim bewegten Motiv ist das ein wenig anders. Generell: Jedes Foto von einem sich bewegenden Flugzeug wird mit gezogen. Das bedeutet, ihr sucht euch eine Stelle am Flieger, auf den ihr euren Fokus ausrichtet und dann bewegt ihr die Kamera so mit dem Flugzeug, dass diese Stelle immer an der gleichen Stelle im Sucher bleibt. Versucht nicht, z.B. eine Stelle auf der Landebahn im Sucher zu halten, und wenn der Flieger durch rollt abzudrücken. Entweder fehlt euch dann vorne oder hinten was am Flieger und scharf wird der niemals werden, er bewegt sich ja schließlich.

Beispielbilder mit Erklärungen

So, nun aber zu den Beispielen hier im Fotokurs. Ich versuche einige verschiedene Lichtsituationen und Brennweitenbereiche zu zeigen. Ein Hinweis noch, alle Bilder sind mit mitten gewichteter Belichtungsmessung aufgenommen, es sei denn es steht was anderes dabei.

1. Beispiel: Sonne – Mittagszeit

Istanbul Mittagssonne

Bild1: Istanbul Mittagssonne

Bild 1: Exif Daten

Bild 1: Exif Daten

Diese Aufnahme ist um 14:13 Uhr in Istanbul entstanden – also im harten, sonnigen Mittagslicht. Man erkennt das schon an den Schatten, die fast senkrecht unter dem Flieger liegen. Leider ist bei dieser Lichtsituation auch die Unterseite des Fliegers meist recht dunkel, wogegen die Oberseite schon fast zur Überbelichtung neigen kann. Das harte Mittagslicht ist eigentlich kein optimales Licht zum fotografieren.

Das Bild wurde mit einer Brennweite von 80mm (135mm Kleinbild) aufgenommen. Dabei hatte ich an der Kamera die Blende 8 gewählt und kam so auf eine Belichtungszeit von 1/1250 Sekunde – das ganze bei ISO 200. Und zwar von vorne bis hinten.

Diese Kombination verspricht auch bei dem beschleunigenden Flugzeug eine knack scharfe Aufnahme.

2. Beispiel: Sonne – Nachmittag

Bild 2: Istanbul - Nachmittag

Bild 2: Istanbul – Nachmittag

Bild 2: Exif-Daten

Bild 2: Exif-Daten

Das zweite Beispiel ist am Nachmittag, gegen 17 Uhr, am gleichen Tag und Ort fotografiert worden. Das Licht kam nun von links, hinten, wie man auch am Schatten sehen kann. Da die Sonne bereits schön tief stand, ist auch die Unterseite des Fliegers schön beleuchtet.

Ich habe bei dieser Aufnahme die Belichtungszeit von 1/100 Sekunde vorgegeben und bei ISO 200 wählte die Kamera dazu eine Blende von 10. Die lange Belichtungszeit habe ich mit Absicht gewählt, da ich gerne einen Mitziehereffekt haben wollte. Das Flugzeug ist scharf und der Vorder- und Hintergrund sind durch das Mitziehen der Kamera unscharf geworden.

3. Beispiel: Sonne – Abenddämmerung

Bild 3: Istanbul - abendliche Dämmerung

Bild 3: Istanbul – abendliche Dämmerung

Bild 3: Exif-Daten

Bild 3: Exif-Daten

Bei diesem Bild ist der Mitzieheffekt noch deutlicher zu sehen. Verantwortlich dafür ist die lange Belichtungszeit von 1/60 Sekunde. Da es mittlerweile recht dunkel war, hat die Kamera eine Blende von 3,2 gewählt.

Ich habe von dieser Szene 5 oder 6 Aufnahmen gemacht, diese eine ist halbwegs vernünftig geworden. Denn bei 100mm Brennweite sind 1/60 Sekunde schon grenzwertig. Aber mit ein wenig üben bekommt man das hin.

