Zuletzt aktualisiert am 27. Januar 2019 um 11:52

Solltet ihr euch für eine System- oder Spiegelreflexkamera entschieden haben, so kommt im nächsten Schritt die Frage nach dem richtigen Objektiv für die Reise auf.

Wir wollen euch in diesem Beitrag gerne die einfachsten technischen Daten rund um das Thema Objektiv erklären – die Brennweite und die Lichtempfindlichkeit. Wir möchten euch Tipps geben, worauf ihr beim Kauf eines Objektives achten solltet und am Ende zeigen wir euch, welches Objektiv bei verschiedenen Motiven Sinn macht.

Die Objektivbezeichnung und ihre Bedeutung

Fangen wir einfach mal mit den technischen Daten an, welche ihr beim Suchen nach einem Objektiv um die Ohren gehauen bekommt.

Nehmen wir einfach mal ein Beispiel aus dem Leben. Ein recht beliebtes Reiseobjektiv gibt es von Sigma, mit der Bezeichnung:

Sigma 18-250mm F3,5-6,3 DC Makro OS HSM

Alles klar, oder? Nein? Na gut, dann pflücken wir das mal auseinander:

  • Sigma: Das ist einfach der Name des Herstellers
  • 18-250mm: In mm angegeben ist die Brennweite. In diesem Fall handelt es sich um ein Zoom-Objektiv mit der Brennweite von 18-250 Millimetern
  • F3,5-6,3: Mit der Blendenzahl f wird die Lichtstärke des Objektives angegeben. Es wird dabei die kleinste Blendenzahl angegeben, also der Wert, wie weit die Blende sich öffnen lässt. Bei Zoom-Objektiven ist dieser Wert flexibel. Je größer die Brennweite – desto weniger weit lässt sich die Blende öffnen. In diesem Beispiel liegt der Wert für die Offenblende also zwischen f/3,5 und f/6,3. Bei welcher Brennweite genau welche Blende möglich ist, das findet man in der Dokumentation des Objektivs.
  • DC: Bei Sigma bedeutet das DC, dass das Objektiv für die Benutzung mit APS-C Sensoren abgestimmt ist. Bei Nikon und Tokina würde da DX, bei Canon EF-S.
  • Makro: Dieses Objektiv ist für Makro Aufnahmen geeignet. Diese Bezeichnung wird oft sehr großzügig vergeben. Die genauen Daten (Vergrößerung und Naheinstellgrenze) sollte man auf jeden Fall noch erforschen, wenn man wirklich Makros machen möchte.
  • OS: Diese Bezeichnung steht bei Sigma für den Bildstabilisator. Bei Panasonic/Leica heist das O.I.S, bei Canon IS und bei Nikon VR.
  • HSM: Dieses Objekiv besitzt zum Fokussieren einen schnellen und leisen Ultraschallantrieb. Bei Nikon heißt das AF-S, bei Canon USM

Ein Problem bei diesen ganzen Bezeichnungen ist es, das jeder Hersteller sein eigenes Süppchen kocht. Das macht es natürlich nicht einfacher, die Objektive verschiedener Hersteller zu vergleichen. Eine sehr gute Übersicht über die ganzen Bezeichnungen findet ihr bei ProPhoto-Online.

Technische Daten der Objektive im Detail

Was ist denn nun wichtig, worauf muss man achten? Gehen wir noch mal im Detail auf die wichtigsten Werte ein:

Brennweite

Die Brennweite des Objektives gibt an, wie weit das Linsensystem vom Brennpunkt entfernt ist – in Millimetern. Je kleiner die Brennweite ist, desto größer wird der Blickwinkel des Objektivs. Durch die Veränderung der Brennweite kann man diesen Blickwinkel verändern. Durch die Verlängerung der Brennweite können weit entfernte Motive größer herangezoomt werden.

Skizze: Brennweite

Skizze: Brennweite

Im groben spricht man von drei Brennweitenbereichen:

  • < 35mm = Weitwinkelbrennweiten
  • 35-60mm = Normalbrennweiten
  • > 60mm = Telebrennweiten

In allen Bereichen gibt es Objektive, welche nur eine einzige Brennweite besitzen – die so genannten Festbrennweiten. Hierbei hat man keine Möglichkeit, den Bildausschnitt zu vergrößern oder zu verkleinern. Es sei denn, man bewegt sich selber mit der Kamera auf das Motiv weg oder zu (Turnschuh-Zoom). Diese Festbrennweiten haben einen sehr großen Vorteil. Sie sind von der Abbildungsqualität für eben diese eine Brennweite optimiert, meist über alle Blendenstufen. Da gibt es keine Verzerrungen, keine Abschattungen – es passt alles zusammen.

