Zuletzt aktualisiert am 8. Januar 2019 um 17:59

Wir fotografieren auf Reisen nur im RAW Format. Was das RAW Format eigentlich ist, warum wir das nutzen, welche Vor- und Nachteile zum JPG-Format bestehen – all diese Dinge möchten wir Euch in diesem Artikel erklären. Dabei kommen wir zu dem Ergebnis, dass das RAW Format nicht für jeden Reisenden das richtige Dateiformat beim fotografieren ist. Wer keinen Spaß an der Fotobearbeitung (Entwicklung) hat, wer Lightroom oder Photoshop nicht mag – für den ist das RAW Format keine gute Wahl. Für Fotografen, die die Fotobearbeitung als Teil der Fotografie sehen ist das RAW genau das Richtige.

Dateiformate in Fotokameras – RAW vs. JPG – wo ist der Unterschied?

Die meisten modernen Kameras bieten Euch zwei verschiedene Dateiformate zum Speichern Eurer Aufnahmen an. Einmal das allseits bekannte und beliebte JPG Format, mit denen Bilddateien gespeichert werden. Alternativ kann man die Bilder im RAW Format speichern. Dabei werden die Rohdaten des Bildes gespeichert, praktisch ein digitales Negativ. Einige Kameras bieten zusätzlich die Möglichkeit, beide Formate parallel zu erstellen.

Was speichert die Kamera im RAW Format?

Bei der Aufnahme eines Bildes in der Kamera treffen Lichtinformationen auf den Sensor der Kamera. Beim RAW Format werden genau diese Informationen abgespeichert. Dies geschieht ohne Veränderung der Werte, es findet dabei keine „Entwicklung“ des Fotos in der Kamera statt. Daher ist eine RAW Datei kein Bild. Es ist eine Datei, welche die Farb- und Helligkeitswerte jedes einzelnen Pixels enthält und einige Informationen der Kamera. Zum betrachten, anschauen und zur Bearbeitung der Informationen braucht man eine Software, welche aus diesen Informationen ein Bild macht. Dieses kann man dann bearbeiten und anschliessend als Foto speichern, meist im JPG Format.

Die Dateien sind, im Vergleich zu Fotodateien, riesig groß. So kann eine RAW Datei schnell bis zu 40 Megabyte groß sein. 

Was mach die Kamera beim JPG-Format?

Bei der Aufnahmen des Fotos werden die gleichen Lichtinformationen aufgenommen, die auf den Sensor der Kamera treffen. Die Software der Kamera entwickelt aus diesen Informationen ein Foto und speichert dieses als fertiges Bild im JPG Format ab. Dabei wird der Weißabgleich gesetzt, Farbräume werden festgelegt, das Foto wird geschärft – also all die Schritte, die man für ein schönes Foto braucht. Die meisten Kameras machen das so gut, dass dabei fast immer ein tolles, ansprechendes Bild heraus kommt. 

Durch die Speicherung im JPG Format sind die Dateien deutlich kleiner als RAW Dateien. Das kommt durch die geringere Anzahl an Informationen und durch die Komprimierung des JPG Formats.

Warum im RAW Format fotografieren?

Ihr habt gerade gelesen, dass am Ende immer ein JPG Bild als Ergebnis raus kommt. Entweder direkt aus der Kamera oder über die Entwicklung der RAW Datei am Computer. Warum soll man also den „Zwischenschritt“ über das RAW Format gehen?

Interessant wird das RAW Format in dem Moment, wenn ihr Bilder bearbeiten wollt. Dabei meinen wir jetzt nicht kleinere Korrekturen im Bild, wie gerade drehen oder kleine Änderungen an der Belichtung. Das geht auch mit einer JPG Datei. Vielmehr sind damit Bearbeitungen gemeint, wo ihr komplett den Einfluss auf das fertige Bild selber in die Hand nehmen wollt. Dazu habt ihr im RAW Format viel mehr Informationen in der Bilddatei. Die Belichtung lässt sich über mehrere Stufen korrigieren. Ihr könnt einen Kontrastumfang erzeugen, den ihr mit keinem JPG als Ausgangsbild erreichen könnt. Durch die Bearbeitung und die Komprimierung der JPG Bilder in der Kamera fehlen schlicht und ergreifend viele Informationen im Bild, welche für eine intensive Bearbeitung möglich sind.