Und wenn man dann eine Aufnahme hat, die gelungen ist, erfreut man sich doch sehr an dem schönen Effekt.

4. Beispiel: Bewegtes Flugzeug Nachtaufnahme

Bild 4: Istanbul bei Nacht

Bild 4: Istanbul bei Nacht

Bild 4: Exif-Daten

Bild 4: Exif-Daten

Wir haben in Istanbul noch bis spät am Abend am Airport verbracht, und jetzt weiß ich auch warum. Um ein Bild zu haben, was ich euch nun zeigen kann.

Normale Nachtaufnahmen am Flughafen beschränken sich meist auf stehende Flugzeuge, um genug Belichtungszeit zu haben. Es geht aber auch mit rollenden Fliegern oder beim Start, wie in dieser Aufnahme zu sehen.

Die Belichtungswerte habe ich manuell gesetzt. Blende auf 2,8, also komplett geöffnet, Belichtungszeit 1/60 Sekunde um ein scharfes Bild zu bekommen. Um nun genug Licht auf den Sensor zu bekommen habe ich zusätzlich den ISO Wert auf 1600 erhöht.

Das Ergebnis ist mit Sicherheit nicht perfekt, es rauscht schon arg. Aber für das eigene Fotoalbum ist es allemal ein Hingucker. Und man kann sich ja auch außerhalb von Flugzeugdatenbanken an seinen Bildern erfreuen.

5. Beispiel: Bewölkter Himmel

Bild 5: Istanbul - bewölkter Himmel

Bild 5: Istanbul – bewölkter Himmel

Bild 5: Exif Daten

Bild 5: Exif Daten

Bleiben wir noch ein wenig in Istanbul, so habt ihr schön einen direkten Vergleich bei Auswirkungen der verschiedenen Lichtsituationen.

Am ersten Tag bewölkte sich der Himmel zum Nachmittag. Die Auswirkungen auf die Kamera-Einstellungen, vor allem zum ersten Bild, könnt ihr hier sehen.

Bei gleicher ISO-Einstellung (200) habe ich die Blende ein wenig geöffnet, 5,6 statt 8, und die Belichtungszeit ging dann von 1/1250 auf 1/400 Sekunde rauf. D.h., für die gleiche Fotosituation muß ich länger belichten, da ja weniger Licht vorhanden ist. Als Resultat da raus ist der Hintergrund nicht mehr so scharf, wie auf dem ersten Bild. Das ist aber nicht weiter schlimm, da wir ja den Flieger darstellen wollen und eine Unschärfe im Hintergrund eigentlich sehr schön ist.

6. Beispiel: Regenwetter

Bild 6: Istanbul im Regen

Bild 6: Istanbul im Regen

Bild 6: Exif-Daten

Bild 6: Exif-Daten

Und als wenn das Wetter in Istanbul gewusst hätte, dass ich mal so ein Tutorial hier schreibe, wurde es noch dunkler und fing an zu regnen.

Was habe ich an der Kamera verändert? Nun, weniger Licht, bei gleicher Belichtungszeit (1/60) – also die ISO so weit rauf drehen (800) bis die Kamera eine vernünftige Blende vorschlägt, in diesem Falle Blende 5.

Natürlich leidet die Bildqualität bei dem Wetter schon ein wenig. Aber zum Hotel wollten wir noch nicht, also wurde artig weiter fotografiert, und bei schönem Wetter kann jeder.

7. Beispiel: Regenwetter die zweite

Bild 7: Zürich im Regen

Bild 7: Zürich im Regen

Bild 7: Exif-Daten

Bild 7: Exif-Daten

Apropos Regen! Ich kenne viele Spotter, die gehen nach Hause, wenn Regen kommt. Ich nicht! Gerade bei schlechtem Wetter sind teilweise super Bilder möglich.

