Reisetipps USA Wohnmobil

Welchen Führerschein braucht man für ein Wohnmobil in den USA oder Kanada?

Wohnmobil in den USA - welcher Führerschein?

Führerschein für das Wohnmobil, welchen braucht man in den USA oder Kanada?

Im Moment herrscht ein wenig Aufregung auf dem Reisemarkt. Der DRV (Deutscher ReiseVerband) überraschte in den letzten Wochen mit einer Mitteilung zum Thema Führerscheine beim Mieten eines Wohnmobils.

In dem zweiseitigen Schreiben heißt es, das Inhaber von Führerscheinen der Klasse B nur noch Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen anmieten dürfen. „Dies ist insbesondere eine im Hinblick auf die Anmietung von Campern in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland wichtige Einschränkung“ – heißt es weiter. 

Wie reagieren die deutschen Reiseveranstalter?

Alle waren nun gespannt, wie denn die deutschen Reiseunternehmen reagieren werden. Und genau diese Reaktion verwirrt Touristiker und Reisende noch mehr.

Über 6 Tonnen - ein C30 Wohnmobil

Über 6 Tonnen – ein C30 Wohnmobil

DER Tour und die Camperbörse setzen diese Regelung um. Kunden wurden angeschrieben und auf das Problem aufmerksam gemacht. Ihnen wurde angeboten, die Buchungen innhalb von 14 Tagen kostenlos stornieren zu können, wenn sie nur die neue Klasse B besitzen. Beim Besitz der alten Klasse 3, welche das Führen von Fahrzeugen bis 7,49 Tonnen zulässt, ist alles kein Problem.

Andere Reiseveranstalter folgen der Maßnahme aber nicht. So haben sowohl FTI als auch CANUSA bekannt gegeben, dass dieser Hinweis sie selber überrascht habe und er nicht umgesetzt wird. Auch mit den hauseigenen Versicherungen sei das geklärt worden, dass es zu keinerlei Problemen im Schadensfall kommen wird.

„Die Beschränkung auf 3,5 Tonnen gilt nur innerhalb der Europäischen Union“ sagt ein Sprecher von FTI. Außerhalb der EU, also z.B. in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland dürfen sehr wohl schwerer Fahrzeuge bewegt werden. Ein Risiko, den Versicherungsschutz zu verlieren, sieht man bei FTI übrigens nicht: „Das haben wir mit unseren Vermietern und unserer Versicherung abgeklärt. Der Schutz im Falle eines Unfalls besteht weiter“, stellt der Sprecher klar.

Beide Unternehmen habe somit auch bis heute keine Änderung an ihren Mietbedingungen vergenommen.

Damit ist die Verwirrung nun komplett!

Wie reagieren die Wohnmobilvermieter?

Sowohl Cruise America, Road Bear und Apollo in den USA als auch Fraserway in Kanada weisen in ihren Mietbedingungen bisher weiter darauf hin, das für deutsche Mieter die Führerscheinklassen B oder 3 vollkommen ausreichend ist.

In den Ländern gelten die dort gesetzlich vorgeschriebenen Gewichtsgrenzen zum Führen einen Fahrzeuges.

In den USA sind das z.B: 11,9 Tonnen mit einem Führerschein für PKWs. Darüber hinaus kennt man in den USA auch nur noch Führerscheine für gewerbliche LKWs (Trucks) und Motorräder. Eine kleinere Staffelung der Gewichte gibt es dort gar nicht. 

Welche Auswirkungen hätte die Umsetzung?

Schauen wir uns doch mal, am Beispiel von Cruise America die Gewichte der angebotenen Fahrzeugtypen an.

Wohnmobil Gewichte bei Cruise America

Wohnmobil Gewichte bei Cruise America

Hier sieht man, selbst das kleinste Modell wiegt bereits über 4 Tonnen. Es wäre für Reisende, mit Führerscheinklasse B, nicht mehr möglich ein Wohnmobil aus der C-Klasse zu buchen. In den USA gibt es kaum Anbieter, die kleinere Modell anbieten. In Kanada, Neuseeland und Australien gäbe es die Möglichkeit, sich einen Campervan zu mieten, aber auch hier sollte man dann auf die angegebenen Gewichte schauen.

Kurz gesagt, hier würde für die Tourismusbranche ein Markt weg brechen, ebenso für die Anbieter von Wohnmobilen in den USA, Kanada und den anderen Ländern. Für viele Reisende würde der Traum vom Urlaub mit der grenzenlosen Freiheit Wohnmobil platzen.

Führerschein Wohnmobil: Wie geht es nun weiter?

Hier können wir nur mutmaßen und unsere eigene Einschätzung schreiben. 