So hat man, zum Beispiel, beim JPG Bild maximal 16,8 Millionen Farbwerte im Bild gespeichert. Beim RAW Format sind es dagegen über 4 Billionen Farbstufen. Ähnlich verhält es sich mit den Tonwerten (256 vs. 16384). Nun machen wir uns nichts vor, das menschliche Auge kann das alles nicht erkennen. Aber bei der Bearbeitung der Bilder stehen einem viel mehr Informationen zur Verfügung, mit denen man am Bild arbeiten kann. Möchte man den Himmel in einem Foto verändern, z.B. mehr Kontrast zufügen, kommt es beim JPG Format schnell zu Tonwertabrissen. Das sind Linien, die dann zwischen den einzelnen Blaustufen im Himmel entstehen. Das wird einem bei einer RAW Datei so schnell nicht passieren (es sei denn, man übertreibt die Bearbeitung maßlos).

RAW Format: Links RAW Daten - rechts Entwicklung

Links RAW Daten – rechts Entwicklung

Gerade bei komplizierten Lichtbedingungen ist das RAW Format Gold wert. Bei dem Bild war der recht dunkle Wald im Vordergrund, der helle Wasserfall im Hintergrund. Bei einem JPG Bild, mit der Entwicklung in der Kamera, wäre die Gefahr groß gewesen entweder einen zu hellen Wasserfall oder einen zu dunklen Wald zu haben. Die Korrektur des Bildes wäre, aufgrund der komprimierten Daten, sehr schwierig bis unmöglich geworden. Beim der RAW Aufnahme ist der Wald auch viel zu dunkel, wie auf der linken Seite zu sehen ist. Aber, alle Informationen des Sensors sind in der Datei vorhanden. Es war hier also möglich, den Wald aufzuhellen ohne dass es zu Tonwertabrissen oder anderen „Schäden“ am Bild gekommen ist.

Anforderungen beim RAW Format

Wir hatten kurz überlegt, die Überschrift „Nachteile des RAW Format“ zu wählen. Das wäre aber nicht richtig gewesen. Denn die scheinbare Nachteile entpuppen sich bei der Bearbeitung auf jeden Fall als Vorteil.

Spezielle Software erforderlich

Werkzeuge für die RAW Bearbeitung

Werkzeuge für die RAW Bearbeitung

Für das Anschauen und die Bearbeitung der RAW Dateien braucht ihr spezielle Software. Ein einfaches Betrachten der Bilder über den Dateiexplorer oder mit den Bordmitteln von Windows ist oft nicht möglich.

Wir selber nutzen für die Bearbeitung der RAW Daten Lightroom und/oder Photoshop. Es gibt aber noch zahlreiche Alternativen dazu, in alle Preisklassen oder auch kostenlos. 

Viel Speicherplatz

Die erste Anforderung hatten wir oben bereits erwähnt. Die RAW Dateien sind riesig groß. Sie können 10-20 mal größer sein, wie ein vergleichbares JPG Foto. Und gerade auf Reisen ist das eine riesige Anforderung. Es müssen ausreichend Speicherkarten dabei sein und viel Festplattenplatz für die Sicherung der RAW Dateien. Eine Sicherung über die Cloud ist mit RAW Dateien praktisch unmöglich, gerade wenn man viel auf öffentliche und oft langsamere WLAN Verbindungen angewiesen ist. Auf einer Reise kommen beim RAW Format schon einige Gigabyte an Daten zusammen.

Alle Bilder müssen bearbeitet werden

RAW Format: Links das RAW aus der Kamera - Rechts die Entwicklung

Links das RAW aus der Kamera – Rechts die Entwicklung

Wer sich zum ersten mal RAW-Dateien seiner Kamera auf dem Rechner anschaut, ist meistens ernüchtert. Die Bilder wirken blass, flau und unscharf. War man von den farbenfrohen JPG Bildern seiner Kamera noch so begeistert, schaut man hier erstmal entsetzt auf den Bildschirm. Es sind ja keinerlei Entwicklungsprozesse, hin zu einem schönen Bild, in der Kamera vorgenommen worden. Da muss man selber Hand anlegen und zwar ausnahmslos bei jedem Bild. 

