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US National Park Jahreskarte – Annual Pass verkaufen

Annual Pass verkaufen

In den letzten Tagen beobachten wir sehr interessiert die Diskussionen im Netz, welche aufkommen wenn Mitmenschen ihren Annual Pass verkaufen wollen. Dieser Pass ist eine Jahreskarte für die National Parks in den USA. Wenn man nun so einen Pass bei Facebook oder in Foren zum Verkauf anbietet, dauert es meist nur Minuten, bis man einen Käufer gefunden hat. Gleichzeitig löst man aber einen kleinen Shitstorm aus, der eigentlich immer gleich aussieht. Es dauert meist keine 5 Minuten, bis der erste um die Ecke kommt und was von „Das ist illegal“ erzählt. Enden tut das, wie in unserem Fall, bei Mitmenschen, die einen bei der zentralen US-Ranger-Verwaltung (was immer das ist) melden wollen, was eine Anzeige und für die Zukunft eine Einreisesperre in die USA nach sich ziehen würde. Ja – das ist genau so passiert. Nun kann man sich davon ganz fürchterlich einschüchtern lassen oder sich einfach mal mit den Fakten auseinander setzen.

Was ist dieser Annual Pass

Annual Pass Vorderseite

Annual Pass Vorderseite

Wie oben schon geschrieben, der Annual Pass ist eine Jahreskarte, welche einen für 12 Monate zum kostenlosen Besuch der US National Parks berechtigt. Der Ausweis wird auch oft America the Beautiful genannt. Der Pass kostet 80 US-Dollar und kann in allen Visitor Centern oder direkt am Autoschalter am Parkeingang gekauft werden. Auf der Rückseite des Passes gibt es zwei Unterschriften Felder. Beim Kauf des Passes muss man eines davon unterschreiben. Wenn man nun in einen National Park hinein fährt, so wird die getätigte Unterschrift kontrolliert. Zusammen mit dem Annual Pass muss man immer eine ID (Personalausweis, Reisepass, Führerschein) abgegeben werden um die Person von der Unterschrift zu identifizieren.

Fakten zum Verkauf

Nun haben wir in den letzten Jahren immer wieder einen Annual Pass gekauft. Der Kaufpreis rechnet sich in einem Urlaub bereits beim 4. Parkbesuch (nach der aktuellen Preiserhöhung in den National Parks bereits nach dem 3. Parkbesuch). Beim Kauf des Passes wurden wir nun dem Ranger darauf hingewiesen, dass wir nur ein Unterschriftenfeld nutzen sollen, weil man den Pass ja weiter geben kann. Wir haben diese Aussage zum Anlass genommen um mal genau nachzufragen.

Annual Pass Rückseite

Annual Pass Rückseite

Dabei fragten wir nach, ob wir den Pass nur an Freunde und Bekannte verschenken dürfen oder ob wir ihn auch verkaufen dürfen. Klare Aussage des Rangers: Natürlich darf er weiter verkauft werden, dadurch ist er doch für Touristen aus allen Ländern der Welt so interessant. Soweit das Gespräch mit jemanden, der es wissen sollte. Wir haben uns diese Aussage übrigens in den zwei Wochen von zwei anderen Rangern bestätigen lassen – auch hier war die einhellige Aussage, dass der Pass natürlich weiter gegeben werden und auch verkauft werden darf. Der Käufer kann dann einfach das zweite, noch freie Unterschriftenfeld nutzen. Die beiden Unterschriftengeber müssen nicht miteinander verwandt, verschwägert oder versonstwast sein. Und für den Annual Pass gibt es noch eine tolle Seite, mit den wichtigsten Fragen zum Pass. Wenn es einer schafft, mir zu zeigen, wo die Stelle mit dem Verkaufsverbot steht, der bekommt einen Keks: http://store.usgs.gov/pass/annual.html Auf Deutsch gibt es das hier als Download: https://store.usgs.gov/pass/IntlBro_German%20-%20FINAL.pdf

Woher kommt dieses hartnäckige Gerücht?

Bis 2007 war eine Weitergabe des Passes tatsächlich verboten. Bis dahin hieß der Pass aber noch Golden Eagle Pass – dieser durfte nicht weitergegeben/verkauft werden. Mit der Einführung des Annual Passes 2008 hat sich das geändert. (Quelle: http://www.myreiseblog.de/news-und-infos/reisetipp-der-woche/der-national-park-pass-infos/) Nachtrag: Der Golden Eagle Pass wurde für 50 US-Dollar verkauft. Mit der Einführung des Annual Pass wurde der Preis a) auf 80 US-Dollar erhöht und damit verbunden b) die Möglichkeit der Weitergabe mit dem zweiten Unterschriftenfeld eingeführt. Aber das Gerücht, dass es illegal sei diesen Pass weiterzugeben und zu verkaufen hält sich wie eine Fliege am Fliegenfänger. Das faszinierende daran ist, dass sich manche Menschen in diese Meinung völlig verbeissen. Wenn man mit den Argumenten und Tatsachen kommt, dass der Verkauf legal sei, dann wird das abgestritten oder mit irgendwelchen Beiträgen im Netz widerlegt – die entweder falsch sind oder von vor 2008. Woher diese Aussagen mit irgendwelchen US-Bundesranger-Behörden und Einreiseverboten kommen, das ist mir ein Rätsel. Vermutlich wurde das irgendwo mal in die Welt gesetzt und einige wenige greifen das nun immer wieder auf.