Praktischer sind die Zoomobjektive, welche eine variable Brennweite haben. Diese wird meist durch eine Drehung am Objektiv stufenlos verändert. Es handelt sich dabei um einen optischen Zoom, da der Abstand zwischen den Linsen und dem Sensor verändert wird.

Brennweiten im Vergleich

Brennweiten im Vergleich

Bei Zoomobjektiven wird der Wert von minimaler bis maximaler Brennweite als Bezeichnung für das Objektiv angegeben.

Es gibt Objektive mit allen möglichen Brennweitenbereichen. Das können Weitwinkelzooms sein (z.B. 10-18mm), Standardzooms (z.B. 28-55mm), Telezooms (z.B. 80-200mm) oder die bei Reisenden recht beliebten Superzooms (z.B. 18-250mm),

Bedenkt aber immer, je größer die Differenz von kleinster und größter Brennweite ist, desto mehr ist das Objektiv ein Kompromiss zwischen großem Brennweitenbereich und Qualität. Die Hersteller geben sich wirklich Mühe, die Bildqualität in allen Arbeitsbereichen des Objektives optimal zu gestalten. Aber die Physik setzt da auch Grenzen. Daher hat jedes Superzoomobjektiv seine Schwächen, seien es stürzende Linien im Weitwinkelbereich oder Unschärfen um Randbereich bei Teleaufnahmen.

Andererseits sind eben diese Objektive oft tolle Reisebegleiter, da man mit einem Objektiv viele Situationen meistern kann. Einige der Schwächen, z.B. die stürzenden Linien, kann man später mehr oder weniger in der Fotobearbeitung korrigieren.

Überlegt euch daher, ob ihr mit einem Objektiv reist, welches vielleicht in manchen Brennweitenbereichen Schwächen hat. Oder seid ihr bereit mehrere Objektive mit zu nehmen, das zusätzliche Gewicht durch die Gegend zu tragen und das Objektiv regelmäßig an der Kamera zu wechseln?

Beachtet bitte beim Kauf auch den so genannten Crop-Faktor eurer Kamera. Die Angaben auf den Objektiven sind meist auf das Vollformat (Kleinbild) bezogen. Wenn ihr eine Kamera mit APS-C Sensor habt, dann ist die Brennweite etwa 1,5 mal so lang. Also bei 100mm Angabe sind es 150mm. Das kann Vorteile haben, gerade im Telebereich.

Blende

Wie oben beschrieben, bezeichnet die Blendenzahl die maximal mögliche Öffnung der Blende. Hier gilt, je kleiner die Zahl desto weiter lässt sich die Blende öffnen.

Optimal sind Zoomobjektive, welche über den kompletten Brennweitenbereich eine offene Blende von f/2,8 ermöglichen. Nur gibt es dabei einen Haken – diese Objektive sind meistens verdammt teuer. Und Reiseobjektive, mit Brennweiten vom Weitwinkel bis zum Tele, mit dieser Offenblende, sind mir persönlich nicht bekannt.

Daher hier der Tipp: Schaut nach einem Kompromiss zwischen Lichtstärke, Brennweite und Preis. Durch das gute Rauschverhalten der modernen, hochwertigen Kameras kann man die fehlenden Blenden im offenen Bereich oft durch eine höhere ISO-Einstellung ausgleichen. (siehe Belichtung)

Bildstabilisator

Wir würden heute kein Objektiv im Normal- oder Telebrennweitenbereich mehr ohne Bildstabilisator kaufen. Dieser Stabilisator reduziert durch optische Vorrichtungen leichte Verwacklungen und ermöglicht so ein Fotografieren aus der Hand bei längeren Belichtungszeiten.

Makro

Makrobjektive sind spezielle Objektive, welche es ermöglichen, kleine Objekte sehr groß zu fotografieren. Die Objektive haben eine extrem kleine Naheinstellgrenze. Das bedeutet, man kann damit bis auf wenige Millimeter oder Zentimeter an das Motiv heran gehen. Zusätzlich haben diese Objektive einen großen Abbildungsmaßstab, z.B. 1:2 im Gegensatz vom Normalobjektiv (üblich 1:7 – 1:9). Einige Hersteller bezeichnen ihre Objektive aber auch schon als Makro, wenn sie einen Abbildungsmaßstab von 1:4 erreichen.

Dann gibt es noch die Naheinstellgrenze. Diese gibt an, wie nah kann man an ein Motiv heran gehen und das Objektiv dieses immer noch fokussieren kann. Bei hochwertigen Makros sind das nur wenige Zentimeter. Bei Aufnahmen von Insekten ist eine geringe Naheinstellgrenze nicht so wichtig – da kommt es eher auf den Abbildungsmaßstab an. Wenn ihr gerne Blumen als Makro fotografieren wollt, spielt die Naheinstellgrenze eine größere Rolle. Blumen flüchten auch meistens nicht, wenn man mit der Linse sehr nah ran geht.

