Lightroom Workflow Tierfotos

Unser Lightroom Workflow für Tierfotos

Veröffentlicht: 12. April 2017

Aktualisiert: 26. September 2020

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Autor: Thomas Jansen

Wir bekommen regelmäßig eMails, in denen wir nach unserem Lightroom Workflow für unsere Tierfotos oder Urlaubsfotos gefragt werden. Daher möchten wir Euch heute mal unseren Lightroom Workflow für Tierfotos vorstellen. Wir zeigen Euch unseren Arbeitsablauf vom Import mit Vorgaben, über die Standardentwicklung, selektiven Detailkorrekturen bis hin zum Export der Bilder für verschiedene Medien.

Anhand eines Fotos aus dem Duisburger Zoo zeigen wir Euch unsere einzelnen Bearbeitungsschritte und erklären, warum wir welche Korrekturen vornehmen. Am Ende zeigen wir dann noch einige weitere Vorher- / Nachher-Fotos aus unserem Lightroom.

Workflow Lightroom: Import der Daten

Nach einem Zoobesuch kommen wir oft mit mehren hundert Fotos nach Hause, es können auch mal über tausend Bilder sein. Das liegt nicht daran, dass wir sogar die Fliegen, Mücken und Regenwürmer im Zoo fotografieren. Wobei, so eine schöne Fliege auf einer Blume auch ein dankbares Motiv ist. Nein, der Grund für die hohe Anzahl an Fotos liegt daran, dass wir im Zoo generell Serienbilder machen. Wenn wir also einmal des Auslöser drücken, landen direkt 5-20 Bilder der Szene auf der Speicherkarte. Gerade bei Tieren in Bewegung hat man so eine schöne Auswahl an verschiedenen Motiven. Oder wenn die Tiere gerade Essen, dann verändert sich mit jedem Foto der Serie der Gesichtsausdruck und auch davon haben wir dann eine schöne Auswahl.

Die Bilder werden dann auf eine externe SSD-Platte gespielt, wo alle unsere Bilder liegen, die bearbeitet werden wollen. Wir packen die Aufnahmen nicht auf unser MacBook, weil die Festplatte in dem guten Teil einfach zu klein ist. Dabei packen wir die Bilder in ein Verzeichnis, mit Unterverzeichnissen für jede Kamera, die an dem Tag zum Einsatz kam.

Lightroom Workflow Tierbilder - Import

Voreinstellungen für den Import

Für die Bearbeitung neuer Fotos haben wir in Lightroom einen eigenen Katalog. In diesen importieren wir nun die Bilder, pro Kameratyp in einem eigenen Durchgang. Der Grund dafür ist, dass wir für jede unserer Kameras einen eigenen Preset mit Einstellungen erstellt haben. Damit werden bereits beim Import kleinere Korrekturen vorgenommen:

  • Anpassung von Dynamik und Klarheit
  • Die Schärfe wird auf einen Standardwert gesetzt, der aber am Ende der Bearbeitung von angepasst werden muss
  • Die Objektivkorrekturen werden automatisch angewendet

Unsere Import-Voreinstellungen für verschiedene Kameratypen, könnt ihr Euch gerne hier herunterladen und selber mal ausprobieren.

Die Import Dateien sind aus Lightroom CC exportiert. Sie sollten aber auch mit einigen älteren Lightroom-Versionen funktionieren.

Wir fotografieren übrigens nur im RAW-Modus. Der komplette Workflow hier zeigt die Bearbeitung von RAW-Dateien. Solltet ihr im jpg-Format fotografieren, so könnt ihr die Import-Vorgaben nicht nutzen, die Bilder sind ja bereits in der Kamera entwickelt worden. Bei JPGs braucht ihr erst beim Punkt Detailkorrekturen einzusteigen. Dabei bieten aber die bereits komprimierten JPG-Dateien nicht so viel Raum zur Bearbeitung wie die RAW-Dateien.