Aber auf der Homepage steht doch Non-Transferable

Auch dieses Argument kommt fast schon gebetsmühlenartig. Natürlich haben wir die netten Ranger auf unserer letzten Reise auch darauf angesprochen. In der Tat, auf der verlinkten Seite steht Non Transferable: http://www.nps.gov/findapark/passes.htm Non Transferable heißt, wenn man in einen National Park rein fährt, muss einer der beiden Unterschriftengeber im Auto sitzen. Ich kann nicht den Pass einfach jemand anderem geben, der mit den Unterschriften nichts zu tun hat, und diesem damit den Eintritt in den Park ermöglichen. Weiter ist es nicht möglich einen verlorenen Pass zu ersetzen bzw. zu erneuern. BTW: Nicht verkäuflich würde Not Resaleable heißen.

Moralisches

Wenn die Argumente zum Thema illegal ausgehen, kommen dann oft die moralischen Aspekte des Weiterverkaufs auf den Tisch. Klar, mit dem Kauf unterstütze ich die National Parks, welche von den Einnahmen leben müssen(?).

Mal ganz abgesehen von den Einnahmen für Campingplatzgebühren, Essen, Trinken, Karten, Bärenspray, T-Shirts, Magnete oder sonstige Souvenirs. Wenn ich jetzt in den USA leben würde und übers Jahr verteilt meine 8 Besuche in verschiedenen Parks machen würde, dann würde ich den Pass auch nicht abgeben. Aber, vielleicht würde ich den dann mit meinen Nachbarn und Freunden teilen, die an anderen Wochenenden dort unterwegs sind – geschenkt bekämen die den auch nicht. Man würde sich dann vermutlich einfach die Kosten teilen. Ich kaufe den Pass aber, nutze ihn 3 Wochen und dann liegt er hier die restlichen 49 Wochen seiner Gültigkeit rum. Was soll der Unsinn? Ich kann ihn dann doch besser für ein paar Euro weiter geben.

Oft liest man dann auch das Argument, das man ja sooo viel Geld für Unsinn ausgibt, das einem die 80 US Dollar doch nicht weh tun. Bei so Aussagen dreht sich mir persönlich alles um. Erstens ist es meine Sache, zweitens kenne ich genügend Menschen, die sparen jeden Cent für so eine Reise und müssen sich richtig krumm legen um so eine Reise anzugehen. Und wenn die dann die Hälfte des Preises für den Pass sparen können, dann freuen die sich ein Loch in den Bauch.

Amerikaner tun das nicht…

Folgende Argument liest man auch oft, fast wie eine Gebetsmühle: „Amerikaner verkaufen ihre Pässe nicht“, „Amerikaner finden das was die ausländischen Touristen machen doof“, „Amerikaner teilen sich den Pass lieber mit Freunden“… usw. usf.

Das ist alles Unsinn und entspricht eben nicht der Realität, wie wir sie kennengelernt haben.

Uns wurden schon ein Annual Pass von einem Amerikaner zum Kauf angeboten. Als wir den nicht genommen haben, hat ihn ein anderer Camper genommen, einen Stellplatz weiter, ebenfalls Amerikaner. So viel zum Thema, Amerikaner tun das nicht.

Und wenn man sich mal mit denen unterhält, dann haben die durchaus Verständnis dafür, dass man den Pass nach nur 3 Wochen Nutzung weiterverkauft. Warum soll er auch den Rest den Jahres zu Hause ungenutzt rum liegen.

Und wenn die Amerikaner sich den Pass zum Beispiel mit Freunden teilen, jede Familie zahlt dann die Hälfte, wo genau ist der Unterschied zum Weiterverkaufen? Eben, es gibt keinen! Es reisen zwei Familien in die Parks und in Summe werden nur die 80$ bezahlt. Ich würde den hier ja auch lieber an Freunde oder Verwandte abgeben. Nur, die fahren alle nicht in die USA in Urlaub.

Fazit

Fakt ist, der Verkauf ist legal – man wird sogar in den National Parks darauf hingewiesen. Es ist somit völlig legitim den Pass weiterzugeben und/oder zu verkaufen und man brauch keine Angst vor Anzeigen, Einreiseverboten oder anderem Unsinn zu haben. Und ein schlechtes Gewissen muss sich bestimmt auch keiner einreden lassen, nur weil man sich die Kosten mit anderen Reisenden teilt. Ich glaube, die Finanzierung einer US-Bundesbehörde wird diesen Verlust soeben überleben.