Solltet ihr also ein Makro kaufen wollen, so überlegt vorher sehr genau, was ihr damit fotografieren wollt.

Wann welches Objektiv einsetzen?

Verschiedene Brennweiten

Verschiedene Brennweiten

Wann macht auf Reisen welches Objektiv Sinn? Hier mal ein paar Beispiele, wann wir welches Objektiv einsetzen:

  • Weitwinkel: Landschaften, Gebäude (innen und außen), Museen, Straßenszenen, Menschen
  • Normal: Straßenszenen, Landschaften (Ausschnitte), Museen, Menschen
  • Tele: Tiere, Pflanzen, Details an Gebäuden, Menschen

Ihr sehr, manche Motive kann man auch mit verschiedenen Brennweiten fotografieren. Daher gibt es nicht „die Richtige“ Brennweite für ein Motiv. Dafür sind die kreativen Möglichkeiten in der Fotografie auch viel zu groß. Allerdings wird man scheitern, wenn man einen Wohnraum mit einem 300mm Teleobjektiv komplett darstellen möchte.

Blicken wir doch mal in die Praxis. Ich habe mir mal die Fotos unserer letzten beiden USA-Urlaube angeschaut. Dabei kam ein interessantes Ergebnis zu Tage:

BrennweiteNew England
Bilder (Anteil)
Rote Steine (Südwesten)
Bilder (Anteil)
Weitwinkelbereich <35mm2497 (84%)2756 (65%)
Normalbereich 35-60mm322 (11%)788 (19%)
Telebereich >60mm148 (5%)686 (16%)

Diese Auswertung bestätigt mein Bauchgefühl – die meisten Bild sind im Weitwinkelbereich fotografiert. Der Normal- und Telebereich kommen eher weniger zum Einsatz. Das ist jetzt aber bezogen auf Roadtrips, mit viel Landschaft und einigen Städten.

Auf einer Safari, wo man Tiere in freier Wildbahn fotografiert sieht das vermutlich ganz anders aus und ein Großteil der Bilder wird dort mit dem Teleobjektiv gemacht.

Objektive Vergleichen

Manchmal steht man vor der Wahl zwischen zwei oder noch mehr Objektiven zum Kauf. Nun kann man diese in jedem guten Fachgeschäft testen gehen. Bei einigen kann man die Objektive auch mal für ein Wochenende ausleihen um sie zu testen.

Es gibt aber auch im Netz sehr gute Tests von Objektiven, wo man bei einer Kaufentscheidung sehr gute Informationen bekommt.

  • Traumflieger: Test von vielen Objektiven gängiger Hersteller auf Canon Kameras. Diese Ergebnisse kann man aber meist auch für den Einsatz auf Kameras anderer Hersteller übernehmen.
  • Colorfoto: Hier findet man Tests zu Objektiven, sortiert nach Kamerahersteller und Typen. Die Darstellung der Ergebnisse ist aber sehr technisch.

Welches Objektiv für die Reise? Fazit!

Überlegt euch vor einer Reise, welche Art von Fotos möchtet ihr machen. Schaut dann, mit welchen Objektiv, mit welchen Brennweiten diese möglich sind.

Entscheidet ihr euch für ein Superzoom mit extrem großen Brennweitenbereich, so ist das für eine Reise keine schlechte Idee. Es spart Platz und vor allem Gewicht. Allerdings müsst ihr mit leichten Qualitätseinbußen rechnen.

Solltet ihr mehrere Objektive mit nehmen wollen, so überlegt vor dem Kauf, welches Objektiv mit welcher Brennweite kann man auch außerhalb der Reise noch regelmäßig einsetzen. In dieses Modell kann man dann vielleicht ein paar Euro mehr investieren und die restlichen Brennweiten, welche nur im Urlaub benötigt werden, ein wenig sparsamer lösen.

So viel zum Thema Objektive. Sollten noch Fragen offen sein, solltet ihr Anmerkungen zu diesem Beitrag haben, so hinterlasst doch einfach unten einen Kommentar.

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Wer schreibt hier?

Wir sind es, Melanie und Thomas. Zwei Reisesüchtige in den besten Jahren, wie man das neuerdings so sagt, also das mit den Jahren. Wenn wir mal nicht reisen, verdienen wir unser Geld zum Reisen und fotografieren uns an den Wochenenden durch die nähere Umgebung. Dabei lieben wir Zoos oder andere Sehenswürdigkeiten rund um unseren schönen, geliebten Ruhrpott.

Melanie und Thomas auf Reisen