Was ich über die Fotografie gelernt habe

Was ich über die Fotografie gelernt habe

Veröffentlicht: 10. Oktober 2018

2723 Worte- 10.9 Minuten Lesezeit- 15 Kommentare-
Was ich über die Fotografie gelernt habe

Autor: Thomas Jansen

Veröffentlicht: 10. Oktober 2018

Aktualisiert: 17. Januar 2021

15 Kommentare

2723 Worte- 10.9 Minuten Lesezeit- 15 Kommentare-

Seit nunmehr 15 Jahren ist die Fotografie ein riesiges Hobby von mir. Und um Laufe der Jahre habe ich darüber einige Dinge gelernt, die ich heute mal mit Euch teilen möchte.

Der aufmerksame Leser wundert sich vielleicht gerade, warum hier auf einmal in der Ich-Form geschrieben wird. Nun, die Fotografie ist Thomas, also mein, Steckenpferd. Melanie macht wunderschöne Fotos, hat ein richtig gutes Auge für schöne Motive – aber der ganze technische Kram ist nicht ihrer. Sie braucht eine Kamera, die entweder alles automatisch macht (daher nutzt sie die Kamera oft im P-Modus) oder ich stelle ihr die Kamera für spezielle Situationen ein.

Was ich über die Fotografie gelernt habe

Wenn wir an den Wochenenden in den Zoos oder woanders unterwegs sind, postet Melanie gerne von unterwegs Bilder auf unsere Facebook-Seite. Und auch wenn das einige nicht glauben wollen, besonders bei den Zoofotos – das sind alles Smartphone Fotos. Und da sind wir schon beim ersten Punkt angekommen, was ich über die Fotografie gelernt habe:

Ausrüstung ist nicht alles

Melanies Smartphone Bilder sind alleine schon ein Beweis, dass auch mit einer „schmalen“ Fotoausrüstung gute Fotos machbar sind. Oft genug steht sie im Zoo neben mir, zeigt mir ihre Fotos und dann blicke ich ganz langsam an mir herunter, schaue auf meine Kamera und denke mir, „Warum schleppst du den ganzen Krempel hier rum?“. Natürlich folgen dann viele Fotomotive, wo ich wieder weiß, warum ich so ein langes Teleobjektiv nutze und Melanie nur ein kleines Tierchen irgendwo auf dem Bild hat.

Wenn man aber nichts anderes hat, dann sind mit jeder Ausrüstung gute Fotos machbar, nur eben andere. So haben wir dieses Jahr ein Experiment gemacht. Wir waren mit mehreren Fotografen im Zoo und haben den ganzen Tag nur mit 50mm Brennweite fotografiert. Und trotzdem haben wir tolle Fotos von der Tour mitgebracht.

Die Fotos sind dann halt anders, wie die Bilder, die ich sonst im Zoo mache. Aber darum sind diese nicht schlechter.

Am Ende zählt die altbekannte Regel: Der Fotograf macht das gute Foto. Die Kamera ist nur das Werkzeug dafür.

Eine einfache Ausrüstung steigert auch die Kreativität. Wenn nur 50mm zur Verfügung stehen muss man halt mal neue Wege gehen. Testet das selber mal, geht mal in eine Location, mit einer Festbrennweite oder einem kleinen Zoom und schaut was machbar ist.

Investiere aber sinnvoll in die Ausrüstung

Trotzdem, wenn man so wie ich ein technisches Spielkind ist, ist der Drang immer groß, neue Teile auszuprobieren. Ich kaufe und verkaufe recht regelmäßig Objektive, spiele gerne mit verschiedenen Kombinationen rum. Dabei kommt mir zugute, dass (gebrauchte) Objektive fast keinen Wertverlust haben, wenn ich diese wieder verkaufe.

Aber eigentlich ist das alles Unsinn. Es macht viel mehr Sinn sich eine Ausrüstung, passend zur fotografischen Arbeit zusammen zu kaufen. Dabei sollte, meiner Meinung nach, der Fokus eindeutig auf hochwertigen Objektiven liegen. Bei den Kameras machen meistens die Einsteigermodelle schon fantastische Fotos und bieten alle Möglichkeiten der manuellen Einstellung.

Aber bei den Objektiven sind die Qualitätsunterschiede dann sichtbar. Wenn dort bei bestimmten Brennweitenbereichen die Bilder nicht mehr scharf werden oder an den Rändern unscharf sind, dann ärgert es einen mit der Zeit einfach.

Wenn wir dann auf Reisen gehen, nehmen wir auch nie die ganze Ausrüstung mit, das wäre ja Wahnsinn. Wir überlegen vorher, welche Motive wir auf der Reise erwarten können und nehmen passend dazu Kamera(s) und Objektiv(e) mit. Und wenn dann auf einer Reise eine Situation kommt, wo man die falsche Ausrüstung hat, nun – dann ist halt Kreativität gefragt.