Dieses Bild aus Zürich, zum Beispiel. Es ist eines meiner liebsten Spotterbilder. Dabei ist es mit einem recht einfachen Objektiv aufgenommen (Sigma 18-250), welches ich eigentlich nur im Urlaub als „Immerdrauf“ nutze.

Aber, es bot mir die erforderlichen 250mm Brennweite (375mm Kleinbild) und kam somit auf die Kamera. Als Blende hatte ich 8 vorgegeben, zusammen mit ISO 400 und somit kam ich auf 1/1000 Sekunde Belichtungszeit. Und das Ergebnis… nun, ich mag es. Also, spottet auch bei schlechtem Wetter. Viele Bilder werden für die Tonne sein, das ist klar, aber es wird immer einzelne Bilder geben, die sind es dann wert nass geworden zu sein.

8. Beispiel: stehendes und bewegendes Flugzeug

Bild 8: Düsseldorf - stehendes und rollendes Flugzeug

Bild 8: Düsseldorf – stehendes und rollendes Flugzeug

Bild 8: Exif-Daten

Bild 8: Exif-Daten

An diesem Bild möchte ich euch mal zeigen, warum man bei bewegten Objekten immer mit ziehen sollte. Ich habe bei der obigen Aufnahme die TUIfly Maschine im Vordergrund im Visier gehabt. Diese stand in dem Moment an dem Checkpoint 2 in Düsseldorf.

Im Hintergrund rollte gerade die Vueling recht langsam auf dem Taxiway vorbei. Und selbst bei 1/500 Sekunde Belichtungszeit – sie ist unscharf, nur durch ihre eigene, langsame Bewegung.

Daher, wenn sich was bewegt und ihr wollt es fotografieren – folgt der Bewegung mit der Kamera, sonst wird es schwer mit scharfen Bildern.

9. Beispiel: Dynamische Propeller

Bild 9: Warschau - dynamische Propeller

Bild 9: Warschau – dynamische Propeller

Bild 9: Exif-Daten

Bild 9: Exif-Daten

Eine Besonderheit bei der Flugzeugfotografie sind noch Propellermaschinen. Wenn man diese mit den üblichen Werten fotografiert, dann bekommt  man tolle Bilder, die aber eine Schwachstelle haben. Die Propeller sind knackscharf und es sieht aus, als ob diese stehen würden.

Um die Dynamik der Propeller einzufangen muss man an der Belichtungszeit drehen. Eine Faustregel ist, ab 1/160 Sekunde oder länger werden die Propeller dynamisch. Das bedeutet, man sieht die Bewegung im Foto, wie auf dem Beispielbild.

Ich fotografieren beim Spotten fast immer in Zeitautomatikmodus. Dabei wähle ich die Blende und lasse die Kamera die Belichtungszeit steuern. Parallel habe ich die Blendenautomatik immer auf 1/160 Sekunde voreingestellt. So brauch ich, wenn eine Propellermaschine kommt, nur noch von Zeit- auf Blendenautomatik umschalten und kann sofort los fotografieren.

10. Beispiel: Nachtaufnahmen

Bild 10: Düsseldorf Nachtaufnahme

Bild 10: Düsseldorf Nachtaufnahme

Bild 10: Exif-Daten

Bild 10: Exif-Daten

Nachtaufnahmen, das letzte Beispiel, welches ich heute zeigen möchte. Wichtigste Voraussetzung dafür: Ein Stativ, ohne geht das gar nicht. Und zwar ein vernünftiges Stativ, welches nicht schon unter der Last der Kamera ächzt oder bei einem weiten Windstoß anfängt zu schwanken.

Ein Fernauslöser wäre auch nicht schlecht, egal ob Kabel oder Funk. Damit verhindert ihr, dass das Bild schon unscharf ist, in dem Moment, wo ihr auf den Auslöser drückt und die Kamera dabei bewegt.

