Unsere Reisen haben die Sicht auf viele Probleme in unserer Heimat verändert. In jungen Jahren haben wir die klassischen Pauschalreisen unternommen. Zwei Wochen, All-Inclusive in Spanien oder der Türkei, von Land und Leuten haben wir da nur sehr begrenzt etwas mitbekommen. Irgendwann haben wir dann die Individualreisen und Roadtrips für uns entdeckt, die Reiseziele waren auch immer weiter entfernt. Und damit haben wir auch einen anderen Blick auf unser Leben zu Hause bekommen. Auch wenn es immer was zu meckern gibt und einige Dinge in unserem Land oder in Europa nicht ideal sind, so jammern wir doch auf hohem Niveau.

Urlaub in den USA – ein Traum. In dem Land leben? Och nö!

Die USA sind unser Lieblings-Reiseland, aufmerksame Leser unseres Blogs wissen das. Die tollen abwechslungsreichen Landschaften, die meist liebenswerten und hilfsbereiten Menschen, faszinierende Städte. All das lässt erstmal vermuten, dass so ein Land dazu einlädt dort unbedingt leben zu wollen. 

Wenn man aber einige Male in dem Land war, ein wenig Kontakt zu den Menschen da bekommt und nette Gespräche führt und dazu noch mit offenen Augen durch das Land fährt, dann sieht man einige Dinge auch ein wenig kritischer.

Klar, in den USA gibt es viele Menschen, die ein richtig cooles Leben führen. Viel Geld, tolles Haus, einen dicken SUV oder Truck in der Einfahrt. Das ist aber nicht die Regel. Es gibt mindestens genau so viel Armut und eine breite Mittelschicht, die nicht unbedingt im Land der Schokoladenseen lebt. Wenn man man durch kleine Orte fährt, die fast nur aus Mobile Homes oder Trailer Parks bestehen, ganze Vororte die eher einfach bebaut sind und die Häuser einen sichtbaren Renovierungsstau haben, dann merkt man schnell, Reichtum findet man dort nicht. 

Wenn man mit diesen, einfachen Menschen wie Du und Ich, ins Gespräch kommt, merkt man schnell, unzufrieden sind die nicht. Für die ist es vollkommen selbstverständlich, zwei Jobs zu haben. Es ist für die auch vollkommen normal, nur 12-14 Tage Jahresurlaub zu haben. Natürlich wird man auch gefragt, wie das denn so in Deutschland sei und wie oft man solche Reisen macht. Wenn man dann sagt, das 28-30 Urlaubstage gesichert sind, bei einer 40-Stunden Woche dann ist uns das oft schon unangenehm. Oft drucksen wir inzwischen ein wenig rum. Spätestens nachdem uns ein Amerikaner mal gesagt hatte, dass wir sehr reiche Menschen seien. Ähm, nee, das sind wir nicht.

Und dann hat man über solche Dinge wie soziale Absicherung mit unserem Gesundheits- und Rentensystemen noch gar nicht gesprochen. Das fällt einem dann aber auf, wenn im Walmart oder in anderen Dienstleistungsbereichen Menschen Arbeiten, die weit über 70 Jahre alt sind. Eine Dame hat uns mal erzählt, sie mache das um ihre Arztrechnungen bezahlen zu können, die Rente reiche dafür halt nicht.

Natürlich haben wir schon mal mit dem Gedanken gespielt, wie es wäre, in den USA zu leben. Wir sind für uns zu dem Entschluss gekommen, dass das nichts für uns ist. Um auf dem Lebensstandard von zu Hause zu kommen, müssten wir dort drüben vermutlich mehr arbeiten, bei schlechterer sozialer Absicherung. 

Asien hat uns komplett geerdet

Und dann kamen unsere Reisen nach Asien, Thailand und Kambodscha haben wir besucht. Nach zwei 14-tägigen Reisen dorthin sind wir natürlich weit davon entfernt, Asien-Experten zu sein. Aber trotzdem haben diese beiden Reisen uns komplett geerdet.

Wenn man sieht, wie die Menschen da teilweise leben, genießt man jeden erdenklichen Luxus, jede denkbare Bequemlichkeit, die wir zu Hause jeden Tag wie selbstverständlich erleben. 

Bangkok Vororte

In Thailand waren wir im Norden unterwegs, mit dem Zug ging es durch das Land. Geschlafen haben wir in gehobeneren Hotels oder Gästehäusern. Dort fehlte es uns an nichts, jeder Wunsch wurde uns von den Augen abgelesen. Das erste Wow hatten wir aber schon, als wir mit dem Zug durch die Vororte von Bangkok fuhren. So wie auf dem Foto oben sah es über eine Strecke von vielen Kilometern aus.