Tolles Licht macht (fast) jedes Motiv schön

Es ist einfach nicht schön zu reden, schönes Licht am frühen Morgen oder am späten Nachmittag ist mit nichts zu ersetzen. Selbst ein „einfaches“ Waldfoto wirkt im Licht der untergehenden Sonne richtig schön.

Das bedeutet aber nicht, dass ich nicht auch zur Mittagszeit fotografiere. Ich kenne Fotografen, die zwischen 10 und 16 Uhr nicht fotografieren. Das ist dann doch ein wenig übertrieben. Aber beim Durchschauen der Bilder zu Hause fallen dann doch die Fotos mit den schönen Lichtstimmungen als Erstes ins Auge.

Fotos machen, die man selber mag – nicht für Likes

In Zeiten von Social Media neigen viele FotografInnen dazu, Fotos für mehr Likes zu machen. Sie fotografieren und bearbeiten die Bilder für den Geschmack ihrer Follower. Gerade auf Instagram kann man diesen Trend sehr ausgeprägt beobachten. Am Ende sehen dann dort viele Profile gleich aus, komplett austauschbar, weil die alle die gleichen rosa-Pastell-Filter nutzen.

Ich selber fotografiere wie es mir gefällt und die Fotos werden so bearbeitet, wie sie mir gefallen. Wenn die dann anderen Menschen gefallen, freue ich mich natürlich. Es gibt aber auch genug Menschen, denen mein Stil nicht gefällt – jo, dann ist das halt so. Am Ende will ich meine Bilder zeigen und nicht den Geschmack irgendeiner anonymen Masse befriedigen.

Die Bearbeitung ist ein Teil des kreativen Prozesses

Dadurch, dass ich im RAW-Format fotografiere, muss ich zwangsläufig jedes Foto in Lightroom entwickeln. Bei der reinen Entwicklung beschränke ich mich dabei auf die nötigsten Grundwerte.

Aber es kann vorkommen, dass ich Bilder auch mal intensiver bearbeite. Da wird mit HDR-Entwicklungen gespielt, es werden auch mal Hintergründe oder Himmel ausgetauscht – hier sind keine kreativen Grenzen gesetzt, wir bei der Fotografie selber.

Und wenn einer fragt, „Warum machst Du sowas?“, antworte ich gerne mit einem Zitat des von mir sehr geschätzten Pavel Kaplun:

„Frag nicht warum, der Künstler hat sich so entschieden.“

Aber über das Thema Fotobearbeitung und was ist erlaubt, kann stundenlang diskutieren. Daher haben wir extra dafür einen größeren und längeren Beitrag geschrieben.

Gehe mit anderen Fotografen auf Tour

Ich bin schon immer gerne mit anderen Fotografen auf Tour gegangen. Sei es früher mit den Spotterkollegen oder heute mit anderen Zoo-FotografInnen. Das macht zum Einem wahnsinnig viel Spaß und zum Anderen kann man dabei eine ganze Menge voneinander lernen.

So werden gemeinsam Dinge ausprobiert. einer kennt wieder eine Kameraeinstellung die allen anderen bisher verborgen war und man kann auch mal ein Objektiv austauschen.

Ich selber habe auf solch gemeinsamen Touren im Laufe der Jahre sehr viel zum Thema Fotografie gelernt und bei alten Hasen abschauen können.

Also, geht zusammen mit anderen Fotografen auf Tour, besucht Fotowalks oder macht mal ein Gruppenseminar zu einem Thema bei bekannten Fotografen mit.

Vergleiche Fotos nicht mit den Bildern von anderen Fotografen

Da schaut man sich ein Foto von einer Sehenswürdigkeit an und will das genau so auch machen. Dumm nur, wenn man selber da ist, ist der Himmel ganz anders, das Licht kommt von einer anderen Seite, es laufen viel mehr Menschen durchs Bild, es ist eine andere Jahreszeit und die Bäume haben eine andere Farbe und und und…

Es bringt gar nichts, Fotos von anderen Fotografen nach fotografieren zu wollen. Man wird vermutlich niemals die gleiche Situation antreffen.

Es spricht nichts dagegen, sich von anderen Fotografen inspirieren zu lassen oder sich auf Fotoplattformen nach schönen Motiven an einem Reiseziel umzusehen. Vor Ort machen ich dann aber meine Bilder, die mir gefallen und stelle nicht bereits vorhandene Fotos nach.

Wenn man nur versucht, andere Fotografen zu kopieren, wird es vermutlich schnell frustrierend und macht irgendwann keinen Spaß mehr.