Download der Lightroom-Presets

LR Import Panasonic Lumix FZ1000
LR Import Panasonic Lumix FZ300
LR Import Sony Alpha 6000/6300
LR Import Sony Alpha 7 II

IPTC Daten beim Import setzen

Eine zweite Sache, die wir beim Import direkt auf die Bilder anwenden, ist das einfügen von IPTC-Copyright Daten. Auch dafür haben wir eine Vorgabe erstellt, die beim Import direkt angewendet wird:

Lightroom Workflow Tierbilder - IPTC Copyright Daten

Welche Daten Ihr davon ausfüllen wollt ist natürlich Euch selbst überlassen. Solltet Ihr Eure Fotos nur auf dem heimischen Rechner verwenden und nicht im Netz zeigen wollen, dann könnt ihr auf diesen Schritt natürlich verzichten.

Workflow Lightroom: Standard Bearbeitung

Für diesen Bericht hier haben wir ein Bild aus dem Duisburger Zoo ausgesucht. Es zeigt die junge Tiger Dame Arila, die gerade über den Bach gehüpft ist und nach links weg laufen will. Die Aufnahme ist mit unserer Sony Alpha 7 II und dem SEL70-200 Telezoom-Objektiv entstanden. Wir haben das Fotos mit 200mm Brennweite, bei ISO 100, 1/1000 Sekunde Belichtungszeit und Blende 4 gemacht. Fokussiert war auf den Kopf der keinen Tigerdame und aufgrund der kurzen Belichtungszeit ist es, trotz Bewegung, sehr scharf geworden.

Bildschnitt und Begradigung

Lightroom Workflow Tierbilder - Schnitt

Der erste Arbeitsschritt ist die Auswahl des gewünschten Bildschnitts. Dabei versuchen wir die Drittelregel einzuhalten. Bei dem Bild ist somit der Kopf auf der oberen Drittellinie zu finden. Da die Bewegungsrichtung nach links geht, haben wir am linken Bildrand ein wenig Platz gelassen um die Tigerin nicht in das Bild zu „quetschen“.

Bei diesem Arbeitsschritt drehen wir auch die Bilder gerade. Ok, bei dem gezeigten Foto ist das nicht notwendig aber sonst sind wir beide Meister für schiefe Bilder.

Standardbearbeitung Belichtung

Lightroom Workflow Tierbilder - Belichtung

Im nächsten Schritt korrigieren wir ein paar Werte bei der Belichtung des Bildes. Im Detail haben wir hier folgende Werte verändert:

  • Belichtung: +0,30
  • Lichter: 0
  • Tiefen: -25
  • Weiß: +40
  • Schwarz: -5
  • Klarheit: +35
  • Dynamik: +25

Lightroom Workflow Tierbilder - HistogramWarum diese Werte? Mit der Belichtung haben wir die komplette Belichtung des Bildes angepasst, also das Foto komplett ein wenig heller gemacht als es aus der Kamera kam.

Die Tiefenbereiche des Bildes haben wir noch ein wenig abgedunkelt (-25). Auf dem Foto sind diese Bereiche im Hintergrund und unten rechts im Bach zu finden. Da wir aber gerne die Tigerdame hervor heben möchten, darf der Rest im Bild ruhig ein wenig dunkler sein.

Bei der Korrektur des Weiß- und Schwarzwertes haben wir das Histogramm auf seine maximale Breite gebracht. Das bedeutet, dass sehr helle Stellen im Bild noch nicht ganz weiß ausgefressen sind und überstrahlen und dunkle Stellen nicht als schwarze Fläche erscheinen. Haltet bei der Korrektur der beiden Werte das Histogramm im Auge. Wenn sich dort am linken oder rechten Rand die Balken stapeln, dann habt ihr es übertrieben.

Die Klarheit haben wir auf +35 gesetzt, bereits beim Import in der Vorgabe. Das bewirkt eine Verstärkung der Strukturen im Bild. Über diesen Punkt kann man kräftig streiten, es gibt einige Fotografen, welche diesen Regler gar nicht anrühren oder nur sehr dezent benutzen. Uns selber gefällt aber die Wirkung und es gehört zu unserem Stil.

Die Dynamik ist ebenfalls bereits beim Import des Bildes gesetzt worden. +25 ist dabei schon ein guter Wert und die Farbarmut der RAW Dateien zu beseitigen. Weitere Korrekturen der Farben  machen wir dann später selektiv in der Farbkorrektur.