Im Moment scheint sich abzuzeichnen, dass das Problem offensichtlich von einer Versicherung ausgeht, welche mit DER Tour und der Camperbörse zusammen arbeitet. Weitere deutsche Anbieter und die Wohnmobilfirmen selber folgen dem Hinweis nicht, dort scheint es auch keine Probleme mit den Versicherungen im Schadensfall zu geben.

Es bleibt nun abzuwarten, wie es weiter gehen wird. Vielleicht gibt es bald plötzlich eine neue Zusatzversicherung für Fahrer mit Führerscheinklasse B, vielleicht machen aber auch die Vermieter entsprechend Druck und diese Regelung wird hinfällig.

Fakt ist, seit der Einführung der neuen Führerscheinklassen in Deutschland 1999 hat es bis heute keine Probleme bei der Anmietung von schweren Wohnmobilen in den Ländern gegeben. Auch nach intensiver Suche in vielen Foren, Fachseiten, Touristikseiten konnten wir keinen beschriebenen Fall finden, wo die Versicherung nach einem Unfall oder Schaden Probleme wegen der Führerscheinklasse gemacht hat. Auch einen Fall, wo ein  Fahrverbot wegen Fahrens ohne Führerschein ausgesprochen wurde, konnten wir nirgendwo finden.

Sollte einer unserer Leser so einen Fall kennen, dann würden wir uns auf einen Hinweis dazu freuen.

Im Moment würden wir jedem Reisenden empfehlen, bei den Unternehmen zu buchen, die in Ihren Mietbedingungen ausdrücklich schreiben, dass Klasse B ausreichend ist. Allerdings würde man im Moment mit dem Risiko leben müssen, dass sich das in den nächsten Wochen vielleicht ändert. 

Wir halten euch hier auf dem Laufenden, wenn es neue Erkenntnisse gibt.

Ergänzung 09.12.2015: Auch TUI-Camper als Vermittler sieht keinen Anlass, dass man mit Klasse B die Wohnmobile in den Ländern nicht fahren darf: http://www.tuicamper.com/infos-tipps/wohnmobil-fuehrerschein/

Ergänzung 28.06.2016: In den Mietbedingungen der Camperbörse steht nun wieder, dass ein Führerschein Klasse 3 und B ausreicht. Da die Camperbörse ebenfalls zum DER-Tour-Konzern gehört ist die Verwirrung nun komplett.

Ergänzung 07.07.2016:  Wir waren diese Woche auf einer Infoveranstaltung von FTI. Dort haben wir nachgefragt, ob auch bei FTI-Camperbuchungen eine Einschränkung zu erwarten sei. Dies wurde ausdrücklich vernein. Bei FTI kann man weiter alle Camper im Programm mit Klasse 3 oder B  anmieten und fahren. Für uns ist das prima, weil wir über unser Büro auch FTI verkaufen können.

Wie sind eure Erfahrungen? Habt ihr schon mal Probleme mit dem Wohnmobil bzw. eurem Führerschein gehabt? Über euere Erfahrungen in den Kommentaren würden wir uns sehr freuen.

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Über den Autor

Thomas Jansen

Thomas, 68er Jahrgang, aus dem schönen Mülheim an der Ruhr im Ruhrpott. Zusammen mit der besten Ehefrau der Welt auf Reisen. Und sonst?
Arbeiten // Fotografieren // Bloggen // Spotten // Slotten // Lesen

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9 Kommentare

  • Hoch lebe die Welt der Bürokraten 🙂
    Hatte dieses Jahr glücklicherweise noch keine Probleme beim RV Anmieten in Kanada. Hab da grade noch mal nachgeschaut und bei den Reiseunterlagen ist nicht mal nen Gewicht aufgeführt. Nur die Länge des Fahrzeugs. Sehr speziell…

    • Moin Patrick,

      die Gewichtsangaben findet man auch nur sehr selten. Die oben gezeigten habe ich aus dem Betriebshandbuch für die RVs von Cruise America gefunden, wovon es auch eine Online-Version gibt.In den Beschreibungen bei verschiedenen Anbietern habe ich vergeblich gesucht.

      LG Thomas

  • Da schießt sich die Camperbörste leider ins eigene Bein, werden wohl über einen anderen Anbieter buchen!
    Welche Vermittlung würdet ihr empfehlen?? 🙂

    • Hi Kate,

      ich finde es nicht mehr. Danke für den Hinweis. Vielleicht hatte ich ein altes Dokument erwischt. Jetzt steht in den aktuellen Bedingungen wieder, Klasse 3 oder C1 erforderlich. Wobei die sich da selber widersprechen. Denn ein C30 wiegt, beladen und je nach Ausstattung, mehr als 7,5 Tonnen. Den dürfte man dann, nach deren Argumentation, auch nicht mit Klasse 3 fahren. https://www.camperboerse.de/terms/USA/21/2016-04-01

      Danke auf jeden Fall fürs Nachfragen, den Absatz oben habe ich mal schnell wieder durchgestrichen.

      LG Thomas