Lass Dich aber von anderen FotografInnen inspirieren

Es spricht aber überhaupt nichts dagegen, neue Inspirationen von anderen FotografInnen zu holen. Sei es über verschiedene Seiten im Netz, in den Social Medias oder ganz altmodisch mal auf einer Fotoausstellung.

Dort entdeckt man immer neue Motive, Bearbeitungen oder Stile, die einem gefallen. Und wenn man Teile davon dann in seine eigenen Bilder einfließen lässt, so spricht nichts dagegen. Denn…

Einen Stil entwickeln – und weiterentwickeln und dann noch weiterentwickeln…

Im Laufe der Zeit entwickelt man seinen eigenen Stil bei der Fotografie. Das geht über den Bildaufbau, den Schnitt, die Bearbeitung.

Bei mir selber entwickelt sich der Stil auch ständig neu und weiter. Wenn ich mir meine Bilder aus den ersten Jahren ansehe, die würde ich so heute wohl nicht mehr fotografieren oder sogar ins Netz stellen. Irgendwie sind die Ansprüche gestiegen und das fotografische Auge hat sich verändert.

Das fängt schon beim Fotografieren selber an. Ich knipse heute viel bewusster, besonders auf Reisen. Einfach nur Kamera drauf halten, das mache ich nur noch ganz selten. Meisten schaue ich schon sehr bewusst hin, suche einen schönen Blickwinkel und versuche den Bildaufbau bereits beim Fotografieren festzuhalten.

Bei Tierfotos bin ich mittlerweile oft auf der Suche nach dem „besonderen“ Foto. Einfach nur Tier in Gehege – och nööö. Dann lieber ein schönes Porträt, eine besondere Situation oder auch mal ein Detail vom Tier.

Bei der Entwicklung mach ich es lieber ein wenig „düster“. Stammleser kennen meine Neigung zur dunklen Vignette und dass es kaum überstrahlte Bilder hier gibt. Wer weiß, vielleicht sieht das in 2-3 Jahren ganz anders aus?

Lernen ohne Ende

Fotografie ist für mich auch mit endlosem Lernen gleichgesetzt. Ich lerne ständig neue Dinge dazu, probiere neue Sachen aus, experimentiere mit Einstellungen.

Sei es, dann man neue Motive fotografieren möchte, bei mir sind das aktuell Makros, das habe ich vorher noch nie so richtig gemacht. Und ich merke gerade, das ist a) verdammt schwer und b) ich muss da noch sehr viel lernen.

So habe ich vor ein paar Wochen auch mal damit angefangen, komplett manuell zu fotografieren. Gerade bei Zoofotos stelle ich heute alle Belichtungswerte manuell ein. Und bei den ganz kleinen Tierchen versuche ich es dazu noch mit manuellem Fokus. Und erstaunlicherweise ist die Ausschussrate bei den Bildern gesunken, da ich nun selber bestimmen kann, wo der Fokus zu sitzen hat und das keiner Berechnung in der Kamera überlasse.

Aber auch die Technik entwickelt sich weiter. Neue Kameras haben neue Funktionen, die mal mehr mal weniger sinnvoll sind. Auf jeden Fall wollen die aber erkundet werden, was die eigentlich bewirken.

Und auch bei der Bearbeitung entdeckt man immer neue Funktionen oder Wege zum Ziel.

Man kann nicht in allen fotografischen Genres perfekt sein

Wir oft ist mir das schon passiert. Man sieht wunderbare Bilder im Netz und denkt sich, och – das kann ich auch mal probieren. Und schnell merkt ich dann, dass das alles nicht so einfach ist. Mal eben ein Menschen-Porträt im Studio? Oder eine schöne Street-Art-Aufnahme (ist doch einfach nur schwarz-weiß)? Oder so ein Makro von einer Gabel (die hält doch ruhig). Und bei all den Versuchen habe ich schnell gemerkt, das ist nichts mit „mal eben“.

Ich behaupte von mir, dass ich ganz ansprechende Aufnahmen auf Reisen machen kann. Auch Tierfotos gehören inzwischen wohl zu meinen Spezialitäten, genauso wie Flugzeuge oder anderer, großer technischer Kram. Und selbst in diesen Gebieten, wo ich seit Jahren fotografisch aktiv bin, lerne ich ständig noch neue Dinge kennen. Schaue ich mir meine Tierbilder von vor 3-4 Jahren an, dann muss ich manchmal selber grinsen.

Ich experimentiere aber trotzdem gerne in anderen Genres rum und wenn mir etwas Spaß macht, versuche ich mich da weiter zu entwickeln. Über den Winter will ich z.B. das Thema Tabletop und Makros angehen.