Ihr merkt, wir mussten hier uns mal ein wenig den Frust von der Seele schreiben. Aber was man bei dem Thema teilweise lesen muss, so viel geballtes Halbwissen, das ist unglaublich. Kommentare sind aber auch hier, wie immer, sehr gerne gelesen.
Wir zwei beiden im Arches NationalparkNeu hier im Blog? Dann schau doch mal wer wir sind oder was wir auf diesem Blog anbieten.

Ganz besonders ans Herz legen möchte wir die Reiseberichte unserer Rundreisen, unsere Reisetipps und die Fototipps für schönere Urlaubsbilder. 

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12 Kommentare

  • Servus,

    ich haue mir gerade auf die Schenkel!!!! Auf die Internetexperten „Dumm und Lustig“ trifft man überall.

    Im Umfeld von den US National Parks gibt es zig Tankstellen und Hotels, die diesen Pass günstiger weiterverkaufen. Wir haben unseren damals auch im Motel gekauft. Das war absolut kein Problem und ist, wie du so schon geschrieben hast, auch völlig legal. Ja ja die Experten.

    lg
    Rainer

    • Moin Rainer,

      bei der Drohung in unsere Richtung mit der Anzeige und dem Einreiseverbot ist mir erst mal das Lachen vergangen. Nicht, weil ich das ernst genommen hätte. Vielmehr über die Wucht an Mini-Shitstorm, die da über meine Anfrage rein brach. Zum Glück standen wir da nicht alleine, viele andere Leser haben sich dort zu Wort gemeldet. Aber eben auch viele, die was von Illegal erzählten oder die moralische Keule raus geholt haben. Einer ging in der Diskussion so weit, mir sämtliche moralische Bedenken abzusprechen – nur weil ich einen legalen Vorgang, den Verkauf des Passes vorgenommen habe.

      Leider muss man sowas heute oft im Netz beobachten. Ich bin ja in einigen USA-Gruppen bei Facebook unterwegs. Dort sind viele tolle Menschen versammelt und geben Tipps und Ratschläge. Einige wenige sind aber dazwischen, die in ihren Beiträgen übles Halbwissen verteilen. Wenn man die Beiträge von denen liest, dann fragt man sich, ob die jemals einen Fuß in die USA gesetzt haben und wenn ja, wie die das unfallfrei hin bekommen haben. Und gerade solche Typen sind es, die auch noch angepisst reagieren, wenn man denen einfach mal mit Fakten kommt – die werden dann noch von denen verrissen oder es werden als Gegenargumente uralte oder falsche Beiträge im Netz verlinkt – zusammen mit dem Spruch „Mach Dich mal schlau“.

      Und dieses Verhalten ist immer mehr, in allen möglichen Themengebieten zu beobachten. Manchmal frage ich mich, ob die Menschheit schon reif ist, für eine Erfindung wie Social Media.

      LG Thomas

    • Hi Marc,

      ja, so einfach ist das. Leider bist Du in Deutschland aber ein schlechter Mensch, wenn Du das machst. Nicht in den Augen aller, aber bei ein paar wenigen schon.

      LG Thomas

    • Hi Birgit,

      schade, vielleicht ein anderes mal. Ich esse den gleich selber.

      Danke noch für die Unterstützung in der Diskussion und jetzt gehe ich mal ein wenig bei Dir auf dem Blog stöbern.

      LG Thomas

  • Hi, also ich finde die Idee auch gut, dass man den Pass weitergeben kann. Mittlerweile gibts doch schon Car-sharing, Food-sharing usw. Warum sollte es da nicht auch „Pass-sharing“ geben. Es gibt schon Wissenschaftlicher, die zur Sharing-Mentalität forschen. Meiner Meinung nach ist das unsere Zukunft. 🙂 Und außerdem: In diesen Parks gibts bestimmt auch noch Souvenirs, Essen und Trinken zu kaufen, oder? Wer bei dem Erwerb des Passes einen guten Schnapp gemacht hat, wird umso mehr im Park ausgeben. Die Parks werden sicherlich nicht ihre Haupteinnahmequelle im Verkauf des Passes haben. LG Myriam

    • Hi Myriam,

      genau so ist das. Wir lassen bei einem Besuch in einem Park nicht unwesentliche Dollar Mengen dort. Das fängt mit den Gebühren für die Campgrounds oder die Hotelzimmer an, geht über Restaurantbesuche, Einkäufe von Lebensmitteln und Souvenirs. Und gerade beim letzten Punkt haben wir schon Anteile an National Parks erworben *seufz*. 😉

      LG Thomas

  • Super Artikel! Ich lese in Deiner USA-Reisen Facebook Gruppe auch immer gerne die Posts zum Verkauf des Passes. Ich hab unseren Pass schon weitergegeben und auch selber schon einen „gebrauchten“ gekauft 🙂
    Danke für die Zusammenstellung und den lustigen Artikel!

    • Hi Silke,

      das Thema ist ein Quell nicht enden wollender Diskussionen mit den immer gleichen und falschen Argumenten. Mir hilft unser Beitrag dabei in der USA-Gruppe. Ich schmeisse den Link zu dem Artikel da rein und beende meist die Diskussion direkt. Denn oft enden diese Wortgefachte in sehr unsachlichen Bahnen.

      LG Thomas

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