Standardbearbeitung Farbkorrekturen

Lightroom Workflow Tierbilder - Farbkorrektur

Mit der Farbkorrektur kann ein Bild auch zerstört werden, wendet diese mit Bedacht an und überlegt, was noch natürlich aussieht oder was eher einer Farbexplosion gleicht.

Bei der Sony Alpha 7 II kommen die Fotos, als RAW-Dateien, recht blass und farbarm aus der Kamera. Daher setzen wir die Dynamik bereits beim Import ein wenig herauf.

In diesem Schritt kümmern wir uns nun um einzelne Farben im Bild. Hier wollten wir natürlich das wunderschöne (nasse) Fell von Arila als Hingucker präsentieren.Dafür haben wir die Farbkanäle Orange (+35) und Gelb (+10) ein wenig erhöht. Der Hintergrund ist sehr durch die Farbe Grün dominiert, Natur halt. Daher haben wir die Sättigung von Grün mit -50 abgesenkt um die Tigerdame optisch hervorzuheben.

Standardbearbeitung Schärfen

Lightroom Workflow Tierbilder - Schärfen

Als letzten Schritt bei der Standardbearbeitung schärfen wir das Bild noch. Bereits beim Import des Bildes werden die Werte Betrag (+81), Radius (0,8) und Details (35) gesetzt.

Somit korrigieren wir einfach nur noch die Maskierung für die Schärfe. Wir möchten das Bild nicht überschärfen und Bereiche Schärfen, wo gar keine Schärfe gewünscht ist. Also Korrigieren wir den Wert so, dass nur noch die Hauptkonturen im Bild nachgeschärft werden.

Lightroom Workflow Tierbilder - Schärfen - Konturen

Drückt zur Kontrolle der Maskierung beim verschieben des Reglers, am Mac die ALT-Taste. Dann seht ihr das Bild in einem Schwarz-Weiß-Modus. Weiße Stellen / Linien zeigen an, wo die Schärfe gesetzt wird, schwarze Flächen zeigen Bereiche, die nicht nachgeschärft werden.

Standardbearbeitung Ergebnis

Das Ergebnis der Standardbearbeitung kann sich schon sehen lassen. Für viele Bilder reichen diese Bearbeitungsschritte vollkommen aus. 

Und stört an diesem Bild aber noch eine Stelle, und das ist der oben rechts leuchtende Hintern der ins Bild ragenden Tigermutter. Zusätzlich würden wir gerne den Kopf von Arila noch ein wenig aufhellen und hervorheben. Das machen wir nun mit selektiven Korrekturen im Bild.

Workflow Lightroom: Selektive Detailkorrekturen

Wir zeigen Euch noch, wie wir das Hinterteil der zweiten Tigerdame, der oben rechts ins Bild scheint, abschwächen. Zusätzlich werden wir den Kopf vom Hauptmotiv Arila noch dezent aufhellen und dort die Klarheit noch ein wenig verstärken. Den Bach unten rechts möchten wir noch ein wenig hervor heben, damit eine Erklärung im Bild ist, warum Arila naß ist.

Diese Schritte beziehen sich nicht mehr auf das gesamte Bild, sondern auf einzelne Stellen im Fotos. Also werden wir Korrekturen mit dem Verlaufs-und Radialfilter vornehmen. Dabei wird mit einer kreis- oder elipsenförmigen Maske ein Bereich im Bild ausgewählt und die Änderungen werden dann nur an dieser maskierten Stelle vorgenommen.

Selektive Detailkorrekturen: Zweite Tigerdame

Lightroom Workflow Tierbilder - Detail - abdunkeln

Das Hinterteil von Tigermutter Dasha ragt hell leuchtend, oben rechts in das Bild. Das zieht doch arg die Blicke der Betrachter an, also muss das abgedunkelt werden. Dazu haben wir einen Radialfilter auf diesen Bereich gelegt und dort die Belichtung (-0.40), die Lichter (-44) und den Weißwert (-41) nach unten gezogen. Damit bleibt das Hinterteil, mitsamt Farben, erhalten. Es leuchtet aber nicht mehr so extrem in dem eigentlich dunklen Bereich des Fotos.

Selektive Detailkorrekturen: Kopf dezent aufhellen