Bei Nachtaufnahmen belichte ich generell im manuellen Modus. Ich wähle eine Blende, und die ISO aus. In dem obigen Fall war das Blende 11 und ISO 400. Das war aber auch noch eines meiner ersten Versuche. Heute würde ich eher Blende 8 wählen. Die Belichtung führe ich dann im Bulk-Modus durch. Das bedeutet, es wird so lange belichtet, wie ich den Auslöser auf der Fernbedienung gedrückt halte. In diesem Fall waren das 5 Sekunden. Welchen Wert ihr braucht, das müsst ihr einfach ausprobieren. Achtet nur da drauf, dass die hellen Stellen im Bild nicht überbelichten.

Voraussetzung dafür ist natürlich, dass der Flieger lange genug still steht. In Düsseldorf bietet sich immer der Moment nach dem Pushback an, wenn der Flieger noch eine gute Minute stehen bleibt, bis die Triebwerke hoch gefahren sind.


So, das waren mal 10 Beispiele aus der Praxis des Spottens bei verschiedenen Lichtsituationen hier im Fotokurs Vielleicht helfen diese Einstellungen euch ein wenig bei den ersten Versuchen. Testet aber auch einfach selber mal rum. Versucht verschiedene Einstellungen aus, verschiedene Blenden, verschiedene Belichtungszeiten usw.

Zu Hause schaut euch dann die Bilder in Ruhe an. Die Belichtungswerte von den gelungenen Aufnahmen, die merkt euch dann einfach für das nächste mal.

Im vierten Teil werde ich euch dann noch verschiedene Perspektiven oder Schnitte erklären. Vom 90° vor blauem Himmel Bild bis zur Detailaufnahme – but it’s coming soon!

Kommentare, Hinweise usw. werden wie immer gerne gesehen.

Flugzeugfotografie Kurs – weitere Teile:

 

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6 Kommentare

  1. Micha 18. Juni 2014 um 17:05 Uhr - Antworten

    Hallo Thomas !
    Ich sehe hier immer mal in Abständen auf deiner Web Seite rein finde sie sehr Informativ auch wie jetzt wieder ! mit deinen Beispielbildern und den Informationen dazu ! Weiter so Hut ab ! In ZRH waren wir auch dieses Jahr zum Spotten da ! hatten dabei auch ein Tag wo es mal vormittags Genieselt hat hohe Luftfeutigkeit ! Sieht immer Genial aus auf den Foto dann mit denn Kondesstreifen Luftverwirbelung ! von der Terrasse Dock E kann mann schon Geniale Bilder machen ! Auch von Links im Anflug mit den Hintergrund vom Dock B ! Zürich und zb. Amsterdam sind einfach ein sehr Schöne Spotterfreundliche Airports lohnt sich immer mal dort hinzufliegen ! Gruß Micha

  2. Raphael 8. März 2016 um 20:41 Uhr - Antworten

    Super tolle Spotterguide – gerade für mich als Anfänger! Danke vielmals 🙂 Gruss aus Basel!

  3. frank 13. März 2016 um 21:08 Uhr - Antworten

    danke für die tolle erklärung

  4. Rolf-Ernst 5. Januar 2017 um 15:18 Uhr - Antworten

    Guten Tag Thomas
    Deine Ausführungen zum Thema Spotten sind für Neulinge interessant und die hilfreichen Tipps haben mich zum „probieren“ animiert. Ein gutes Bespiel, dass auch sogenannt schlechtes Wetter seinen Reiz haben kann würde ich Dir gerne an einem „Schneebild“ demonstrieren.

  5. Tim 25. Juni 2017 um 17:32 Uhr - Antworten

    Hi, ist Dir aufgefallen dass das Flugzeug bei Bild 4 und 5 exakt das gleiche ist?

    • Thomas Jansen 25. Juni 2017 um 19:20 Uhr - Antworten

      Hi Tim,

      das ist ja witzig, ist mir bis heute nicht aufgefallen. ?

      LG Thomas

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