Die Züge selber waren alt, rappelig, die Schienen sehr abenteuerlich verlegt. Es funktionierte aber alles und das auch noch halbwegs pünktlich – nach thailändischen Verhältnissen, also mit ein wenig Spielraum. :-) Nur, es regt sich keiner drüber auf. 

Und die Menschen? Solche Zustände hier in Deutschland und das Internet würde vor Gejammer implodieren. In Thailand aber sahen wir nur lachende Menschen, keine Spur von großem Frust. Natürlich kann das auch nur nach außen so wirken, keine Frage. Aber wir hatten nicht den Eindruck, dass die Menschen unglücklich sind. Das bestätigten uns auch einige thailändische Freunde aus unserem Bekanntenkreis hier zu Hause. Die Menschen sind größtenteils zufrieden mit dem was sie haben. 

Und in Kambodscha ging das geerdet werden noch eine Stufe weiter. Wir hatten das Glück, in den drei Tagen einen TukTuk-Fahrer zu haben, der perfekt englisch gesprochen hat. Er hat uns viele Dinge gezeigt und erklärt, die für uns unglaublich waren.

Krankenhäuser, in denen man teilweise tagelang auf dem Gang liegt und auf einen Arzt wartet. Eine Schule für arme Kinder, die dort oft die einzige Mahlzeit des Tages bekommen. Menschen die Nachts an ihren Straßenständen schlafen, ganze Familien, weil dieser Stand ihr zu Hause ist. Geschichten über Korruption und Bestechung, die dort alltäglich sind. 

Am Ende haben wir ihn dann gefragt, ob er Kambodscha verlassen würde, wenn er das Geld dazu hätte. Und seine Antwort hat uns sehr nachdenklich gemacht. Er sagte ganz klar Nein – er habe doch alles was er zum leben brauche. Ein (altes aber tolles) TukTuk, eine wunderbare Frau, liebe Kinder und ein kleines Haus. Mehr brauche er doch nicht und die Probleme im Land, die gehören zum Leben einfach dazu. Er würde seine Heimat deswegen niemals verlassen. Wow.

Weniger jammern – mehr das Leben genießen

Wenn wir dann das Gejammer hier in Deutschland oft lesen, kommt uns die Galle hoch. Natürlich haben wir hier auch Sorgen, die kann man nicht wegdiskutieren. Altersarmut, sinkende Löhne, Probleme im Gesundheitswesen, Hartz4-Regelung und noch viele andere. Wir haben hier mehr als genug Probleme, die angegangen werden sollten. Trotzdem ist das alles jammern auf hohem, verdammt hohem Niveau. 

Wenn wir dann sehen, dass es Menschen gibt, die ob der „katastrophalen“ Zustände in diesem Land irgendwelche extremen Dumpfbacken wählen, dann könnten wir komplett eskalieren. Diese Mitbürger sollte man mal ein paar Monate im letzten Winkel von Kambodscha aussetzen und dort lernen lassen, wie schlecht es einem Menschen wirklich gehen kann. Keine finanzielle Unterstützung (Null, Nichts, Nada), keine medizinische Versorgung, kein festes Dach über den Kopf, kein Zugang zu sauberem Trinkwasser, keine Bildungsmöglichkeiten – absolut keine Chance aus dem Sumpf heraus zu kommen.

Natürlich ist das ein wenig Äpfel und Birnen verglichen. Wir für uns haben aber auf unseren Reisen gelernt, unseren Lebensstandard als nicht selbstverständlich anzusehen und dankbar dafür zu sein, durch einen riesigen Zufall in so einem reichen und freien Land geboren zu sein. 

Blogparade 

Mit diesem Beitrag nehmen wir an der Blogparade „Reisen verändert“ teil, welche von Sabine auf ihrem Blog Ferngeweht veranstaltet. Dort findet ihr weitere Beiträge von anderen Blogger*innen, die darüber schreiben, wie das Reisen ihr Leben verändert hat. Schaut unbedingt mal dort vorbei.

Hat Euch das Reisen auch verändert? Dann nehmt einfach an der Blogparade von Sabine teil oder schreibt hier einen Kommentar. Wir sind schon sehr gespannt.

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Wir sind es, Melanie und Thomas. Zwei Reisesüchtige in den besten Jahren, wie man das neuerdings so sagt, also das mit den Jahren. Wenn wir mal nicht reisen, verdienen wir unser Geld zum Reisen und fotografieren uns an den Wochenenden durch die nähere Umgebung. Dabei lieben wir Zoos oder andere Sehenswürdigkeiten rund um unseren schönen, geliebten Ruhrpott.

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