Diesen Aufwand sollte man nicht unterschätzen. Einfach mal eben die Bilder aus der Kamera kopieren und der Verwandtschaft die schönen Urlaubsfotos präsentieren – das könnt ihr mit RAW Dateien vergessen. In der Regel passen wir bei unseren Bildern folgende Dinge bei der Entwicklung an:

  • Belichtung
  • Tiefen
  • Lichter
  • Kontrast
  • Farbe Dynamik
  • Klarheit
  • Schärfen

Dazu kommt dann natürlich ein schöner Bildschnitt. So müssen wir eigentlich jedes Bild gerade ausrichten. Trotz eingeblendetem Raster beim Fotografieren sind viele Bilder bei uns schief. 

Die Entwicklung richtet sich dabei nach den persönlichen Vorlieben. Wir selber stehen auf dunkle, kräftige Farben mit viel Kontrasten und auch eine Vignette ist oft bei unseren Entwicklungen zu sehen. Das ist natürlich alles Geschmacksache, wobei es mit den RAW Dateien gerade möglich ist, so ziemlich jede Vorliebe auch zu erfüllen.

Man kann sich die Bearbeitung mit Voreinstellungen vereinfachen, welche z.B. beim Import der Daten nach Lightroom angewendet werden. Damit können aber nur Standardwerte gesetzt werden, welche aus der Erfahrung zum Kameratyp passen. Das erspart einem am Ende aber nicht die Bearbeitung der Einzelbilder. Nur der erste Eindruck ist schon mal ein wenig freundlicher.

Für wen ist das RAW Format der richtige Dateityp?

Sagen wir es mal so: Wer keine Lust auf Bildbearbeitung am Computer hat, wer sofort nach einer Reise seine Bilder zeigen möchte, wer sich nicht mit riesig großen Rohdaten rumschlagen will – der sollte die Finger vom RAW Format lassen. Zugegeben, gute und moderne Kameras machen tolle JPG Bilder, wo man oft auch nicht viel nachbearbeiten muss um wirklich schöne Bilder zu bekommen. Dazu bieten viele Kameras noch verschiedene Entwicklungseinstellungen an, speziell für Landschaftsaufnahmen, für Portraits oder Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Die Ergebnisse können sich wirklich sehen lassen. Aber, man hat die Entwicklung einfach nicht selber in der Hand. Man muss mit dem Ergebnis aus der Kamera zufrieden sein, Korrekturen sind nur im begrenzten Umfang möglich.

Wer aber gerne mit Lightroom und Co. arbeitet, wer auch die letzten Reserven aus einem Foto heraus holen möchte, wer bei schwierigen Lichtsituationen auf der sicheren Seite sein will – für den ist das RAW Format genau das richtige Format. Die größere Menge an Informationen in der Datei ermöglicht dabei wunderbare Möglichkeiten, die mit einem jpg einfach nicht gegeben sind.

Eigentlich ist das wie früher, bei der analogen Fotografie. Die meisten Fotografen haben ihre Filme nach der Reise in ein Labor geschickt und haben von dort fertige Bilder zurück bekommen. Sozusagen die JPG Lösung der analogen Fotografie. Ambitionierte Fotografen dagegen haben ihre Bilder in der Dunkelkammer selber entwickelt und dabei Einfluss auf das Ergebnis genommen. Das ist heute die Arbeit mit den RAW Dateien in der Fotobearbeitung.

Das war unsere Erklärung zum Thema RAW Format beim fotografieren. Ihr seht, es ist nicht für jeden sinnvoll sich mit dem Format zu beschäftigen und seine Bilder damit zu erstellen.

Wie sieht das bei Euch aus? Nutzt Ihr RAW oder ist euch der Aufwand einfach zu hoch? Über Kommentare zu dem Thema würden wir uns sehr freuen, wie immer hier auf dem Blog.

Fotografie Schule für Reisefotos

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Fotografie Schule für Reisefotos
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Wer schreibt hier?

Wir sind es, Melanie und Thomas. Zwei Reisesüchtige in den besten Jahren, wie man das neuerdings so sagt, also das mit den Jahren. Wenn wir mal nicht reisen, verdienen wir unser Geld zum Reisen und fotografieren uns an den Wochenenden durch die nähere Umgebung. Dabei lieben wir Zoos oder andere Sehenswürdigkeiten rund um unseren schönen, geliebten Ruhrpott.

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